Eine Wohnung in der Göppinger Metzgerstraße war im vergangenen Jahr Schauplatz einer brutalen Bluttat. Foto:  

Die neue Polizeistatistik zeigt: Die Zahl der gravierenden Taten bleibt im Kreis Göppingen auf hohem Niveau, die Sexualstraftaten gehen stark zurück. Der Anteil von Tatverdächtigen ohne deutschen Pass ist insgesamt überproportional hoch.

Der Fall der 57-jährigen Frau, die am 2. September mit insgesamt 57 Messerstichen tot in einer Wohnung in der Göppinger Metzgerstraße aufgefunden wurde, schockiert die Öffentlichkeit noch heute. Der Sonderkommission „Fils“ gelang es, einen 24-jährigen marokkanischen Staatsangehörigen festzunehmen. Inzwischen hat die Ulmer Staatsanwaltschaft den Mann beim Landgericht Ulm wegen Mordes angeklagt.

 

Das ist wohl die spektakulärste Bluttat im Landkreis Göppingen gewesen. Ihr widmet die Polizeistatistik des Ulmer Polizeipräsidiums einen ganzen Abschnitt. Ist das ein Beleg dafür, wie unsicher der Landkreis Göppingen inzwischen geworden ist? Die Zahlen des Polizeipräsidiums sprechen in ihrer Gesamtheit für das Gegenteil. Die Statistik für 2023 fasst Polizeipräsident Bernhard Weber gegenüber unserer Zeitung so zusammen: In der Region lebe es sich „nach wie vor sehr sicher“. Die Kriminalitätsbelastung liege im niedrigen Bereich, sie entspreche nicht dem landesweiten Trend, der eine deutliche Steigerung zeigt. Tatsächlich ist die Aufklärungsquote mit 63,4 Prozent überdurchschnittlich. Zum Vergleich: 2022 lag sie noch bei 60,8 Prozent.

Mehr Straftaten gegen das Leben

36 160 Straftaten vermeldet das Polizeipräsidium für 2023, das sind 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Landkreis Göppingen waren es 10 160 Straftaten gegenüber 9686 im Jahr 2022. Berechnet man die „Häufigkeitszahl“, also die Straftaten pro 100 000 Einwohner, kommt das Polizeipräsidium Ulm (es umfasst neben Ulm den Alb-Donau-Kreis sowie die Kreise Heidenheim, Biberach und Göppingen) auf 3868 – der Landesdurchschnitt beträgt knapp 5000. Der Landkreis Göppingen zählt 3880.

Einen deutlichen Anstieg gab es aber bei den gravierenden Vorfällen: den Straftaten gegen das Leben, also Mord und Tötungsdelikte (auch versuchte). Deren Zahl stieg von 37 auf 52. Der Landkreis Göppingen bildet in dem Bereich zusammen mit dem Alb-Donau-Kreis (jeweils zwölf Fälle) und dem Stadtkreis Ulm (16 Fälle) einen räumlichen Schwerpunkt. Im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums handelt es sich um 18 Mordfälle und 28 Fälle des Totschlags. Es konnten insgesamt 64 Tatverdächtige, davon 32 nicht-deutsche, ermittelt werden. Bei 37 Prozent war ein Messer im Spiel, und das betrachte man mit Sorge, berichtet Sonja Bohlien von der Kriminalpolizeidirektion. Denn es sei eine „gefährliche und verfügbare Waffe“, ganz offenbar sinke die Hemmschwelle. „Oft hängt es vom Zufall ab, ob ein Opfer überlebt oder nicht.“ Von den 58 Opfern bei diesen Taten starben 15, schwer verletzt wurden 20.

Deutlich mehr junge Straftäter

Häufiger waren im vergangenen Jahr ebenso schwere Diebstähle und Fälschungsdelikte, darunter aber vor allem oft Schwarzfahren. Diese Zahlen führen auch zur Debatte über den Anteil ausländischer Täter. Der hat sich von 39,6 auf 44,5 Prozent erhöht. Rechnet man Straftaten heraus, die nur von Ausländern begangen werden können (Verstöße gegen entsprechende Vorschriften), sind es 42,9 Prozent – ihr Bevölkerungsanteil beträgt 15,9 Prozent. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Ladendiebstahl, Körperverletzung – und eben um Schwarzfahren. Im Polizeibericht ist die Rede von einem „enormen Zuwachs tatverdächtiger ukrainischer Staatsangehöriger“, besonders bei Diebstählen.

Es gibt deutlich mehr junge Straftäter. Bei diesen geht es überwiegend um Ladendiebstähle, Körperverletzung oder die Verbreitung pornografischer Schriften. Zurückgegangen ist die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Ihre Zahl verringerte sich um 95 Fälle (minus 8,8 Prozent) auf jetzt 984 Fälle. Im Landkreis sank die Zahl von 295 auf 254. Ein starker Rückgang war bei den Vergewaltigungsdelikten zu verzeichnen. Die Zahl fiel von 128 auf jetzt 82 Fälle (minus 36 Prozent).

Deutlich mehr Rohheitsdelikte

Steigerung
 Eine deutliche Zunahme von 1761 Fällen im Jahr 2022 auf 2011 im vergangenen Jahr verzeichnet der Landkreis Göppingen bei den Rohheitsdelikten, also Körperverletzung, Raub, Nötigung. Im Bereich des Präsidiums kam es im Jahr 2023 zu einer Zunahme der Fallzahlen in allen Bereichen um insgesamt 131 auf 6331 Fälle. Dabei handelt es sich in erster Linie um Körperverletzungsdelikte.

Raub
 Raubstraftaten stiegen um 49 auf insgesamt 253 Fälle (plus 24 Prozent) an. Die Raubstraftaten befinden sich damit auf einem Fünfjahreshoch.