Bei Sportwetten hat der Beschuldigte Tausende Euro verspielt. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Ein Prozess gegen einen 31 Jahre alten Mann hat begonnen. Er hat bei zwei Taten knapp 200 000 Euro erbeutet. In einem parallel laufenden Prozess sitzt er wegen Sozialversicherungsbetrug in Millionenhöhe auf der Anklagebank – mit weiteren Beschuldigten.

Es ist bereits das zweite Mal in dieser Woche, dass der 31-jährige Mann, der zuletzt in Bietigheim-Bissingen gewohnt hat, auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts sitzt. Am Montag war er einer von vier Angeklagten in einem Prozess um Sozialversicherungsbetrug in Millionenhöhe rund um eine Möbelmontagefirma in Kornwestheim. Am Mittwoch war er der einzige Angeklagte in einem Prozess um zwei Banküberfälle – und beide Prozesse haben denselben Hintergrund.

 

Der 31-Jährige ist spielsüchtig und hat Schulden von mehr als 50 000 Euro, wie er freimütig den Richtern der 14. Großen Strafkammer erzählte. Seit seinem 18. Lebensjahr setze er Geld bei Sportwetten ein, in den letzten beiden Jahren sei „das Ganze ein bisschen eskaliert““. An jedem Wochenende habe er zwischen 2000 und 5000 Euro eingesetzt, um seine aufgelaufenen Schulden zu tilgen. „Er steckte in einem Teufelskreis, aus dem er nicht mehr herauskam“, erklärte Rechtsanwalt Lars Middendorf für den Angeklagten, der die ihm vorgeworfenen Taten in vollem Umfang einräumte.

Mit Messer Bankangestellte bedroht

Ende Februar 2023 klingelte er mit Sonnenbrille und Halstuch maskiert an der Hintertür einer Sparkasse in Korntal-Münchingen und bedrohte eine Bankangestellte mit einem Messer mit einer Klingenlänge von 20 Zentimetern. Mit den Worten „Macht alles, was ich sage, dann passiert euch nichts“, veranlasste er eine Kollegin, in den mit einer biometrischen Schleuse gesicherten Tresorraum zu gehen und ihm Bargeld auszuhändigen: 89 500 Euro. Im September überfiel er eine Sparkassenfiliale in Ingersheim, diesmal erbeutete er r 104 500 Euro. Der Clou dabei: Er wusste sehr genau um die Sicherheitsmaßnahmen der Sparkasse wie GPS-Tracker und Farbbeutel, da er bei dieser zwei Jahre zuvor eine Ausbildung zum Bankkaufmann abgeschlossen hatte.

Vor der Ausbildung hatte er vier Semester Bauingenieurwesen studiert und fünf Semester auf Lehramt an Gymnasien an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg. „Ich hatte Angst vor dem Examen“, erklärte er die Studienabbrüche. Stattdessen suchte er sich Gelegenheitsjobs, um Geld zu verdienen, und kam dabei auch mit der Möbelmontagefirma in Kornwestheim in Kontakt.

In Schuldenspirale geraten

Im Jahr 2022 machte er sich als Betreiber einer Palettenfirma selbstständig. „Ich war aber eigentlich nur der Strohmann und habe Bargeld von der Bank abgehoben und weitergegeben“, beschrieb er seine Tätigkeit. Später habe er auch Scheinrechnungen für angeblich gestelltes Personal ausgestellt. Im Frühjahr 2023 habe er alles über eine neue Firma auf legalem Weg machen wollen, sei von mehreren Banken aber wegen eines Kredits über 30 000 Euro stets hingehalten worden. Nachdem er eine schriftliche Kreditzusage hatte, habe er sich das Geld vom Inhaber der Möbelmontagefirma in bar geliehen.

Da er den Kredit am Ende nicht bekam und das geliehene Geld verspielte, sei er in die Schuldenspirale geraten, aus der er keinen Ausweg mehr gefunden habe. Einen Teil der 50 000 Euro bis 60 000 Euro schulde er seiner Familie.

Für den Prozess wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung sind weitere vier Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll Mitte April verkündet werden.