Eine junge Frau soll im vergangenen Sommer von einem Mann schwer missbraucht worden sein. Als sie ihren Lebensgefährten zu Hilfe ruft, endet die Begegnung in einem tödlichen Kampf.
Noch bevor der Angeklagte auf seinem Platz sitzt, ahnt man, dass er naht. Die Frau, die von ihm vergewaltigt worden sein soll, fängt an zu weinen. Laut schluchzt die 21-Jährige, schreit ihre Wut und ihren Schmerz hinaus. Die Gefühle sind überwältigend. Denn nicht nur soll der Mann ihr in einer Nacht im vergangenen Mai Gewalt angetan und sie schwer missbraucht haben. Er soll auch ihren Lebensgefährten erstochen haben. Wegen Totschlags und Vergewaltigung muss sich der 52-Jährige nun vor Gericht verantworten. Der Mann macht keine Angaben zu den Vorwürfen, auch nicht zu seiner Person.
Die junge Frau und der etwa 30 Jahre ältere Mann kannten sich seit einiger Zeit. Was genau sie verband, kam beim Prozessauftakt nicht zur Sprache. Sie hatten den Abend zusammen mit einem weiteren Bekannten in der Wohnung des Angeklagten in Bad Cannstatt verbracht. Man habe Kokain konsumiert, heißt es in der Anklageschrift über dieses Treffen. Dann brach ein Streit aus zwischen dem Wohnungsinhaber und dem männlichen Gast, der auch jünger gewesen sein soll als der Gastgeber. Das Ergebnis: Der junge Mann verließ die Wohnung, der 52-jährige Mann war mit der jungen Frau alleine – da habe er sie ins Schlafzimmer gedrängt, aufs Bett geworfen und entkleidet. Der Mann soll dabei ein Messer in der Hand gehabt haben, das er dann auf den Nachttisch gelegt haben soll, um sein Opfer weiter einzuschüchtern. Er habe sie mit den Händen aufs Bett gedrückt und mehrfach vergewaltigt.
Die Frau kann mit dem Handy ihren Partner kontaktieren
Nach der Tat soll der Mann die Frau zunächst im Schlafzimmer eingeschlossen haben. Gegen Morgen habe er sie dann ins Bad gehen lassen. Sie gab später zu Protokoll, dass sie dort versucht habe, mit dem Handy ihren Arbeitgeber zu erreichen. Was in den Stunden danach geschah, kam in der Anklage nicht zur Sprache. Erst nach 11 Uhr ist wieder etwas verzeichnet: Die Frau habe ihren Lebensgefährten angerufen. Offenbar konnte sie sich in der Wohnung frei bewegen. Denn laut der Anklage habe sie ihrem Partner die Tür geöffnet.
Der 25 Jahre alte Freund habe ein Messer dabeigehabt und den Mann angeschrien. Der Streit endete in die Küche, der mutmaßliche Täter soll den Lebensgefährten dorthin gedrängt haben. Er habe dann ein Küchenmesser genommen und es dem Kontrahenten in den Oberkörper gerammt. Mehrere innere Organe wurden dabei verletzt. Der Getroffene habe dem Gegner auch noch eine Verletzung zugefügt, jedoch nur eine leichte am Nacken. Zwei Notrufe gingen bei der Leitstelle ein – offenbar hatten Nachbarn den Krach mitbekommen und verständigten die Rettungskräfte. Die Frau setzte ebenfalls einen Notruf ab. Dem Mann war aber nicht mehr zu helfen. Er war wenige Minuten später tot, durch einen Verblutungsschock.
Der Prozess geht am 19. Januar weiter.