Landgericht Stuttgart EN Storage: Betrugsprozess stockt

Von Marc Schieferecke 

Mit dem  Geld der Anleger sollten angeblich Datenspeicher gekauft werden. Foto: dpa
Mit dem Geld der Anleger sollten angeblich Datenspeicher gekauft werden. Foto: dpa

Der angeklagte Ex-Geschäftsführer ist krank. Zwei Prozesstage blieben deswegen ohne Ergebnis. Ein Versuch von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, seine Strafe auszuhandeln, ist gescheitert.

Herrenberg - Im Betrugsverfahren gegen den ehemaligen EN-Storage-Geschäftsführer Edvin Novalic deutet sich eine längere Haftstrafe an – sofern das Landgericht Stuttgart ihn schuldig spricht. Am Montag hatten Staatsanwaltschaft und Verteidigung versucht, sich auf ein Strafmaß zu verständigen. Die Vorstellungen lagen aber so weit auseinander, dass es zu keiner Einigung kam.

Höchstens sieben Jahre Haft hielt die eine Seite für angemessen, mindestens zehn Jahre die andere, beides unter der Voraussetzung, dass der Angeklagte gesteht. Seine Aussage wird nicht zuletzt von den Anlegern mit einiger Spannung erwartet, die EN Storage ihr Geld anvertraut hatten. Der Insolvenzverwalter und die Staatsanwaltschaft beziffern den Schaden, den Novalic und sein Co-Geschäftsführer Lutz Beier verursacht haben, auf 90 Millionen Euro. Laut seiner Verteidigerin Ulrike Paul hatte Novalic Hinweise darauf gegeben, wo sich zumindest Reste des Geldes verbergen könnten. Allerdings haben diese Hinweise nicht dazu geführt, dass eine nennenswerte Summe eingetrieben werden konnte. Gemäß Auskunft des Insolvenzverwalters waren sie dazu zu vage.

Der Angeklagte fühlt sich nicht verhandlungsfähig

Der Angeklagte wollte bereits am vergangenen Montag aussagen. Allerdings war dieser zweite Verhandlungstag abgesagt worden, der dritte am Mittwoch darauf dauerte kaum eine halbe Stunde. Novalic ist krank und fühlte sich nicht verhandlungsfähig. Paul beklagte sich über mangelhafte ärztliche Behandlung im Gefängnis in Stuttgart-Stammheim. Ihr Mandant sei nicht untersucht worden. Eine Ärztin habe ihm schlicht Antibiotika in die Hand gedrückt. „Natürlich ist eine Justizvollzugsanstalt kein First-Class-Hotel, aber das macht mich betroffen“, sagte Paul. „Dass wir hier vorwärtskommen wollen, scheint niemanden so richtig zu interessieren.“ Inzwischen sind zwei weitere Verhandlungstage angesetzt.

Bisher erfuhr das Publikum wenig mehr, als dass Novalic eine bemerkenswerte Karriere hinter sich hat. Er wurde 1978 als Sohn von Einwanderern geboren. Der junge Edvin hatte Sprachschwierigkeiten und wurde in einem Calwer Heilzentrum behandelt, offenkundig erfolgreich. Nicht zuletzt wegen seiner Wortgewandtheit hatten mehrere Tausend Anleger EN Storage ihr Geld anvertraut. Nach seinem Hauptschulabschluss lernte Novalic Elektroinstallateur. Wegen seines Interesses für Computer stieg er auf. Weltkonzerne wie Daimler, Hitachi und Dell zählen zu seinen beruflichen Stationen. Als Manager betreute er Großkunden bis hin zur Deutschen Telekom, bis er 2009 seine eigene Firma gründete. Das EN in EN Storage steht für Edvin Novalic.

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