Der Arbeitskreis Pflege in Ostfildern freut sich über die Auszeichnung. Foto: Ines Rudel

Kooperation leben Pflegeeinrichtungen und -dienste in Ostfildern. Für ihre Imagekampagne wurde das Netzwerk beim Ideenwettbewerb des Landes ausgezeichnet.

Als starke Kraft in der Mitte der Gesellschaft präsentieren sich die Mitglieder des Arbeitskreises Pflege in Ostfildern. Mit dem Projekt „Wir! Für eine zukunftsfähige Pflege in Ostfildern“ waren die Einrichtungen und Dienste beim Ideenwettbewerb des Sozialministeriums Baden-Württemberg erfolgreich. Mit den 80 000 Euro Preisgeld planen die Kooperationspartner nun neue Projekte. „Es geht uns darum, den Pflegeberuf attraktiv zu machen und uns selbstbewusst zu präsentieren“, sagte Gudrun Müller, die bei der Stadt Ostfildern für die Altenhilfeplanung zuständig ist.

 

Mit einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne haben die Männer und Frauen dabei viele Menschen erreicht. Dem Personalmangel in der Pflege möchte Barbara Mächtle-Braun kreative Ideen und umfassende Information über die Berufsbilder entgegensetzen. Die Leiterin der Tagespflege in Ostfildern findet es wichtig, junge Menschen von der Vielfalt der Pflegeberufe zu überzeugen. Nur so lasse sich das Berufsbild zukunftsfähig aufstellen. Zudem sei es wichtig, auch Wiedereinsteiger über die Karrierechancen zu informieren, die sich in Pflegeberufen auftun. Bei der Preisverleihung mit Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) freute sie sich über die Anerkennung für das Ostfilderner Netzwerk, das das Image der Pflegeberufe auf vielen Ebenen stärkt: „Pflege ist ein wichtiger Pfeiler der Gesellschaft.“

Wartelisten in der Pflege

Wie wichtig es deshalb ist, den Pflegekräften attraktive Perspektiven zu bieten, weiß Doreen Büttner vom Krankenpflegeverein Ostfildern aus eigener Erfahrung. Auch dort fehlt Personal, es gibt Wartelisten. „Wir sind froh, dass wir auf das Pflegenetzwerk in Ostfildern bauen können“, sagt die Leiterin des Pflegedienstes. Durch die gute Zusammenarbeit lässt sich aus ihrer Sicht für die Patientinnen und Patienten eine optimale Versorgung erreichen.

Dass die Pflege angesichts des demografischen Wandels in der Gesellschaft immer mehr Bedeutung gewinnt, ist für die Akteure des Netzwerks unstrittig. An der „Initiative Pflege in Ostfildern“ beteiligen sich in Kooperation mit der kommunalen Altenhilfe der Stadt das Nikolaus-Cusanus-Mobil, die Medius-Klinik Ruit, das Samariterstift Ostfildern, das Samariterstift im Nachbarschaftshaus, die Tagespflege Ostfildern, der Krankenpflegeverein Ostfildern, die Diakoniestation auf den Fildern, die Pflegedienste Bal und Regenbogen sowie Samariter-Mobil.

„Wir als Pflegekräfte müssen selbstbewusst auftreten“, sagt Marion Elsenheimer. Den Wunsch nach Anerkennung der wichtigen Arbeit teilt sie mit vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen. Nachwuchs lässt sich aus ihrer Sicht am besten motivieren, „wenn wir unsere Arbeit gerne tun“. Das gelinge aber nur, wenn die Arbeitgeber gute Bedingungen schaffen: „Ich bin froh, wenn ich bei einem Palliativpatienten auch länger bleiben darf, als das im Zeitplan steht.“ Dafür habe sie den Beruf gelernt. Da lasse ihr die Chefin ihres Pflegediensts Regenbogen den Spielraum, den sie brauche. Das sei in der Branche aber keine Selbstverständlichkeit.

Keine Wohnungen für Pflegekräfte

Wie schwer es ist, qualifiziertes Pflegepersonal zu gewinnen, berichtete Gerd Hauffe, der Pflegedirektor der Medius-Kliniken in Ruit. Man sei auf Personal aus dem Ausland angewiesen. Zudem sei es „für unsere Mitarbeiter auf dem Markt rund um Stuttgart schwer, bezahlbare Wohnungen zu finden“. Deshalb wünschen sich die Mitglieder des Netzwerks, dass Bürgerinnen und Bürger mehr Bereitschaft zeigen, bezahlbare Wohnungen zu vermieten. Die Unterkünfte beim Ruiter Krankenhaus seien da nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Um die Kliniken, Einrichtungen und mobilen Pflegedienste zukunftsfähig aufzustellen, sieht Hauffe die Notwendigkeit, im Arbeitsalltag mit der Digitalisierung voranzukommen: „Alles, was den Pflegekräften ihren Alltag erleichtert, macht den Beruf attraktiver.“ Hauffe sieht eine große Chance in der Kooperation der Pflegedienste. So könne man auch Ideen austauschen, wie Telematik – die Verknüpfung von Telekommunikation und Informatik – den Pflegebetrieb erleichtern kann. Gemeinsam in größeren Zusammenhängen zu denken, finden die Mitglieder des Arbeitskreises reizvoll.

Welches Projekt das Netzwerk mit den 80 000 Euro Preisgeld realisieren will, wird diskutiert. „Der Preis bestärkt uns in unserer Arbeit“, sagt Andrea Möck, die das Samariterstift im Scharnhauser Park leitet. Zugleich sei er ein wichtiges Signal, um die Bedeutung der Pflegeberufe für die Gesellschaft zu zeigen. Da wünscht sie sich noch mehr soziale Anerkennung für die Pflegekräfte.