An Einsatzwillen ließ es der TV Echterdingen nicht mangeln. In dieser Szene wirft sich Tobias Heim in einen Zweikampf mit dem Weil­imdorfer Iheb Ben-Abdallah. Foto: Günter Bergmann

80 Minuten lang hält der TV Echterdingen den Lokalrivalen Weilimdorf mit einer sinnvollen Taktik und viel Einsatzwillen in Schach. Doch dann passiert eine Szene, die sämtliche Pläne über den Haufen wirft.

Echterdingen - Es war eine seltsame Stimmung, die nach dem Abpfiff im Sportpark Goldäcker vorherrschte. Trauer war es nicht – aber Freude wollte bei den Gastgebern auch nicht richtig aufkommen. Obwohl die Landesliga-Fußballer des TV Echterdingen nun seit drei Spieltagen ungeschlagen sind. Obwohl sie am Sonntag den TSV Weilimdorf und damit einen weiteren Aufstiegsanwärter über weite Strecken des Spiels in Schach gehalten hatten. Und obwohl der beherzte Auftritt auch für die nächsten Aufgaben Hoffnung macht. Der Grund für die verhaltene Atmosphäre war, dass schlicht mehr möglich gewesen wäre als dieses 1:1-Unentschieden, das letztlich herauskam. „Es tut richtig weh, wenn man so einen Aufwand betreibt und dann nicht dafür belohnt wird“, sagte der Trainer Christopher Eisenhardt. Vor allem dann, wenn eine einzige Szene sämtliche bis dahin gut funktionierenden Pläne schlagartig über den Haufen wirft.

Doch der Reihe nach: von der ersten Minute an war klar, auf welche Marschroute Eisenhardt seine Mannschaft eingeschworen hatte. Teil eins des Plans: die gelbe Wand – sprich, zur Not mit zehn Feldspielern am eigenen Strafraum verteidigen. Teil zwei: Nadelstiche durch schnelles Umschaltspiel setzen, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Letzteres hätte erstmals nach nur neun Minuten funktionieren können. Ein Ballverlust der Weilimdorfer in der Vorwärtsbewegung, und schon rollte der Echterdinger Konter über Aris Charalampidis. Dessen Zuspiel fand Friedrich Pfeifer Koelln, doch dessen Schuss wurde vom Ex-Echterdinger Güney Cömert geblockt.

Der fünfte ernsthafte Angriff sitzt

Noch zwei weitere Szenen dieser Bauart sollten sich in Hälfte eins ereignen. In der 34. Minute waren Charalampidis und Thomas Ivan am Zug, doch statt abzuschließen gab es einen Querpass zu viel – die Gäste klärten zur Ecke. Vier Minuten später kam Aron Zogaj nach einem Pass von Pfeifer Koelln frei vor Dominik Ferdek zum Abschluss, fand aber in dem Weilimdorfer Keeper ebenso seinen Meister wie Pfeifer Koelln kurz nach Wiederanpfiff. Doch der fünfte ernsthafte Angriff des TV Echterdingen saß: Einmal mehr hatte Charalampidis die Weilimdorfer Abwehr überlaufen und mustergültig für Zogaj quergelegt, der zum 1:0 vollendete. Es könnte vielleicht ein Abschiedsgeschenk gewesen sein. Denn der schnelle Flügelspieler wechselt wohl zum Ortsnachbarn Calcio in die Verbandsliga.

Und die Gäste? Die hatten ein Riesenplus an Spielanteilen, gewannen etliche der von beiden Seiten mit reichlich Körpereinsatz ausgefochtenen Zweikämpfe im Mittelfeld und ließen die Echterdinger phasenweise kaum aus deren Hälfte kommen. Aber Torchancen hatten sie keine. Die erarbeite sich weiter die Heimelf. Tobias Heim und David Hertel versäumten es, die Führung auszubauen.

Der Joker wird zum Trumpf

Inzwischen hatten sich die Nord-Stuttgarter dafür entschieden, ihrem Team durch Einwechslungen zu mehr Durchschlagskraft zu verhelfen. Der erste, der neu auf das Feld kam, war Carmine Pescione. Der Torjäger war diesmal nur als Joker vorgesehen. Dieser Joker wurde 20 Minuten später zu einem Trumpf, der auch noch stach. Denn der Weilimdorfer Stürmer entdeckte zielsicher die einzige Lücke in dem Echterdinger Bollwerk. Er beförderte den Ball per Freistoß aus zentraler Position durch die gelb-schwarze Mauer zum 1:1-Ausgleich ins Netz. Den Gegentreffer nahm der Echterdinger Schlussmann Valentin Haug auf seine Kappe, auch wenn der heimtückische Aufsetzer schwer abzuwehren war.

In der Tabelle hilft der jeweils eine Punkt beiden Kontrahenten nicht wirklich weiter. Die Weilimdorfer liegen damit nach wie vor zwei Zähler hinter Tabellenplatz zwei. Und der TV Echterdingen spürt im Tabellenkeller nun den Atem des TSV Bad Boll im Nacken. Dennoch entschied sich Eisenhardt am Ende für eine eher optimistische Sicht der Dinge: Die Enttäuschung sollte nicht überwiegen. „Wir haben immer alles noch selber in der Hand“, sagte der Coach.

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