Kreischen gehört dazu auf dem Frühlingsfest – nur zu laut sollte es nicht sein. Foto: dpa

Auf dem Wasen beginnt am Samstag das Frühlingsfest – Testlauf für Lärmbekämpfung.

Stuttgart - Festwirt Hans-Peter Grandl holt sein Smartphone aus der Tasche und schaltet seine neueste Anwendung ein. Sie misst den Lärmpegel über das Mikrofon des Mobiltelefons. Während des Gesprächs mit Journalisten nach der Pressekonferenz beim Göckelesmaier hüpft der Zeiger locker über die 80 Dezibel. „Das ist eine normale Unterhaltung“, sagt Grandl und schaut in die Runde, als wolle er sagen: Dann können wir das Feiern ja gleich lassen. Stattdessen kündigt er professionell an. „Wir müssen schauen, dass wir das Problem in den Griff kriegen.“ Für sein Zelt habe er sich deshalb eigens eine neue Audioanlage gekauft, die permanent den Schall überwacht. „Wir halten die Bestimmungen ein“, verspricht er. Festwirt-Kollege Karl Maier will ebenfalls „ein Limit einbauen“.

80 Dezibel in der Mitte der Straße vor dem Zelt und auch vor den Fahrgeschäften – dieser Wert steht in den Nutzungsbedingungen für Frühlings- und Volksfest und gilt als Obergrenze während des gut dreiwöchigen Rummels. Hintergrund der Lärmdebatte ist nicht nur eine drohende Klage von Bewohnern des geplanten Neubaugebiets auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs neben dem Neckarpark. Wie berichtet, hat auch eine Bürgerinitiative des Wohngebiets Veielbrunnenweg in einem Brief an die Stadt gefordert, bereits beim Frühlingsfest „für die Einhaltung der Lärmgrenzwerte zu sorgen“. Falls nicht, wolle man klagen.

In Sachen Geräuschpegel für die Zukunft Lösungen finden

Beschwerden von Anwohnern hat es laut Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart bisher meist nur beim deutlich größeren Volksfest gegeben. Trotzdem soll das diesjährige Frühlingsfest eine Art Testlauf sein, um für die Zukunft Lösungen zu finden, wie der Geräuschpegel auf ein erträgliches Maß reduziert werden kann. Messungen des Umweltamts haben teils deutlich erhöhte Werte ergeben. „Wir werden massiv kontrollieren“, kündigt Andreas Kroll, Chef von in.Stuttgart, an. Dafür habe man investiert und extra ein Ingenieurbüro mit der Überwachung beauftragt. Dieses soll vor Fahrgeschäften und Zelten ebenso messen wie im angrenzenden Wohngebiet.

Dabei soll es jedoch nicht bleiben. „Wir werden sofort reagieren, im schlimmsten Fall schalten wir eine elektronische Anlage ab“, so Kroll. Dennoch ist er zuversichtlich, die selbst vorgegebenen Ziele zu erreichen. „Das Umweltamt hat beim Volksfest in den Straßen zwischen 84 bis 86 Dezibel dokumentiert, daher halte ich die angepeilten 80 für realisierbar.“ Am Ende soll für Kroll ein Kompromiss stehen, der die Interessen von Anwohnern, Besuchern, aber auch Schaustellern berücksichtigt. „Frühlings- und Volksfest sollen ja lustig bleiben.“

Buden und Fahrgeschäfte um 1,50 Meter zurücksetzen

Neben dem Lärm macht den Schaustellern auch das Thema Sicherheit zu schaffen. So verfügte das Ordnungsamt in diesem Jahr, dass Buden und Fahrgeschäfte um 1,50 Meter zurückversetzt werden, um im Notfall genügend Raum zu haben. Drei Meter breitere Straßen sorgen zwar für mehr Platz, an Tagen mit wenigen Besuchern aber auch für erhöhte Tristesse. „Dann sieht es noch leerer aus“, fürchtet Nico Lustnauer vom Landesverband Schausteller und Marktkaufleute.

Zudem müssten die Besucher von den asphaltierten Wegen runter in den Schotter, um an Grillwurst oder Schießstand zu kommen. Fürs Geschäft ist das nicht gerade zuträglich. Nico Lustnauer hofft deshalb, dass das Ordnungsamt diese Auflage im nächsten Jahr wieder zurücknimmt. Die Stadt gehe von Besucherzahlen wie beim Volksfest aus, das Frühlingsfest liege mit maximal 1,5 Millionen erfahrungsgemäß deutlich unter den rund vier Millionen im Herbst.

Festwirt Hans-Peter Grandl hat derweil sein Smartphone wieder eingepackt und fordert von den Journalisten, doch in Gottes Namen auch Positives über das Frühlingsfest zu schreiben. Wie schön es doch sei, dass bald mehr als die Hälfte der Besucher in Tracht komme. Dass das Frühlingsfest inzwischen wie das Volksfest Gäste aus Italien, der Schweiz und von noch weiter her anlocke. Dass man, um die Attraktivität zu steigern, in der Vergangenheit viel Geld in die Hand genommen habe. Und was macht das Wetter? Auch das soll im Laufe der Woche deutlich besser werden.

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