Auch im Ditzinger Ortsteil Schöckingen gibt es einen Tante-M-Laden. Foto: Simon Granville

Selbst in der Region Stuttgart existieren bei der Versorgung der Menschen mit Lebensmittelläden noch viele weiße Flecken. Dabei gäbe es Alternativen.

Christian Maresch hat sich im wahrsten Sinne des Wortes ein kleines Imperium aufgebaut. Mit gerade einmal 70 bis 100 Quadratmeter großen Läden, die der Unternehmer aus Pliezhausen (Kreis Reutlingen) fast ausschließlich in Bestandsgebäuden in Ortsmitten ansiedelt, sichert er die Basisversorgung der Menschen vor allem im ländlichen Raum und leistet damit einen wichtigen Beitrag, um das Leben im Grünen noch attraktiver zu machen. Standort-Schwerpunkte sind dabei Ortschaften zwischen 700 und 4000 Einwohner, in denen es zuletzt kein oder nur ein sehr eingeschränktes Nahversorgungsangebot mehr gab.

 

Seine Tante-M-Konzept ist dabei – auch wenn der Name anderes vermuten lässt – alles andere als rückwärtsgewandt. Der besondere Clou: In den Tante-M-Läden können die Kunden 365 Tage im Jahr jeweils von 5 bis 23 Uhr, also deutlich länger als in normalen Supermärkten, einkaufen. Möglich ist das dank moderner Technik und der Tatsache, dass es kein Verkaufspersonal gibt. Der Laden öffnet und schließt automatisch, bezahlt wird an SB-Kassen mit Bargeld, EC- oder Kreditkarte oder mit einer speziellen Tante-M-Kundenkarte.

Das Sortiment umfasst rund 1100 Produkte

Hilfskräfte werden nur dafür benötigt, um das rund 1100 Produkte umfassende Sortiment aufzufüllen, das neben den Standardprodukten auch von lokalen Anbietern bestückt wird und das – mit Ausnahme von alkoholischen Getränken – fast alles umfasst, was auch in einem normalen Supermarkt gekauft werden kann. Mit rund 50 000 Euro für Einrichtung und Erstausstattung ist das finanzielle Risiko überschaubar, das Maresch oder Initiativen auf sich nehmen müssen, die als Franchise-Partner Tante-M-Läden betreiben.

Mittlerweile gibt es 44 solcher Tante-M-Läden, die meisten davon in Baden-Württemberg, zunehmend aber auch im gesamten Bundesgebiet. Bis zum Jahresende, so hat Maresch jüngst bei einem Fachgespräch der Grünen zum Thema „Dorfladen 2.0 – neue Ideen für eine gelungene Nahversorgung in kleineren Gemeinden“ erzählt, wird deren Zahl auf mindestens 60 steigen. Fast täglich kämen neue Anfragen hinzu.

In der Region gibt es 14 Tante-M-Läden

Auch in der Region Stuttgart gibt es ländliche Gegenden – und insgesamt 14 Tante-M-Läden. Sie ergänzen das aus Dorf- und Hofläden sowie sogenannten Regiomaten – Automaten, in denen regionale Produkte angeboten werden – bestehende Angebot. Dennoch existieren selbst in der Region Stuttgart noch etliche weiße Flecken, in denen es kein oder ein nur stark begrenztes Lebensmittelangebot gibt.

Die Linken im Regionalparlament haben ermittelt, dass in 14 Prozent der 179 Städte und Gemeinden der Region solche Nahversorgungsangebot fehlen. Deshalb hatte die Fraktion den Antrag gestellt, der Verband Region Stuttgart (VRS) möge einmal prüfen, ob die Region nicht ihrerseits ein Förderprogramm auflegen könne, um die Ansiedlung von weiteren Nahversorgern zu unterstützen. Gegebenenfalls könnte der VRS dabei mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart zusammenarbeiten. Denn insbesondere in ländlichen Gegenden, aber auch in unterversorgten Stadtvierteln und selbst in Stuttgart stelle die fußläufige Nahversorgung mit Lebensmitteln oft ein Problem dar.

Besonders ältere und einkommensschwache Menschen sind betroffen

Insbesondere ältere und einkommensschwache Menschen seien von diesem Versorgungsschwund unverhältnismäßig stark betroffen. Gerade diese Personengruppen würden aber wegen der demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung in naher Zukunft deutlich zunehmen. Als ein Beispiel für eine gelungene Unterstützung führten die Grünen das Bundesland Thüringen an. Dort würden bereits seit dem Jahr 2015 24-Stunden-Dorfläden und vergleichbare Projekte im ländlichen Regionen, in denen es keine Supermärkte mehr gebe, vom Landesamt für Landwirtschaft und Ländlicher Raum gefördert.

Dass man dieses Problem angehen müsse, darüber herrschte im VRS-Planungsausschuss weitgehende Einigkeit. Allerdings sei, so die Mehrheitsmeinung, der VRS in diesem Fall der falsche Ansprechpartner. Primär sei für die Ansiedlung solcher Angebote die Gemeinde selber zuständig. Zudem gebe es bereits zahlreiche Förderprogramme, die solche Ansiedlungen unterstützten. Es könne deshalb nicht die Aufgabe des VRS sein, sich auch noch bei diesem Thema finanziell zu engagieren.

Förderprogramme für den ländlichen Raum

ELR
Über das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) fördert das Land Projekte, die die strukturelle Entwicklung ländlich geprägter Gemeinden und Dörfer voranbringen. Die Mittel können auch für die Sicherung der Grundversorgung mit Waren und Dienstleistungen verwendet werden.

Gut Beraten!
Das Förderprogramm des Ministeriums für den Ländlichen Raum bietet Unterstützung bei der Entwicklung von Ideen zur Zukunftssicherung der Gemeinden. Solche Beratungsgutscheine können auch dafür eingesetzt werden, um Ideen für neue Dorfläden zu konkretisieren. hol