Im Ladies Diner brät Jennifer Honnef auch künftig Burger – nur ohne Fleisch. Foto: /Ines Rudel

Das Ladies Diner gilt als eines der besten Burgerrestaurants in der Region Stuttgart. Aber im September streicht Jennifer Honnef das Fleisch von ihrer Speisekarte. Für eine Umstellung sei jetzt die richtige Zeit, glaubt sie.

Zum Abschied wird es noch einmal Spare Ribs im Ladies Diner geben. Aber von 20. September an kocht Jennifer Honnef überwiegend ohne tierische Produkte. Die 44-Jährige ist selbst Veganerin.

 

Frau Honnef, das Fleisch zu streichen klingt nach einem drastischen Schritt für ein Burgerrestaurant.

Wir wurden zu einem Burgerladen gemacht, sind aber eigentlich ein Diner. Diners sind in den 1950er Jahren in den USA auf dem Land entstanden und ein Zwischending aus Restaurant und Raststätte. Ein Diner zu sein war immer unser Plan. Die Gäste wollen allerdings Burger, Burger, Burger.

Dann ist der Schritt umso drastischer!Wie konnte es denn so weit kommen?

Ich mache den Laden seit zwölf Jahren, bin seit mehr als 30 Jahren Vegetarierin und seit drei Jahren vegan. Meine ehemalige Geschäftspartnerin war die Fleischesserin bei uns, sie ist nur seit einigen Jahren nicht mehr dabei. Da ich schon immer Wert darauf gelegt habe, das Fleisch aus artgerechter Haltung und der Region zu beziehen, konnte ich mich mit der Situation arrangieren. Aus gesundheitlichen Gründen kann ich es mittlerweile nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren. Meine private Lebenseinstellung unterscheidet sich komplett davon, deshalb musste ich mich entscheiden: Fleisch runter von der Speisekarte oder das Diner schließen. Ich muss zu 100 Prozent hinter dem stehen, was ich mache.

Und warum jetzt? Ist gerade eine gute Zeit für die Umstellung?

Absolut. Ich weiß nicht, ob es vor vier Jahren funktioniert hätte. Jetzt bin ich total überzeugt davon, dass es der richtige Schritt ist. Es ist einfach zukunftsorientiert.

Wie werden die Gäste reagieren?

Zur Vorbereitung der Gäste kündige ich den Schritt lange vor der Umstellung an, damit sie ausreichend Zeit haben, den Abschiedsschmerz anständig zelebrieren zu können. Manche Gerichte gibt es schon nicht mehr: Die Spare Ribs haben wir vor einem Jahr von der Karte genommen. Die gibt es übrigens zum Abschied im August noch einmal, das habe ich meinen Gästen versprochen. Wir reduzieren das Fleischangebot langsam. Es gibt auch nur noch eine bestimmte Anzahl an Fleischpatties pro Tag. Wenn sie aus sind, essen die Gäste eben die vegetarische Version. Manche finden die Aktion natürlich blöd. Ein Gast sagte: Das ist politisch, da spiele ich nicht mit. Ansonsten bekommen wir zu 90 Prozent positives Feedback. Die Menschen, die uns kennen, kommen nicht wegen des Fleisches zu uns, sondern weil sie sich hier gut aufgehoben fühlen. Wenn es dann so weit ist, werden manche kurz irritiert sein, sollten sie die Umstellung nicht mitbekommen haben. Dann erklären wir ihnen die Gründe, dann ist es meistens kein Problem.

Im Bellevue am Killesberg wurde die vegane Ausrichtung wieder abgeschafft.

Das Bellevue ist ein Ausflugsziel. Dort möchten die Leute ein Schnitzel essen. Außerdem bedient das Bellevue ein höheres Preissegment. Bei uns spaziert keiner aus Versehen vorbei, wir befinden uns in einem Industriegebiet. Andere vegane Restaurants wie Vhy oder Heaven’s Kitchen laufen sehr gut.

Was gibt es künftig zu essen?

Ich bin gerade am Tüfteln und noch in der Findungsphase. Ich habe sehr viele Ideen für neue Burger und neue Gerichte. Sie sollen aber nicht so fleischähnlich wie möglich sein, das ist nicht mein Bestreben, ich werde auch nicht Fleischersatzprodukte verwenden. Das Kochen wird für uns einfach und schöner. Ich kann mich richtig austoben!

Bleibt das Ladies Diner ein Diner?

Es bleibt alles wie gehabt. Burger bedeutet nicht, dass Fleisch drin sein muss, der Begriff Patty bezeichnet nur eine runde Form. Man hat viel Spielraum, wie man die Sachen definiert. Ich habe ja schon viel vegan gekocht, Soßen oder Kuchen zum Beispiel. Den Sloppy Joe oder Chili mache ich bereits mit Sojagranulat, da schmecken die Gäste keinen Unterschied. Die Milkshakes mache ich seit fast einem Jahr mit Hafermilch. Sogar in den USA gibt es vegane Diner, einer hat bereits 1983 darauf umgestellt. Das schließt sich also nicht aus.

Sind Sie auch ein bisschen aufgeregt vor der Umstellung?

Ich freue mich riesig. Aber natürlich habe ich Respekt vor der großen Veränderung. Gleichzeitig kann ich es nicht erwarten.

Haben Sie schon ausgerechnet, wie viel Fleisch Sie einsparen werden?

Eine Menge! Leider haben wir schon einige Kühe und Schweine auf dem Gewissen.

Ein klassischer Quereinstieg

Restaurant
Vor zwölf Jahren startete Jennifer Honnef ihren „pinken, gelebten Traum“ in Esslingen – und eröffnete das Ladies Diner in einem Esslinger Industriegebiet. Die 44-Jährige ist die klassische Quereinsteigerin in der Gastronomie, denn sie arbeitete zuvor als medizinische Fachangestellte. Eine Atmosphäre wie in den 1950er Jahren, guter Service und Musik gehören zum Konzept des Lokals.

Trend
Der Schritt vom Burger zu vegan liegt offenbar nahe: Auch Necati Aydin eröffnete neben Bo’s Burger in der Stuttgarter Schwabstraße mit Vegalena ein fleischfreies Restaurant. Mittlerweile gehört es zum Standard für jeden Burgerladen, eine vegetarische oder vegane Variante im Programm zu haben – wie bei Peter Pane, Hans im Glück und den großen Ketten.