La Lune in S-Ost Frischer Wind im französischen Haus

Von Caroline Friedmann 

Julianna Herzberg  will künftig auch Programm für Kinder machen. Foto: Caroline Friedmann
Julianna Herzberg will künftig auch Programm für Kinder machen. Foto: Caroline Friedmann

Mehr Französisch, mehr Kunst: Mit einem neuen Konzept will Julianna Herzberg das Profil ihres Theaters La Lune im Stuttgarter Osten schärfen.

S-Ost - „Mehr französische Stücke. Und mehr Kunst statt Essen.“ So bringt es Julianna Herzberg mit einem Augenzwinkern auf den Punkt. Das Theater La Lune an der Haußmannstraße soll sich verändern. Und dafür will die Theaterchefin nicht nur auf den bisherigen Mittagstisch verzichten. Auch dem Spielplan will Herzberg frischen Wind einhauchen. Zwar, betont sie, brauche eine solche Konzeptumstellung Zeit. „Aber es soll eine neue Etappe im La Lune beginnen.“

Die Chefin des kleinen Theaters, das an ein französisches Wohnzimmer erinnert, will von der nächsten Saison an „von Einzel-Gastspielen wegkommen“. Stattdessen plant sie zwei bis drei feste Stücke im Programm und weitere „Recherchestücke“. Gemeinsam mit dem Regisseur Dieter Nelle will die studierte Schauspielerin selbst geschriebene und selbst inszenierte Aufführungen auf die Bühne bringen. Aber auch Klassiker sollen im La Lune ihren Platz bekommen. „Wir möchten in Zukunft mehr französische und französischsprachige Stücke zeigen und wir wollen eine eigene Truppe aufbauen“, erklärt Herzberg. „Ein Schwerpunkt des Programms soll auf aktuellen gesellschaftlichen Themen und Biografien von Menschen liegen – auch aus Stuttgart-Ost.“

Den Opfern der Euthanasie gewidmet

Gemeinsam mit Regisseur Dieter Nelle hat die Theaterchefin beispielsweise das Stück „Constance de Salm“ erarbeitet, ein Solo-Stück, bei dem die eifersüchtige Fürstin, gespielt von Julianna Herzberg, poetische Briefe an ihren Geliebten schreibt. Ein weiteres gemeinsames Werk ist „Komm schöner Tod“, ein Stück, das sich Opfern der Euthanasie im Zweiten Weltkrieg widmet. Solche und andere Inszenierungen will Herzberg in Zukunft ihrem Publikum präsentieren – als Theaterchefin und als Schauspielerin.

Doch nicht nur ernste Stücke sollen auf dem neuen Spielplan des La Lune stehen. Herzberg, die Mutter zweier Kinder ist, will vom nächsten Jahr an auch jeden Monat eine „Kinderwoche“ anbieten, bei der vormittags Theaterstücke für Kindergarten- und Vorschulkinder gespielt werden. Samstags soll es nach wie vor Gastspiele für Kinder geben: Abwechselnd sind Auftritte des Figurentheaters Fitz und der Märchenerzählerin Petra Weller geplant. Dazu gibt es für Kinder und ihre Eltern Getränke und ein Kuchenbuffet, zubereitet von einer französischen Pâtisseurin. „Diese Samstagnachmittage sind einfach eine schöne Sache für Kinder“, meint Herzberg, „Deshalb möchte ich das beibehalten.“

Auch Lesungen, Musik und Ausstellungen soll es im La Lune weiterhin geben. So sind im Theater regelmäßig die Werke wechselnder Künstler zu sehen. Im November stellt beispielsweise die Künstlerin Mechthild Schöllkopf-Horlacher ihre Werke aus. Diese sind den Kindern gewidmet, die in den Euthanasie-Programmen der Nationalsozialisten ermordet wurden. Der Künstler Markus Ege hinterfragt mit seinen Installationen, die im La Lune zu sehen sind, das aktuelle Zeitgeschehen. Der musikalisch-literarische Salon von Singer und Songwriter Tommy Mammel steht von Frühjahr 2019 an ebenfalls wieder auf dem Programm, allerdings nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch einmal im Monat.

Die Theaterchefin hat französische Wurzeln

Das französische Flair, das das Theater La Lune und viele seiner Veranstaltungen prägt, kommt übrigens nicht nur vom Namen, der im Französischen „Der Mond“ bedeutet. Auch die Theaterchefin hat französische Wurzeln, denn sie ist Halb-Französin. Schon früh stand sie auf der Theaterbühne, am Konservatorium im französischen Avignon und an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock studierte sie Schauspiel. Ihr eigenes kleines Theater ist eine wahre Herzensangelegenheit für Julianna Herzberg. Und mit einem Schmunzeln meint sie, das La Lune sei für sie ein bisschen wie ein kleines „Théâtre du Soleil“, eine französische Theatergruppe, die sich als politisch aktives, gesellschaftskritisches Theater versteht. Das Théâtre du Soleil sei ihr Vorbild, meint Herzberg. Die neue Ausrichtung des Spielplans soll dem zumindest ein wenig Rechnung tragen. „Wir wollen uns ein klares Gesicht geben und aktuelle Themen kulturell in Szene setzen“, sagt Herzberg. „Das Französische gehört da aber natürlich auch dazu.“ Doch aktuell macht das Theater La Lune wie viele andere Sommerpause. Am 15. September geht es dann wieder los – mit „Allerlei Märchen“ für Kinder ab vier Jahren und ihre Erwachsenen.

Redaktion Stuttgart-Ost

Ansprechpartner
Jürgen Brand
s-ost@stz.zgs.de

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