Julianna Herzberg (r.) und Boglárka Pap Foto: z

Das Theater La Lune eröffnet seine neue Spielstätte in Stuttgart-Gablenberg mit einem coronakompatiblen Konzept. An diesem Samstag geht es los.

S-Ost - Das Sofa aus rotem Samt ist ein echter Blickfang und steht für das Vertraute im neuen Theater La Lune. Auch sonst ist es Theatergründerin Julianna Herzberg gelungen, die französisch-charmante und intime Wohnzimmeratmosphäre mitzunehmen in die neue Spielstätte im ehemaligen Schulhaus am Gablenberger Schmalzmarkt im Stuttgarter Osten. Das prägnante Sitzmöbel steht auf der ebenerdigen Bühne, davor ein Tischchen mit einem Cimbalom, einem besonderen Instrument von Musiker Daniel Kartmann von der Band Zakuska, die Herzberg und ihr Theater schon immer begleiten. Auf dem Boden sind auch schon die Abstandszeichen für die beiden anderen Musiker Frank Eisele (Akkordeon) und Katharina Wibmer (Geige) aufgeklebt, die bei der Eröffnungsveranstaltung spielen werden. Gegenüber steht das neue Podium mit kleinen Tischen und Bistrostühlen, auf dem die Gäste dann irgendwann Platz nehmen werden, wenn wieder normale Theaterbesuche möglich sind. Nichts in diesem großen Raum, der auch noch geteilt werden kann, ist statisch. Es wird immer wieder Perspektivwechsel geben – dann wird das Podium zur Bühne und das Publikum sitzt unten. Alles soll offen und transparent bleiben.

Bis um 12 Uhr kann man am Samstag noch dazustoßen

Ja, das La Lune öffnet an diesem Samstag wieder – wenn auch anders als geplant. „Jetzt wo es am schwierigsten für uns Künstler ist, wollen wir ein Zeichen der Hoffnung setzen“, sagt Herzberg, die sich die Leitung mit Boglárka Pap teilt. Die Eröffnung beginnt digital auf Zoom um 20 Uhr. Mehr als 100 Gäste haben sich schon kostenlos angemeldet – bis um 12 Uhr kann man heute noch dazustoßen (Reservierung unter reservierung@theaterlalunestuttgart.de). Zakuska wird den Abend musikalisch begleiten, der zudem einen virtuellen Hausbesuch ermöglicht.

Die La-Lune-Fans erwarten in der Spielzeit vom 5. Februar bis zum 27. März vertraute und neue Produktionen, mit Theater, Musik, Ausstellungen, Lesungen – abgerundet wird das Ganze durch das Cuisin’le mit einer kleinen, aber feinen Auswahl an Speisen sowie Kaffee und Kuchen. Da die Gäste wegen der Corona-Pandemie aber vorerst nicht ins Theater dürfen, haben sich die beiden Macherinnen ein besonderes Konzept für die geplanten 26 Veranstaltungen überlegt, das den Titel „Kunst & Cuisine am Fenster“ trägt. Der etwas andere Theaterbesucher ordert vor der Vorstellung das Essen beim Cuisin’le, holt es dann an einem Fenster ab, und um die Ecke erscheint dann am anderen Fenster der jeweilige Künstler und zeigt für einige Minuten einen Ausschnitt aus seinem Programm – quasi als Vorspeise. Der Zuschauer nimmt dann seine Mahlzeit, geht weiter, die nächsten kommen zehn Minuten später. „Das will alles gut getaktet sein, aber wir haben ein gutes Konzept erarbeitet“, sagt Boglárka Pap und setzt darauf, dass die Gäste das Projekt mit kleinen oder großen Spenden unterstützen.

Neu dabei ist die „Abendrunde“ zu aktuellen Themen

Die Darsteller jedenfalls lassen sich auf das dramaturgische Abenteuer am Fenster ein. Beim Blick ins Programm stößt man auf bekannte Gesichter: Philipp Huguet wird am 5. Februar die Spielzeit mit Chansons von Jacques Brel eröffnen, einen Tag später feiert das Kinderstück „Auf die Plätze, fertig, schnarch“ Premiere – hier kann man sich für den Kurzauftritt am Fenster mit Kaffee, Kuchen und Kakao stärken. Neu dabei ist die „Abendrunde“ zu aktuellen Themen im Theater des 21. Jahrhunderts. Peter Grohmann beispielsweise wird in diesem Format eine heitere, politische Satire beisteuern. Neben festen Ensembles werden Herzberg und Pap auch die freie Szene einbinden und ihr zweimal im Monat die „Open Lune Stage“ zur Verfügung stellen. Das La Lune will aber auch in den Stadtteil hineinstrahlen und sich unter anderem bei der langen Ostnacht engagieren. In den nächsten Tagen wird ein großes Schild und ein Flyerkasten das La Lune auch nach außen sichtbar machen.

Julianna Herzberg und Boglárka Pap erarbeiten gerade auch ein eigenes Stück mit dem Thema Machtstrukturen (im Theater), dass dann im September – hoffentlich wieder vor Livepublikum aufgeführt werden kann.

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