In der Gutermann-Grundschule in Horb werden die Klopapierrollen „rationiert“. Es gibt eine Rolle weiches WC-Papier in einem Beutel pro Klasse. Neben den „Schüsseln“ hängt nichts. Eine kuriose Geschichte rund um Verstopfungen.
Die Klopapier-Rolle als rares Gut. Als die Regale leer waren und jeder hamsterte, was er konnte. Im Rückblick wirkt das skurril. Doch an der Grundschule wird das Klopapier auch jetzt wieder „rationiert“. Jeweils eine Rolle pro Klassenzimmer. Das klingt nach Satire. Ist aber (leider) wahr wie der Schwarzwälder Bote nun berichtet. Ein ähnlicher Fall in Halle hatte sogar für eine deutschlandweite Debatte gesorgt.
Auslöser ist der (verständliche) Brief eine Mutter. Sie sagt: „Seit ungefähr sechs Jahren hängen die Klopapierrollen vor den Schülertoiletten. Die Stadt Horb begründet es damit, dass die Putzfrauen keine Kapazitäten haben, die Toilettenpapier- Schnipsel aufzuputzen. Außerdem gab es mal einen Vorfall, da habe ein Kind das Klo verstopft.“
Kinder haben Angst, zur Toilette zu gehen
Das ist natürlich dumm. Vor allem, so gibt die Schule in einem Brief an die Eltern zu: „Von mehreren Kindern wurde geäußert, dass das Toilettenpapier oft nicht ausreiche. Kinder haben sogar Angst, zur Toilette zu gehen, da das Papier ausgehen könnte.“
Die Mutter: „Mein Kind musste letzte Woche Antibiotika einnehmen. Dieses Medikament hat ihm einfach etwas auf den Darm geschlagen. Er hatte solche Angst, das Klopapier zu vergessen, bevor er auf die Toilette geht. Ich habe dann meinem Sohn eine Hose angezogen, die über sehr sehr viele Taschen verfügt. Diese habe ich dann mit sehr vielen Taschentüchern bestückt.“
Die Lösung: „Klopapier to go“
Das kann natürlich nicht sein. Deshalb haben die Eltern protestiert. Und jetzt gibt es eine Lösung: Das „Klopapier to go“. Die Schule schreibt an die Mutter: „Die Kinder dürfen eine Rolle weichen Toilettenpapiers vom Klassenzimmer aus mitnehmen. Sie ist in einer Tasche, sodass das Geschäft diskret erledigt werden kann.“
Das kann natürlich keine Dauerlösung sein, meint die Mutter. Das Klopapier gehört nichts ins Klassenzimmer, sondern neben die „Schüssel“: „Vielleicht wäre ein partizipativer Ansatz, mit den Kids möglich zum normalen System zurück zu kommen. Ich spreche hier von einer Probewoche. Wenn wieder Mist gebaut wird, dann muss man halt wieder zurück zum alten System. Oder eine andere Art von Toilettenpapier- Spender. Ich meine hier solche Systeme, wo man eben nur einzelne Blätter entnehmen kann. Aber irgendwie interessieren unser Vorschläge weder Schule noch Stadtverwaltung. Ich persönlich finde diese Maßnahme übertrieben. Wir sind in Horb am Neckar und nicht in Neukölln im einem Ghetto, wo brennende Klorollen aus dem Fenster geworfen werden.“
Das sagt die Rektorin zum Klo-Problem
Doch was sagt die neue Rektorin? Sylvana Storz zu unserer Redaktion: „Ich habe die alte Regelung übernommen. Als es Unmut gab, haben wir uns eine individuelle Lösung überlegt. An jeder Schule sind die Toiletten ein Problem – wegen des Vandalismus und der Verstopfungen. Ich denke, das ist eine Maßnahme, die am wenigsten für Ärger sorgt.“
Stadtverwaltung: Alternativen bereits getestet
Kommen zu viele Kinder auf dumme Gedanken? Rathaussprecherin Inge Weber: „Die Regelung mit dem Toilettenpapier im Gang gibt es in der Gutermann-Grundschule bereits seit einer Weile. Leider wurden immer wieder die Toiletten und Pissoirs – mutwillig - verstopft. Überflutungen der Toilettenanlagen waren die Folge, die mit viel Aufwand und auch möglichen Folgeschäden verbunden waren. Alternative Papierspender wurden ebenfalls schon getestet. Leider mit dem gleichen Ergebnis.“
Oder sind gar keine Kinder an den Verstopfungen Schuld? Denn die Halle wird auch von anderen genutzt, zum Beispiel dem Gemeinderat. Rathaussprecherin Weber: „Erfahrungsgemäß werden die die Verstopfungen meist während der Unterrichtszeit verursacht.“