Der heutige Stadtteil feiert 2019 sein 200-jähriges Bestehen. Foto: Pascal Thiel

Der Kunstverein will die Gemeinschaft portraitieren. Ob das gelingt, ist offen.

Korntal-Münchingen - Es ist ein Großprojekt mit vielen Unbekannten. Wird der Kunstverein bis Ende des Jahres so viel Geld zusammenhaben, dass sie den Medienkünstler Wolf Nkole Helzle beauftragen können? Und wenn sie mindestens tausend Euro zusammenhaben, werden sich dann mindestens 200 Korntal-Münchinger bereit erklären, sich fotografieren zu lassen – um dann gemeinsam Teil eines großen Porträts zu werden? Die Idee vom Gemeinschaftsprojekt hatte den Kunstverein so begeistert, dass er sich auf das ambitionierte Vorhaben einließ. Es soll der Beitrag des Vereins werden zum Ortsjubiläum im Jahr 2019. Dann feiert Korntal nämlich sein 200-jähriges Bestehen. Das Bild soll erstmals innerhalb der Festwoche ausgestellt werden.

Künstler von der Schwäbischen Alb

Der Künstler Wolf Nkole Helzle lebt auf der Schwäbischen Alb. Er setzt mit einer selbst entwickelten Software einzelne Porträts zu einem Porträt zusammen: Das Individuum geht auf in der Gemeinschaft. Je mehr Fotos ihm zur Verfügung stehen, desto feiner wird das Gesicht, je weniger Bildpunkte, desto gröber sieht das Bild aus. Doch je mehr Bildpunkte, je mehr Porträts, desto teurer wird das Kunstwerk. Der Verein will aber mindestens tausend Personen beteiligen. Er kalkuliert mit Gesamtkosten von rund 15 000 Euro. Ein Teil davon trage laut Heyd die Stadt. Schließlich ist es ein Stadtteil-verbindendes Projekt.

Doch das Bild wird nicht nur von der Anzahl der Porträts abhängen, sondern auch davon, wer sich fotografieren lässt: Mehr junge Menschen, mehr Senioren? Gleichwohl entstünden letztlich immer „sehr schöne Menschen“, sagt Ulli Heyd, die bereits andere Fotoarbeiten von Helzle gesehen hat. Die Erkenntnis der Vorsitzenden des Korntal-Münchinger Kunstvereins: „Der Mensch ist schön.“ Auch wenn er sich in einem Kunstgesicht widerspiegle.

Anmeldefrist läuft ab

Doch um das Gemeinschaftswerk von der Idee in die Realität umzusetzen – und ihm in doppelter Ausfertigung einen bleibenden Platz in den Rathäusern zu geben – muss die Finanzierung gesichert sein. Dies ist bisher nicht der Fall. Weil der Kunstverein nichts aus der Vereinskasse beisteuern kann, hatte er die 40 Künstler unter seinen Mitgliedern aufgerufen, eine kleine Arbeit zu spenden, die bei der Jahresausstellung für 100 Euro verkauft werden sollen.

Heyd wünscht sich, die Bereitschaft dazu wäre größer. Denn „wenn es nur zehn wären, wäre es peinlich.“ Am 17. September läuft die Anmeldefrist ab. Doch damit allein ist es nicht getan. Die Werke müssen bei der Jahresausstellung auch verkauft werden. Heyd setzt allerdings darauf, dass sich die Korntal-Münchinger bei dem und für dieses Projekt einbringen.

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