Eine Szene von 2019 Foto: JPS JogiPics//Jogi Ritter

Knapp drei Wochen nach einem Straßenfest in Villingen-Schwenningen wird bekannt, dass unter anderem Einsatzkräfte der Polizei von einer Gruppe von bis zu 300 Menschen angegriffen worden sein sollen. Warum wurde so lang über die Vorfälle geschwiegen?

Für 10 Euro Eintritt hat man Zugang zu einer Show mit orientalischem Tanz, kann den Schlangenmenschen des Zirkus Confetti oder das Unplugged-Konzert von Musiker Matthias Rapp besuchen. Die Schwenninger Kulturnacht ist nicht gerade bekannt für ein besonders provokantes Programm, auch nicht für ein besonders feindseliges Publikum. Zweiteres hat sich in diesem Jahr jedoch anders dargestellt. Knapp drei Wochen nach dem Straßenfest sorgt die Veranstaltung für eine Kontroverse. Das liegt auch am Kulturamt, das die Feierlichkeit organisiert hat. Das Amt hat das Fest zunächst als vollen Erfolg bewertet. Diese Einschätzung müssen die Veranstalter nun überdenken.

 

Über Medienberichte wurde inzwischen bekannt, dass es am Rande des Festes zu Ausschreitungen gekommen ist, über die weder die Stadt noch die Polizei die Öffentlichkeit informiert haben. Das geschlossene Schweigen der Behörden wird sogar als Vertuschung ausgelegt. Besonders gravierend ist das Schweigen, weil die Randalierer alles andere als harmlos vorgegangen sind.

Nach aktuellen Angaben der Stadt seien bis zu 300 Personen unter anderem mit Böllern auch auf Einsatzkräfte der Polizei losgegangen. Besonders brisant: Es gibt Parallelen zu ähnlichen Vorfällen im Bundesgebiet, wie etwa zu den Krawallen in der Silvesternacht 2022, wo unter anderem in Berlin Einsatzkräfte mit Feuerwerkskörpern angegriffen wurden. Daraufhin ist eine Diskussion über soziale Brennpunkte und fehlenden Respekt vor der Polizei entbrannt.

Ausschreitungen am Rande des Festes

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt ein Sprecher der Stadt Villingen-Schwenningen, dass es zu den Vorfällen gekommen ist. Im Rahmen der Kulturnacht seien neben Einsatzkräften der Polizei auch Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) und 87 Security-Kräfte vor Ort gewesen. Zunächst habe es harmlose Auseinandersetzungen gegeben, was im Vergleich zu den Vorjahren nichts Ungewöhnliches für die teilweise betrunkenen Feiernden sei. Die eigentlichen Ausschreitungen haben sich laut der Polizei zwischen 22 und 0 Uhr am Rande des Festes zugetragen. Dort seien verschiedene Personengruppen wiederholt durch Provokationen aufgefallen. Kurz vor Mitternacht sei der erste Böller geflogen, der mehrere Einsatzkräfte getroffen habe. Daraufhin seien mehrere Böller in Richtung der Sicherheitsbehörden geworfen worden. Laut der Stadt könnten zwischen 100 und 300 Menschen daran beteiligt gewesen sein. Fünf Kräfte des KOD seien verletzt worden. Eine Polizeibeamtin erlitt ein Knalltrauma.

Interner Fehler

Laut einem Sprecher der Polizei sei es durch einen internen Fehler dazu gekommen, dass die Vorfälle des 1. Juli, an dem das Fest stattgefunden hat, nicht an die Öffentlichkeit gelangt sind. Ein Mitarbeiter habe durch eine Unachtsamkeit den Einsatz des Abends zu früh zu den Akten gelegt. Auch die Stadt bemüht sich um Schadenbegrenzung. Es sei zu Versäumnissen gekommen. „Das bedauern wir. Bürgerinnen und Bürger darüber zu informieren wäre hier notwendig gewesen“, sagt der Pressesprecher der Stadt, Christian Thiel. Zu dem Fehler sei es auch aufgrund personeller Engpässe gekommen.

„Bei derartigen Veranstaltungen mit diesem Besucheraufkommen muss davon ausgegangen werden, dass sich Auseinandersetzungen ergeben können“, so Thiel. Die Ausschreitungen in diesem Jahr hätten jedoch ein völlig neues Ausmaß erreicht. Thiel betont, dass die eigentlichen Festlichkeiten davon unberührt blieben. „Eine Minderheit der Besucher suchte die Auseinandersetzung mit den Sicherheitskräften und fiel nicht zuletzt alkoholbedingt durch grobe Störungen wie Böllerwürfe auf“, so der Leiter des Polizeireviers Schwenningen, Andreas Willmann. Die Polizei belegte acht Störer mit Platzverweisen, führte drei erkennungsdienstliche Behandlungen durch und fertigte Straf- und sieben Ordnungswidrigkeitsanzeigen an.

Fürs nächste Jahr soll es nun ein neues Sicherheitskonzept für die Kulturnacht unter anderem mit Überprüfung des Alkoholausschanks geben.