Eine „kuhle“ Sache: Beim Kuhroulette in Unterensingen machten die beiden tierischen Hauptakteurinnen einen guten Job. Foto: Petra Bail

Nicht nur Kleinvieh macht Mist. Das schaffen auch die großen Tiere. Den Beweis lieferten Lisa und Mausi beim Unterensinger Kuhroulette.

Wo üblicherweise 22 Fußballer übers Feld jagen, trotteten am vergangenen Sonntag lediglich zwei Rindviecher gemächlich über den Unterensinger Sportplatz bei der Bettwiesenhalle. Die Kühe mussten ja auch keine Tore schießen, sondern in der „Fladenarena“ gezielt einen Haufen setzen. Kuhroulette nennt sich die amüsante Veranstaltung, die der Unterensinger Posaunenchor in 20 Jahren zum elften Mal organisierte. Nur Corona hatte für einen kurzen Aussetzer der tierischen Biennale gesorgt.

 

Die tierischen Stars machen eine gute Figur

Zum Anbeißen schön wurden die festlich geschmückten Hauptakteurinnen, begleitet von zünftiger Blasmusik des Posaunenchors, auf den Platz geführt. Die beiden tierischen Stars machten eine gute Figur, auch wenn sie auf einem Grasteppich statt auf einem roten Teppich posierten. Der „Laufsteg“ leuchtete nach dem Regen satt grün, so wie es die Milchproduzentinnen lieben. Das Interesse der gut 1000 Besucherinnen und Besucher war aber mindestens so groß wie bei Fernsehstars. Handys wurden gezückt, Kameras klickten wie bei den Filmfestspielen in Venedig. Schließlich waren 4040 Lose verkauft worden, und alle Mitmachenden hofften auf einen satten Gewinn. Der Platz war in 420 Felder unterteilt worden. Der Gewinn sollte an den Inhaber des Loses mit der Feldnummer gehen, auf die Lisa und Mausi ihren ersten Fladen platzieren. Nach dem Motto „Geld stinkt nicht“, wurde hier aus Kuhmist Bargeld. Das Los gab’s zu drei Euro. Zu gewinnen waren pro Los 333,33 Euro – auch dann, wenn ein Feld mehrfach verkauft worden war.

Die schwergewichtigen Akteurinnen aus dem Stall von Bauer Thomas Pfisterer wurden ihrem Publikum vorgestellt. Beide sind Töchter der erfolgreichen Kuhdungsetzerin Larissa, deren Fladen das Unterensinger Kuhroulette 2002 eröffnete. Die dunkle Mausi kam 2007 zur Welt, sie ist sehr zutraulich und düngt zum sechsten Mal den Sportplatz. Ihre kapriziöse Schwester Lisa hat einen Dickschädel, mit dem sie die Familie Pfisterer gelegentlich nervt, verriet der Sportplatzsprecher. Starallüren hin oder her, Lisa war es schließlich, die im ersten Durchgang in Rekordzeit einen „hochwertigen Fladen“ nach allen Regeln der Kunst auf Feld F 4 platzierte und die fünf Losbesitzer Johannes Helber, Jonathan Rosner, Constantin Raff, Ruben Zimmerle und Claudia Weber strahlen ließ.

Kuhfladen muss mindestens zehn Zentimeter Durchmesser haben

Der Haufen entsprach den geltenden Regeln. Er muss mindestens einen Durchmesser von zehn Zentimetern haben. Jurymitglied Jörg Dettinger rückte mit Meterstab an und bestätigte: „Passt!!“. Er und die beiden Mitjuroren Helmut Hallas und Pfarrer Reinhard Jasch hatten ein strenges Auge darauf, dass bei dem kuriosen Roulette nicht gemogelt wurde. Die Pause hatten die beiden Kühe verdient. Beim zweiten Durchlauf am Nachmittag machte Mausi Mist. Die schwarze Schönheit setzte den stattlichen Haufen nach zehn Minuten ins Siegerfeld L 15. Hanna Jacobi, Familie Engelhardt, Inge Kober, Pauline Helber und Lenn Ertinger freuten sich. 3333,30 Euro wurden an Preisgeld ausgeschüttet. Christian Holder vom Posaunenchor freute sich mit seinen 100 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern über das rege Interesse, vor allem bei jüngeren Menschen. Den steigenden Bekanntheitsgrad führt Holder auf die sozialen Medien zurück.

Viele Familien lockte auch das kostenlose Rahmenprogramm mit Basteln, Schminken und einer Hüpfburg für Kinder sowie Bewirtung. Die allgemeinen Preissteigerungen konnten durch die Zusammenarbeit mit örtlichem Bäcker, Metzger und Getränkehändler abgepuffert werden. „Da gibt’s Vereinsrabatt“, freut sich Holder.

Trotzdem mussten die Verzehrpreise angehoben werden. „Da viele junge Familien kommen, achten wir aber darauf, dass sie nicht zu hoch sind.“ Vielmehr habe man überlegt, wo Einsparungsmöglichkeiten sind. Statt professioneller Beschallung sorgte in diesem Jahr das Sound-Team der evangelischen Kirchengemeinde für den guten Ton.