Die Herren Otto Kuhnle, Michael Gaedt und Roland Baisch (von links) Foto: Theaterhaus

Die Herren Otto Kuhnle, Michael Gaedt und Roland Baisch treiben schon seit Jahr und Tag ihr Comedy-Unwesen auf Stuttgarter Bühnen. Als Trio nennen sie sich nun KGB und präsentieren im Theaterhaus ihr neues Programm: Der Jubel rollt!

Stuttgart - KGB – hinter der Abkürzung könnte sich das neu gegründete Comedy-Trio Kuhnle-Gaedt-Baisch verbergen. Oder eben der russische Geheimdienst. Da zur Preview von „Der Jubel rollt“ echter Wodka kredenzt wird, muss es sich wohl um Letzteren handeln.

Am Wochenende hat der KGB das Theaterhaus aufgemischt und einen wahren Park an Instrumenten mitgebracht – vom Saxofon bis zur Ukulele. Da die drei dem Publikum keine Unbekannten sind, bieten sie erst einmal einen Rückblick in ihr bisheriges Schaffen. Wenn man ihnen Glauben schenken darf, hat Michael Gaedt seinen ersten Auftritt mit einem Swing bestritten. Er animiert die Zuschauer zum Klatschen und Schnipsen und legt spontan einen Stepptanz aufs Parkett.

Gaedt gilt beim KGB als Mann für’s Grobe, das hat er bei der Kleinen Tierschau und der „Soko Stuttgart“ gelernt. Während Gaedt den Swing schätzt, hat Otto Kuhnle als Königin der Nacht in Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“ debütiert, und als er sich jaulend durch die Noten hangelt, fließt bei seinen Kumpanen gleich literweise Angstschweiß. Der irre lächelnde Kuhnle entstammt dem Ex-Trio Blamage, ist aber auch als Mitglied der Comedy Factory vielen noch ein Begriff.

Und was hat Roland Baisch im Gepäck? – „The Lion sleeps tonight“, und damit sind die drei nun beim Hauptthema des Abends angelangt: Russland. Voller Inbrunst singen sie vom barbrüstigen Putin, der durch die Taiga reitet. Baisch hat sein Unwesen beim Scherbentheater und wie Kuhnle in der Comedy Factory getrieben. Er ist außerdem als „Grauer Star“ weltbekannt und auch beim Männerabend im Haus mit von der Partie.

Der Kampf mit den letzten frei lebenden Tiefspülungen

Wie sich zeigt, haben die drei ihr Russlandbild wohl vor allem im Stuttgarter Weltweihnachtszirkus geformt. Jedenfalls folgt nun eine Reihe aberwitziger Zirkusparodien. Gaedt legt sich als Dompteur todesmutig mit den „letzten frei lebenden Tiefspülungen“ an – zwei fahrbaren Klos, die er mit Reinigungs-Tabs als Leckerlis füttert. Er wagt es sogar, seinen Kopf in die mächtigen Toilettenkiefer zu legen und fördert für das Publikum, das sich in Lachkrämpfen windet, eine Rose zu Tage.

In den Zirkusnummern lebt die „Kleine Tierschau“ selig fort, die sich 2016 zum Leidwesen ihrer vielen Freunde aufgelöst hat. Die drei fahren auch mit der Transsibirischen Eisenbahn. Was die Melodie betrifft, ähnelt sie der schwäbischen verdächtig. Für den Text reihen sie einfach große Namen wie „Gorbatschow“, „Puschkin“ und „Rachmaninoff“ aneinander und beweisen, dass man sich den lang geplanten Sprachkurs in Russisch doch getrost sparen kann.

Mit anarchischem Nonsens und reichlich Dada oder auch Gaga geht es weiter: etwa Särgen auf Beinen oder einer Schleuderbrettnummer mit Wodka-Gläsern. Da bleibt kein Auge trocken, und auch die Akteure müssen sich umziehen. Nur Roland Baischs Song über zwanghafte gute Laune bildet in dieser Kolchose des Absurden eine Ausnahme. Ansonsten gilt: Kein russisches Kulturgut, keine alte russische Weise ist vor den Verballhornungen des KGBs sicher.

Im zweiten Teil muss noch ein bisschen sortiert werden

Im zweiten Teil erscheint Baisch im Michelinanzug als Russlandfreund Donald Trump, eine der wenigen politischen Anspielungen. Dann verirren sich die drei Chaoten überraschend nach Spanien und bieten einen Flamenco dar. Sie tasten außerdem ihre gut genährten Bäuche ab und präsentieren eine Tücher-Jonglage in Schwarz-Rot-Gold mit einem Laubsauger zu den Riffs von Rammstein. Da muss man erst einmal darauf kommen. Oder auch nicht, denn nicht jeder Einfall muss in die Tat umgesetzt werden, und manche Requisiten sind entbehrlich.

Als die drei nun noch von transsexuellen Cowboys singen und am Schluss jodelnd bei der bayrischen Volksmusik landen, ist der Zuschauer vollends geografisch verwirrt. Man darf hoffen, dass sich in den zwei Wochen bis zur eigentlichen Premiere im Theaterhaus-Fundus ein Navigationsgerät findet; der zweite Teil des Abends bedarf noch der Orientierung.

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