Sonntagskaffee und Kuchen – da gibt es in der Hohenstaufenstadt immer weniger Möglichkeiten. Das Traditionshaus Berner ist seit kurzem sonntags geschlossen. Andere Lokale haben geöffnet. Ein Rundgang vorbei an den Kuchentheken.
Falls mal die Motivation zum Selberbacken schwächelt, bietet sich ein Besuch in einem Café an. Der Vorteil: Die Auswahl an Heißgetränken und Kuchen ist groß – aber gilt das auch an einem Sonntag? Eine stichprobenhafte Bestandsaufnahme in der Göppinger Innenstadt an einem kühlen Sonntagnachmittag – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Das alteingesessene Konditorei-Café Berner ist für viele schon zum zweiten Wohnzimmer geworden. Doch auch das Göppinger Familientraditionsgeschäft muss neue Wege gehen: Seit Februar ist der Betrieb an Sonn- und Feiertagen geschlossen. „40 Jahre lang hatten wir sieben Tage die Woche, bis auf wenig freie Tage, an 357 Tagen geöffnet“, sagt Mathias Bidlingmaier und macht deutlich, dass diese Mammutaufgabe zunehmend zum Problem wurde. Es wurde immer schwieriger, neue, qualifizierte und verfügbare Mitarbeiter am Markt zu finden. „Die offenen Lücken mussten von der Familie gestemmt oder durch die vorhandenen Beschäftigten ausgeglichen werden“, erklärt der Konditormeister und sagt: „Meinen letzten Auszubildenden hatte ich vor sieben Jahren.“
Käsekuchen ist „der Renner“
Auf keinen Fall möchte Bidlingmaier seine Kundschaft verärgern. Was allerdings ihn selber ärgert ist, dass ihn ausgerechnet die Menschen darauf ansprechen, die bei der Frage, wann sie zuletzt im Café Berner waren, ganz still wurden. Es sei jetzt schon spürbar, dass der eine zusätzliche freie Tag den Mitarbeitern die Chance gebe, Energie zu tanken, so Bidlingmaier. Um weiterhin den Sonntagskaffee zu genießen, hat sich das Konditoren-Team neue Produkte einfallen lassen, die gut haltbar sind. Dafür bleibt das Café Berner am Samstag eine Stunde länger, bis 17 Uhr, geöffnet.
Und die anderen Cafés? „Käsekuchen ist unser Renner“, verrät Bartosch Bardel von der „Sichtbar“ in der Marktstraße, während er Geschirr abräumt. Seit 2009 betreibt er mit seiner Frau Viktoria sieben Tage die Woche, am Sonntag von 9 bis 19 Uhr, meist zu zweit das Café, das immer gut besucht sei. „Wir haben keine Angestellten, aber Familie, falls wir mal Unterstützung brauchen“, berichtet Bardel. Seine Kuchen und Torten bezieht er aus der Eislinger Konditorei Da Damiano. „Wir sind immer da, heute sind wir zu fünft“, sagt Flavio Crasnith im Vorbeigehen, die Führungskraft vom „Eiscafé Pierrot“ hat wie Mitarbeiterin Valentina gerade gut zu tun. Geöffnet ist von 10 bis 19 Uhr, im Sommer ein, zwei Stunden länger.
Mit wöchentlich wechselnden Kuchen und Torten ist die Auswahl im sonntags von 14 bis 18.30 Uhr geöffneten „Café Apostel“ größer. An diesem Sonntag sind etwa dreiviertel der Tische belegt. „Es ist sehr schwierig, Mitarbeiter zu finden“, macht Erik Rummel deutlich. Der Inhaber des Cafés „Lovely Pie“ hat sonntags von 10 bis 14 Uhr geöffnet, der Rest des Tages gehört seiner Familie.
Was seine annähernd „Rund-um-die-Uhr-Öffnungszeiten an 363 Tagen betrifft, da legt das „Caffe Bozen“ die Latte ganz hoch. „Wir sehen uns als Gastgeber und schauen, dass uns das auch am Sonntag bei Kaffee und Kuchen gelingt“, betont Mathias Pulvermüller. Grundsätzlich stehe auch bei ihm die Personalfrage im Raum, „bei jedem Bewerbungsgespräch sind die Öffnungszeiten die Gretchenfrage.“ Sonntags geöffnet von 12 bis 18 Uhr, aber nur bei schönem Wetter, so steht es an der Eingangstüre des „Cafés Gilo“. Gut besucht ist die „Café-Bar Prestige“, Anastasios Nikos kann am Sonntag auf zwei Leute zurückgreifen, geöffnet ist von 14 bis 23 Uhr. Zum Cappuccino, Espresso und Co. gibt es griechischen Kuchen.
Viele Stammgäste
„Ich fühle mich hier gut aufgehoben, weil es so hoimelig ist“, verrät Ingrid Etzel aus Göppingen, die mit Freundin Edith Hartmann im „Wiener Kaffeehaus Gutmann“ direkt am Bahnhofsplatz verweilt. „Sonntag ist mit der beste Tag, ob zum Frühstück oder zur Kaffeestunde, wir haben viele Stammgäste“, sagt Geschäftsführer Uwe Hipp, der in der Küche zu Gange ist, während der zweite Geschäftsführer Silvio Kaiser hinter der Theke kaum noch mit dem Schneiden der 10 bis 13 Kuchen und Torten hinterherkommt. Am Sonntag und an Feiertagen ist das Wiener Kaffeehaus von 11 bis 21 Uhr geöffnet.
Lohnsteigerung von 14,3 Prozent in der Gastronomie
Mehr Geld
Eine Lohnsteigerung in der Gastronomie von 14,3 Prozent geschieht derzeit in zwei Stufen: Die erste war am 1. Juli 2022, die zweite kommt am 1. Oktober 2023. Steigende Ausgaben durch Löhne, Energie- und Materialkosten seien jedoch „so nicht weiterzugeben“, berichtet Susanne Weißkopf, Vorsitzende der Dehoga im Kreis, über die Situation in der Gastronomie allgemein. „Wir kämpfen an allen Ecken“, beschreibt sie das Dilemma.
Mehr Ruhetage
Einer spürbaren Zurückhaltung der Gäste wegen der allgemeinen Preissteigerung stünden stark steigende Preise für die Gastronomen gegenüber. Die Branche reagiere mit veränderten Öffnungszeiten, mehr Ruhetagen etwa. Die Auswirkungen seien aber ganz unterschiedlich, je nach Ort.