Die Kröten werden eingesammelt und in Sicherheit gebracht. Foto: Isabelle Butschek

Die Amphibien ziehen wieder zu ihren Laichgewässern. Das bedeutet viel Arbeit für die Tierschützer.

Stuttgarter Norden - Eigentlich dachten die Amphibienschützer vom Naturschutzbund (Nabu) Stuttgart, dass es in diesem Jahr wegen des milden Winters schon etwas früher mit der Krötenwanderung losgeht. Doch der Kälteeinbruch im Januar hat noch einmal für Aufschub gesorgt. Seit etwa anderthalb Wochen sind nun die Schutzzäune in den fünf vom Nabu betreuten Stuttgarter Gebieten aufgebaut und einsatzbereit: am Frauenkopf, im Schattengrund, an der Solitude, am Steinbachsee und an der Möhringer Falkenstraße. Und die frühlingshaften Temperaturen der vergangenen Tage haben bereits die ersten Kröten animiert, zu ihren Laichgewässern zu ziehen. „Ich war am Donnerstag vergangener Woche an der Solitude und habe dort vier Kröten und zwei Molche in den Eimern gefunden“, sagt Annegret Bezler vom Nabu. Sie bilden freilich erst die Vorhut. „Wann die Massen loswandern, lässt sich schwer sagen. Das hängt vom Wetter ab, könnte aber schon in den nächsten Tagen der Fall sein“, sagt Kathrin Schlecht, ebenfalls Mitarbeiterin beim Nabu.

Fünf Grad über Null sollten es schon sein, damit bei Amphibien wie Erdkröten, Gras- und Moorfröschen, aber auch bei Molchen der Wandertrieb ausgelöst wird. Dieser führt sie zu ihrem Laichgewässer, egal, was für große Straßen dazwischen liegen. Das Gefährliche: selbst wenn die Tiere nicht direkt überfahren werden, sterben viele am Straßenrand. Denn es reiche bereits der starke Strömungsdruck eines fahrenden Autos, um die empfindlichen Amphibien zu töten.

Das wollen der Nabu und viele ehrenamtliche Helfer mit Amphibienzäunen und Fangeimern verhindern. In der Bachhalde zwischen Mühlhausen und Zazenhausen wird sogar die Straße an etwa 15 Tagen während der Krötenwanderung gesperrt, um die Tiere zu schützen. Auch am Robert-Bosch-Krankenhaus muss wahrscheinlich immer wieder gesperrt werden. Die Solitudestraße im Bereich des Rot- und Schwarzwildparks und die Greutterstraße in Weilimdorf durchschneiden ebenfalls Wanderstrecken und sind deswegen mit dem Gefahrenzeichen „Krötenwanderung“ gekennzeichnet. Auf diesen Strecken sollte man nach Einbruch der Dämmerung und bei Regen langsam und vorsichtig fahren.

Die Aktionen sind durchaus erfolgreich: 2011 konnten in Stuttgart mehr als 10 000 Amphibien gerettet werden – soviel wie noch nie. Dadurch, dass damals der Frühling nach einem langen Winter mit einem Schlag einsetzte, gab es Tage mit unglaublichen Sammelmengen: Am Schattengrund wurden am 14. März mehr als 1000 Tiere gezählt. Wie es dieses Jahr aussieht, lässt sich schwer vorhersagen: „Die Zahlen schwanken immer stark. Das kann auch damit zusammenhängen, dass die Weibchen nicht jedes Jahr laichen“, sagt Kathrin Schlecht. In den Eimern landen größtenteils Erdkröten. „Die Zahl der Molche oder Frösche ist vergleichsweise gering.“

Wer übrigens beim Einsammeln mithelfen möchte, ist jederzeit willkommen. Für das Gebiet Schattengrund werden für diese Saison noch helfende Hände gesucht. „Aber auch sonst darf man sich gerne bei uns melden. Wir nehmen jeden auf, weil doch auch immer wieder Leute abspringen“, sagt Kathrin Schlecht. Mitbringen muss man vor allem die Bereitschaft, morgens etwas früher aufzustehen. „Wenn es im April oder Mai schon wärmer ist, kann man die Kröten nicht bis mittags in den Eimern brutzeln lassen.“

Info Die Nabu-Geschäftsstelle ist unter der Telefonnummer 62 69 44 erreichbar.

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