Private Schwimmschulen unterrichten in Stuttgart zahlreiche Schüler – doch sie fürchten jetzt um ihre Zukunft. Foto: Martin Stollberg

Die städtischen Bäderbetriebe planen ein neues Konzept für die Stuttgarter Hallenbäder. Das verursacht viel Wirbel, weil Öffnungszeiten eingeschränkt werden. Jetzt melden sich auch private Schwimmlehrer zu Wort: Sie fürchten, bei den Plänen baden zu gehen. Und mit ihnen viele Kinder.

Stuttgart - Die Welle der Empörung rollt weiter. Seit die Bäderbetriebe der Stadt vor kurzem ihren Bäderentwicklungsplan 2030 vorgestellt haben, reißt die Kritik nicht ab. Bürger und Bezirksbeiräte laufen Sturm gegen die Pläne, künftig die öffentlichen Schwimmzeiten in den acht Stuttgarter Hallenbädern um 132 Stunden pro Woche zu verkürzen. Die Zeit soll Schulen und Vereinen zugeschlagen werden.

Doch damit nicht genug. Künftig sollen im Sommer das Leo-Vetter-Bad und das Heslacher Bad geschlossen werden. Die Hallenbäder in Plieningen und Bad Cannstatt sollen der Öffentlichkeit gar nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Stadt will damit neue Schwerpunkte setzen, dem Personalmangel entgegenwirken und auch im geringen Umfang Geld sparen.

Doch es werden immer mehr Folgen der Pläne erkennbar, über die der Bäderausschuss Ende März entscheiden muss. Jetzt melden sich private Schwimmlehrer zu Wort. Sie fürchten, beim neuen Konzept schlicht vergessen worden zu sein oder gleich ganz auf der Streichliste zu stehen. „Wir werden ohnehin meist nur in den Bädern geduldet. Aber jetzt wissen wir überhaupt nicht mehr, wie es mit uns weitergehen soll. Wahrscheinlich will man uns raus haben“, sagt eine Frau, die seit langem unterrichtet. Sie sagt, die privaten Lehrer und Schwimmschulen füllten eine wichtige Lücke: „Die Wartelisten bei den Kursen der Stadt und der Vereine sind lang. Wir schaffen Abhilfe, gerade bei Kindern mit erhöhtem Betreuungsaufwand oder Leuten, die nicht in große Gruppen wollen“, sagt sie.

Kritik am Gesamtkonzept

Ein Kollege pflichtet ihr bei. Durch die Einschränkung der Schwimmzeiten fielen ihm allein zwei von vier Tagen weg, in denen er Kurse anbieten könne. Außerdem höre man, dass die privaten Lehrer künftig gar nicht mehr zu den öffentlichen Zeiten kommen dürften, sondern nur noch, wenn Vereine und Schulen in den Bädern sind. Dafür solle man sich wohl registrieren – aber offiziell erfahre man das bisher nicht. „Das Konzept ist nicht ausgereift“, sagt er. Schließlich gebe es private Schwimmschulen, die hundert Kinder unterrichten.

„Wo sollen die hin?“, fragt auch die Lehrerin. Die Vereine könnten sie nicht übernehmen, weil es an Personal fehle. Und die Stadt selbst plant, ihre eigenen Kurse ebenfalls einzuschränken. So sollen alle Fitness- und Schwimmkurse künftig während der Freibadsaison komplett wegfallen. „Wer soll die Kinder unterrichten und wo sollen sie üben, wenn es an Kursen und Öffnungszeiten fehlt? Sollen die Leute immer schauen müssen, wann sie gerade wohin im Stadtgebiet fahren müssen, um eine geöffnete Halle zu finden?“, fragt die Frau. Und sie fügt an, dass sie angesichts der Unsicherheit alle Eltern informiert habe, dass sie ihre Kurse vorerst nur noch bis Ende April anbieten kann. „Wie es danach weiter geht, wissen wir nicht.“

Wie viele Schwimmschüler betroffen wären, lässt sich schwer sagen. Vonseiten der privaten Lehrer ist zu hören, es müssten mindestens Hunderte sein. Die Stadt kann dabei kein Licht ins Dunkel bringen. Wie viele private Schwimmlehrer in Stuttgart aktiv sind und wie viele Schüler von ihnen unterrichtet werden, werde nicht erfasst, so ein Sprecher.

Manche Lehrer melden sich nicht an

Dabei müsste das eigentlich klar sein – denn private Lehrer brauchen eine Erlaubnis der Bäderbetriebe, wenn sie in öffentlichen Bädern unterrichten wollen. Daran, so ist zu hören, hielten sich aber nicht alle. Es komme immer wieder vor, dass plötzlich ganze Gruppen zum Unterricht auftauchten, ohne dass vorher jemand davon gewusst habe. Nichts sagen kann die Stadt deshalb auch über die Nachfrage und den Bedarf nach solchen Kursen.

Ob die privaten Schwimmlehrer sich zurecht um ihre Zukunft sorgen? Die Antwort der Stadt mutet sehr ausweichend an. „Es wäre wünschenswert, wenn sich hierzu alle privaten Anbieter direkt mit uns in Verbindung setzen würden, um eine Nutzung abzustimmen“, heißt es bei den Bäderbetrieben.

Was das bedeutet? Die Antwort bleibt offen. Bis zu einer Klärung gilt: So mancher Lehrer und seine Schüler geraten gehörig ins Schwimmen. Aber anders als gedacht.

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