Der Marbacher Optiker Markus Kienzle vermisst in schwierigen Zeiten Unterstützung vom Bürgermeister. Ein blamabler Auftritt der Stadt im Radio war für den Geschäftsmann symptomatisch.
Für viele Radiohörer, die es mit Marbach halten, war es zum Fremdschämen. Da hatte der SWR1 vor gut zwei Wochen zur besten Sendezeit am Freitagmittag zu einem Duell zwischen der Schillerstadt und Sigmaringen aufgerufen – und kaum jemand verlor sich vor dem Marbacher Rathaus, um sich dort der Wettbewerbsaufgabe zu stellen und so viele Kalorien wie möglich zu verbrennen. Nicht zuletzt örtliche Händler sind teils entsetzt und können nicht verstehen, dass die Rathausspitze nicht stärker für eine Teilnahme getrommelt habe und die Kommune vor zig Hörern im Radio ein ausgesprochen trauriges Bild abgegeben habe.
Geschäftsmann spricht von einer „Blamage“
Bei Optikermeister Markus Kienzle ist auch Tage nach der Sendung der Unmut nicht verraucht. Er spricht von „einer Blamage und einem Armutszeugnis“. Siegfried Beran vom gleichnamigen Fotogeschäft versteht die Welt ebenfalls nicht mehr. „Die komplette Veranstaltung wurde nicht angemessen beworben und nicht ernst genommen“, echauffiert sich Beran und fragt mit sarkastischem Unterton: „Wollte die Stadt diese Werbung überhaupt?“ Offensichtlich habe sich bei der Verwaltung niemand für die Aktion verantwortlich gefühlt, während die Kollegen in Sigmaringen „verschiedene Institutionen und die Bevölkerung mobilisiert“ hätten. Letztendlich sei eine große Chance vertan worden, „mit geringem Aufwand Marbach positiv überregional darzustellen“.
Das kann Markus Kienzle nur unterstreichen. „Die Rathausspitze hätte, wenn sie je nicht selbst dazu gekommen ist, das Ganze delegieren müssen. Man hätte die Schulen und die Vereine mit ins Boot holen können. Wir Händler wären gerne dabei gewesen. Aber es ist nichts passiert. Dabei wäre das eine Riesengelegenheit gewesen, eine Aufbruchstimmung zu erzeugen“, sagt der Optiker. Das Schlimme aus Sicht des Ur-Marbachers ist, dass dahinter fast schon ein Schema zu erkennen sei. „Im Prinzip ist das symptomatisch dafür, wie unser Bürgermeister agiert“, findet Kienzle.
Bürgermeister wird mangelnde Unterstützung vorgeworfen
Der Geschäftsmann erinnert daran, wie schwierig die Zeiten gerade für ihn und die anderen Selbstständigen in der Innenstadt sei. Die Fußgängerzone wird saniert, Staub und Lärm seien seit Monaten Dauerbegleiter, die Kundschaft bleibe angesichts dieser Begleitumstände oftmals weg, der Umsatz sinke. „Und seit der Wochenmarkt vor der Stadionhalle stattfindet, haben wir samstags Zustände wie während Corona“, sagt Kienzle. Doch vom Bürgermeister komme keinerlei Unterstützung. „Es geht mir insbesondere um moralische Unterstützung, darum, einen positiven Geist in der Stadt zu verbreiten, ein Ohr für die Bedürfnisse von uns Händlern zu haben, uns zu besuchen und einfach mal zu fragen: wie geht es euch eigentlich?“. Doch es gebe „leider null Kommunikation“.
Der Marbacher betont, dass all das nichts Persönliches sei. Und er sei weiter Optimist, glaube an die Zukunft der Schillerstadt. Doch gerade in schweren Zeiten wie jetzt müsse die Rathausspitze mit gutem Beispiel vorangehen und einen positiven Geist erzeugen, damit ein Ruck durch Marbach gehe. Und er habe diese Meinung nicht exklusiv. Bürger, Kunden und andere Selbstständige empfänden das ähnlich.
Rathauschef weist Kritik zurück
Jan Trost kann die Kritik nicht nachvollziehen. Für das SWR-Event sei auf den üblichen Plattformen der Stadt wie der Homepage, Facebook oder Instagram getrommelt worden. Der Sender selbst habe ebenfalls angekündigt, für das Format werben zu wollen. Trost erinnert zudem an ein anderes Städteduell des SWR vor vier Jahren, das bei gleichem Werbeaufwand vonseiten der Kommune „auf deutlich bessere Resonanz in der Bevölkerung“ gestoßen sei. Seine Schlussfolgerung: „Es ist wie bei städtischen Veranstaltungen, manche ziehen eine große Resonanz in der Bevölkerung nach sich, manche weniger. Offensichtlich kam das Format des SWR vor vier Jahren in der Bevölkerung besser an als das jetzige.“
Was die angeblich mangelnde Unterstützung der Selbstständigen anbelangt, so verweist der Rathauschef darauf, dass das Citymanagement den Einzelhändlern mit mehr als 40 Veranstaltungen pro Jahr unter die Arme greife. „Auch in der Kommunikation gibt es viele Austauschmöglichkeiten für Gewerbetreibende, die ein Interesse daran haben“, beteuert Trost. Als Beispiele nennt er das Unternehmerfrühstück der Interessengemeinschaft der Selbstständigen in Marbach (IGS) oder verkaufsoffene Sonntage. Darüber hinaus sei zwecks besserer Abstimmung 2022 ein runder Tisch mit Vertretern der IGS, des Stadtmarketingvereins und der Stadt eingerichtet worden, der vierteljährlich tage „und sich als Kommunikationsplattform sehr gut bewährt hat“. Das Citymanagement sei „ständig vor Ort präsent“ .
Mit ihm selbst gebe es ebenfalls zahlreiche Austauschmöglichkeiten, versichert Trost, der aber auch klarstellt: „Eine Einzelbetreuung der Akteure, wie von Herrn Kienzle gewünscht, sei es in der Innenstadt oder den Gewerbegebieten, durch mich ist zeitlich nicht darstellbar.“