Kritik an Fellbacher Kombibad Stolze Preise für die drei Superrutschen

Von Dirk Herrmann 

Blick der Webcam auf das Fellbacher Familien- und Freizeitbad F.3. Foto: Stadt Fellbach
Blick der Webcam auf das Fellbacher Familien- und Freizeitbad F.3. Foto: Stadt Fellbach

Hinein ins Planschvergnügen: Mitte September öffnet das fast 40 Millionen Euro teure Fellbacher Kombibad seine Pforten, das auch zahlreiche Stuttgarter anlocken soll. Doch bereits jetzt gibt’s Beschwerden: Frühschwimmer fühlen sich ausgebootet, Familien klagen über saftige Preise.

Fellbach - Grün und Rot. Zwei Farben spielen derzeit im Zusammenhang mit dem neuen Spaßbad unterhalb des Kappelbergs eine besondere Rolle. Da ist zum einen jene neue Skulptur, die bereits eine Woche vor dem ersten offiziellen Kopfsprung auf dem Vorplatz platziert wird. „Die Springerin“ heißt die Bronze-Großplastik der Künstlerin Anja Luithle. Zu sehen ist auf dem fünf Meter hohen Podest freilich keine Nixe im neckischen Bikini, sondern lediglich ein rotes Abendkleid ohne weiblichen Inhalt, dafür aber mit Schwimmflosse auf dem Rücken. Grasgrün wiederum wurde der Rutschenturm angestrichen – ein „geschmackloser farblicher Fauxpas“ lästern Spaziergänger. Baubürgermeisterin Beatrice Soltys beschwichtigt: Wenn das Bad in seiner ganzen Pracht dastehe, passe der grüne Turm ausgezeichnet.

Wesentlich höheren Wellenschlag als diese koloristische Spielerei freilich verursacht die vor einigen Wochen bekannt gewordene Preisgestaltung fürs neue F.3 (Abkürzung für dreimal F, nämlich Fellbacher Familien- und Freizeitbad). Fürs Freibad sowie die sogenannte Sportwelt im Hallenbad sind 3,60 Euro fällig (Kinder 2,20 Euro). Deutlich tiefer in die Geldbörse greifen muss, wer in die Erlebniswelt eintauchen will: Erwachsene zahlen 8,90 Euro (für zwei Stunden) beziehungsweise 12,90 Euro (vier Stunden), Tageskarte 14,90 Euro; Kinder und Jugendliche jeweils einen Euro weniger. Die Saunawelt schließlich ist ab 14,90 Euro buchbar.

Sind das „modernste Erlebnisbad in der Region Stuttgart“

Die Stadtverwaltung sieht darin kein Problem. Weil das Angebot für die reinen Sportschwimmer und fürs Freibad sehr günstig sei (für Jugendliche ganztags etwa 2,20 Euro), müsse das Erlebnisbad halt teurer sein. Dort werde den Kunden allerdings auch einiges geboten – handelt es sich doch , wie die Rathausspitze voller Selbstbewusstsein betont, um „das modernste Erlebnisbad in der Region Stuttgart.“

Tatsächlich lässt dieser Erlebnisbereich kaum Wünsche offen: Sole- und Außenbecken, Strömungskanal, Sprudelliegen, Massagedüsen und Whirlpool, dazu ein großzügiger Kinderbereich mit Schiffchenkanal, Wasserspeier und Wasserglocke. Die Attraktion für mutige Wassermänner aber sind die drei Riesenrutschen: die 88-Meter-Loopingrutsche (Motto: „Fellbach steht Kopf“), der 118 Meter lange Aqua-Racer („Gut bereift bei jedem Wetter“) und die 59-Meter-Turbo-Rutsche („Durch diese hohle Gasse müssen sie kommen“) mit 18,5 Prozent Gefälle.

Tolle Sache – doch wer kann sich das leisten? In der Lokalzeitung hagelt es heftige Beschwerden. „Ich frage mich, welche Familien so eben mal 45,60 Euro für einen Tagesbesuch im Bad ausgeben können“, schimpft etwa Claudia Zeller: „Die ,3’ steht für 3-Klassen-Bad; die Familie mit wenig Einkommen kann ja ins Frei- und Sportbad gehen, Besserverdienende können das Erlebnisbad nutzen.“

OB: „Frühschwimmen in allen Ehren, aber man hat den Eindruck, es würden Hundertschaften das Bad entern“

Nach Recherchen von Leserbriefschreiber Michael Vonau gibt es in Baden-Württemberg nur ein einziges Erlebnisbad ohne Therme, das teurer ist als das F.3: Das Galaxy-Schwarzwald-Bad in Titisee-Neustadt – „das bietet immerhin 18 Rutschen, darunter eine weltrekordverdächtige Halfpipe“. Fellbachs Erster Bürgermeister Günter Geyer hingegen spricht von „marktüblichen Preisen, die für die breite Bevölkerungsschicht bezahlbar sind“, und verweist auf das Fildorado mit einem vergleichbaren Angebot und Preisniveau. Dort habe es im vergangenen Jahr 616 000 Besucher gegeben, „so viele wollen und brauchen wir nicht einmal“.

Auch die Kritik der Freibad-Frühschwimmer an den neuen Öffnungszeiten (ab 9 Uhr) findet bei der Stadt wenig Widerhall. „Frühschwimmen in allen Ehren, aber man hat den Eindruck, es würden Hundertschaften das Bad entern“, sagt Oberbürgermeister Christoph Palm. Geyer betont, es sei eben eine Frage der Wirtschaftlichkeit, ob man für eine kleine Gruppe von Frühschwimmern das Bad früher öffne. Doch es gibt einen Lichtblick. Die F.3-Betriebsgesellschaft teilt mit, dass in der Hochsaison eine Öffnung des Freibads um 8 Uhr denkbar sei, fürs Hallenbad soll es einen Frühschwimmertag ab 6.30 Uhr geben.

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