Ticketautomat am falschen Ort, Bahnsteig zu gefährlich: Der Bezirksbeirat Stuttgart-Nord sieht Handlungsbedarf.
Stuttgart-Nord - Derzeit ist kaum Gedränge auf dem Hochbahnsteig der Haltestelle Pragfriedhof an der Heilbronner Straße. Coronabedingt lernen die Schüler, die sonst mit der Bahn zu den umliegenden Schulen und zurück nach Hause fahren, daheim. Doch das wird nicht so bleiben. Die Schulen werden öffnen – und der Bahnsteig wird wieder überfüllt sein. „Spätestens dann wird es wieder brandgefährlich“ stellt Bezirksbeirat Ralph Wöhrle (Grüne) fest.
In der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats Nord stellte seine Fraktion den Antrag, dass die Stadtverwaltung die SSB dazu auffordert, für mehr Sicherheit an der Haltestelle zu sorgen. Der Vorschlag der Grünen: zu dem Bahnsteig in der Mitte der Heilbronner Straße einen zusätzlichen Außenbahnsteig am Straßenrand nach dem Vorbild der Haltestelle Pragsattel zu bauen, eine breiteren Fußgängerüberweg zu schaffen und schneller Grün an der Fußgängerampel. „Das würde mehr Sicherheit bringen“, ist Wöhrle überzeugt. Der tödliche Unfall im vergangenen Dezember, bei dem eine Stadtbahn der Linie U 7 in Richtung Stuttgart eine 60-jährige Frau beim Überqueren der Gleise erfasst und tödlich verletzt hat, mache den dringenden Handlungsbedarf deutlich. Außerdem soll geprüft werden, ob im Bereich der Schulen Tempolimit 30 möglich ist, obwohl es sich bei der Heilbronner Straße um eine Bundesstraße handelt. Der Antrag ging einstimmig durch.
Die Haltestelle Pragfriedhof: Für SPD-Bezirksbeirat Axel Alt das Stichwort, um wiederholt auf die seiner Meinung nach „unsinnige“ Aufstellung der Ticketautomaten hinzuweisen: Vor mehr als zwei Jahren hat die SSB den Ticketautomaten am Hauptzugang zu der Haltestelle außer Betrieb gesetzt, während der in Friedhofsnähe weiter in Betrieb ist. Alt: „Die SSB argumentierte, dass der Kasten für die Technik gebraucht würde und zwei Ticketautomaten unrentabel seien.“
Bezirksbeirat wirft der SSB Untätigkeit vor
Für Alt sind die Überlegungen der SSB nachvollziehbar. Nur: Der Ticketautomat sei an der falschen Seite des Bahnsteigs stillgelegt worden. Die Friedhofsbesucher, die mit der Bahn zum Pragfriedhof fahren, hätten ihren Rückfahrschein bereits gelöst. Die Fahrgäste aus den umliegenden Wohngebieten im Bereich Eckartshaldenweg, die in die Stadt wollen, müssen ihr Ticket hingegen erst lösen. Dazu müssen sie laut Alt vom Hauptzugang am Eckartshaldenweg 80 Meter bis zum Ticketautomaten am Pragfriedhof gehen. „Für Gehbehinderte und Senioren ist das eine Zumutung“, stellt Alt fest. Außerdem weist er darauf hin, dass der funktionierende Automat in Friedhofsnähe aus den 80 Metern Entfernung gar nicht zu sehen sei. „Wer nicht weiß, dass der Automat am anderen Ende des Bahnsteigs steht, wie die Gäste des Hotels Ibis, ist ratlos“, sagt er. Der SSB wirft er vor, dieses Problem seit 2,5 Jahren ignoriert zu haben. Wöhrle bestätigt: „Ich hab den Eindruck, die SSB lehnt sich zurück und macht nichts.“
Eine Kritik, die die SSB zurückweist: Das Fahrgastaufkommen auf dem Bahnsteig der Haltestelle Pragfriedhof sei erst am Montag per Antrag thematisiert worden und noch nicht bei der SSB angekommen. Sobald das der Fall sei, werde man sich darum kümmern. Die Klärung des Standorts für den Ticketautomaten hätten sowohl Bezirksvorsteherin Sabine Mezger und SSB zurückstellen wollen, bis die neuen Automaten der SSB auch an der Haltestelle Pragfriedhof aufgestellt werden, sagt SSB-Sprecherin Birte Schaper.