Nach der Niederlage in Nürnberg: Christian Gentner (li.) und Sedar Tasci sind bedient Foto: Pressefoto Baumann

Nach der unglücklichen 1:2-Niederlage in Nürnberg sinnt der VfB auf Wiedergutmachung.

Stuttgart - Es gibt Tage, da steht das Pferd quer im Stall. Das kann passieren, sollte sich aber nach Möglichkeit nicht wiederholen. Nach der unglücklichen 1:2-Niederlage in Nürnberg sinnt der VfB Stuttgart auf Wiedergutmachung gegen Bayer Leverkusen. Einfach wird das nicht.

Selbst die schärfsten Kritiker wollten am Ende nicht unterschreiben, dass die Männer vom VfB Stuttgart schlecht gespielt hatten. Alles in allem kam der 1. FC Nürnberg zu drei dicken Torchancen. Was nicht gerade viel ist in einer Partie vor heimischer Kulisse. Eine davon vereitelte Schlussmann Sven Ulreich, die beiden anderen versenkten zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt die VfB-Leihgabe Julian Schieber (3.) und Javier Pinola (90.).

"Wir machen es den Gegnern zu einfach"

Dazwischen trat die Mannschaft von Trainer Christian Gross so auf, dass sich die Beobachter im Easy-Credit-Stadion eigentlich nur fragen mussten, wann der VfB die Wende einleiten würde. Es dauerte dann doch bis zur 85. Minute. Cacau traf zum 1:1, danach stemmte sich Nürnberg - ohne seinen mit Gelb-Rot vom Platz gestellten Abwehr-Rambo Andreas Wolf (66.) - eigentlich nur noch gegen die drohende Niederlage. "Ich hatte Sorge, dass wir noch verlieren würden", sagte Julian Schieber.

Dass es dann doch noch anders kam, hatte vor allem damit zu tun, dass Mauro Camoranesi und Arthur Boka das seltene Kunststück fertigbrachten, in der Nachspielzeit einen Eckball für die eigene Elf in einen Konter für die Nürnberger zu verwandeln. Was womöglich noch kein größeres Problem gewesen wäre, hätte sich der VfB taktisch nicht verhalten wie eine F-Jugend-Mannschaft: Alle Mann nach vorn. "Wir wollten unbedingt den Sieg und haben dabei vergessen, dass wir auch verteidigen müssen", sagte Cacau mit entschuldigender Miene.

Wofür die Franken, namentlich Javier Pinola, herzlich dankten. "Wir machen es den Gegnern zu einfach", sagte Christian Gross verärgert, "die Mannschaft hat unheimlich viel guten Willen, aber sie hat sich taktisch falsch verhalten." Mit anderen Worten: Dummheit wird bestraft. Eine Analyse, für die er keinerlei Widerspruch erntete.

"Er hat nicht mehr so frisch gewirkt"

"Es sind drei Punkte, die wir uns mit Glück erarbeitet haben", sagte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking. Und damit hatte er noch reichlich untertrieben. Denn der schwache Schiedsrichter Jochen Drees hatte kurz vor der Pause einen blitzsauberen Treffer von Pawel Pogrebnjak nicht gegeben und die üble Klopperei der Franken viel zu lange toleriert. Dass Arthur Boka nach einer halben Stunde einen Freistoß an die Latte nagelte und der Ball vom Rücken des Nürnberger Torwarts Rafael Schäfer ins Aus sprang, passte ins Bild.

Nun soll also am morgigen Samstag (15.30 Uhr/Mercedes-Benz-Arena) Bayer Leverkusen dafür büßen, dass dem VfB im Land der Franken so viel Ungerechtigkeit widerfahren ist. "Es ist gut, dass wir jetzt zu Hause auf Leverkusen treffen. Wir müssen jetzt einfach gewinnen und ein starkes Spiel zeigen", forderte Zdravko Kuzmanovic. Doch Bayer taugt nur dann als beste Medizin, wenn der VfB sein Spiel endlich dort dicht macht, wo bekanntlich das Tor steht - in der Mitte. Die Sehnsucht nach Christian Träsch im defensiven zentralen Mittelfeld wächst mit jeder Niederlage. Auch bei Trainer Christian Gross, der sich dann entscheiden müsste: entweder er setzt Kuzmanovic auf die Bank oder Christian Gentner. Was zurzeit wahrscheinlich keinen großen Unterschied macht.

"Er hat nicht mehr so frisch gewirkt"

Die Position des rechten Außenverteidigers könnte, von seiner Verletzung kuriert, wieder Stefano Celozzi übernehmen. Im Abwehrzentrum wird gegen Bayer Leverkusen ohnehin wieder Matthieu Delpierre neben Serdar Tasci für klare Verhältnisse sorgen.

"Wir müssen so aggressiv und kompakt spielen wie gegen Borussia Mönchengladbach", sagt Cacau, was einfacher klingt, als es ist. Das Duell beim Club ging auch deshalb verloren, weil die Automatismen zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen nach wie vor nur unzureichend greifen. Die Folge: Ballstafetten stocken häufig schon nach zwei, drei Stationen. Die Mannschaft betreibt unverhältnismäßig viel Aufwand, um den Gegner unter Druck zu setzen.

Warum er Pawel Pogrebnjak nach 70 Minuten ausgewechselt habe, wurde Christian Gross gefragt. "Er hat nicht mehr so frisch gewirkt", antwortete Gross. Es war der fünfte Spieltag.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: