Auch die Baubranche ist wie viele über die Politik frustriert. Aber sie sollte jetzt nicht bei der Lautstärke auftrumpfen, sondern mit einem Blick über Lobbyinteressen hinaus, sagt Andreas Geldner.
Der Staat soll liefern – und je lauter man auftritt, umso größer die Chance auf Gehör? Diese Lektion aus der aktuellen Kakofonie diverser Interessenverbände hat sich nun auch die Baubranche zu Herzen genommen. Bauern haben Traktoren, Eisenbahner die Lokomotiven und Spediteure ihre Lastwagen. Was liegt also näher, bei einem ersten Aktionstag in Baden-Württemberg auch das eigene rollende Material zu mobilisieren?
Doch wer genauer hinblickt, der erkennt, dass das Thema Wohnen komplexer ist als ein Kampf gegen Abgaben oder um die Verteidigung von Subventionen.
Vom Einbruch des Wohnungsbaus sind viele betroffen, nicht nur Bau- und Immobilienfirmen oder Investoren, sondern auch Bauarbeiter, Häuslebauer und Mieter. Nicht zuletzt hat das Ganze auch mit dem Thema einer durch Zuwanderung wachsenden Bevölkerung und dem damit verbundenen Integrationsbedarf zu tun. Ein Thema, bei dem man zu sehr polarisieren sollte, ist Wohnen also nicht.
Worauf die Branche zu Recht hinweist, ist die Entschlusslosigkeit der Politik, die auch handwerkliche Fehler gemacht hat. Während sie beim Sparen manchmal allzu kurzatmig agiert, stecken notwendige Beschlüsse beim Bauen schon seit Monaten fest. Es wurde einiges angekündigt, aber bisher zu wenig geliefert.
Trommelwirbel reicht nicht
Man wolle bei allem Trommelwirbel demokratisch konstruktiv bleiben, gelobt die Branche. Sie muss sich da beim Wort nehmen lassen. Sie darf nicht einseitig ökonomische Interessen im Blick haben, wenn es ihr ernst ist. Dass sie zu einem Aktionstag Gewerkschafter und Mietervertreter eingeladen hat, ist ein positives Zeichen. Wenn die Akteure rund um den Bau zeigen, dass es ihnen um Kompromisse und langfristige Perspektiven geht, wäre dies auch für das politische Klima im Land insgesamt verdienstvoll.