Bis auf die Figuren ist von Krippenbauer Kurt Post alles selbst gemacht. Foto: rst Rudel

Kurt Post aus Neckartailfingen besitzt rund 40 Krippen. Manche sind so groß, dass man sie nur zu zweit bewegen kann. Seine Kunst hat der Krippenbaumeister unter anderem im Lechtal erlernt. Seine Kundschaft reicht bis nach Bozen.

Die heilige Familie ist bei Kurt Post in vielfacher Ausführung zu Hause. Und Jahr für Jahr zimmert der 76-jährige Neckartailfinger für Maria, Josef und das Christuskind ein neues Heim. Inzwischen reicht seine kleine Werkstatt für all diese Ställe nicht mehr aus, deshalb muss längst die Doppelgarage als Unterstellmöglichkeit herhalten. Mehr als 40 große Krippen hat Kurt Post über die Jahre geschnitzt, gezimmert und behalten.

 

Eine Krippe für das Rathaus

Die verkauften Krippen, die längst in anderen Familien für Weihnachtsstimmung sorgen, sind bei der Zahl 40 nicht reingerechnet, erklärt der Fachmann, der sich seit 2009 Krippenbaumeister nennen darf. Jedes Jahr ziert eine prächtige Krippe aus seiner Werkstatt auch das Rathaus von Neckartailfingen, die Nürtinger Stadtkirche und noch andere Plätze. Begonnen hat die Liebe zu den Krippen im Urlaubsort in Tirol. „Meine Frau hat dort eine alpenländische Krippe gesehen und sich so eine für zu Hause gewünscht. Da habe ich gesagt, die baue ich dir“, erinnert sich Post an sein Versprechen.

Aber weil der gelernte Schreiner, der nach neun Jahren wegen eines Schicksalsschlags den Handwerksberuf gegen den des Rettungssanitäters eintauschte, viel auf Können und Präzision hält, machte er gleich richtig Nägel mit Köpfen. Der heutige Rentner besuchte einen Krippenbaulehrgang in einer Schnitzerschule in Österreich, belegte Kurse in Elbigenalp in Tirol, um sich anschließend vier Jahre lang an der Krippenbauschule im rheinland-pfälzischen Klüsserath zum Krippenbaumeister ausbilden zu lassen.

Drei Monate für Großprojekte

Unter 40 Stunden sei eine richtige Krippe nicht zu bauen, stellt Kurt Post klar – egal ob sie rustikal alpenländisch oder etwas eleganter im italienischen oder orientalischen Stil daherkommt. Und weil der Neckartailfinger besondere Ansprüche mit seiner handwerklichen Umsetzung verbindet, kann so ein Projekt auch mal zwei Wochen dauern oder bei den Großkrippen ein Vierteljahr – vorausgesetzt, der Krippenbaumeister hat genügend Styrodur und alte Bretter im Haus. Denn seine Lieblingskrippe, die er im alpenländischen Stil fertigt, kommt nicht ohne Holz aus.

Aber längst nicht in allem, was wie Holz aussieht, ist auch Holz drin. Damit die Krippen nicht zu schwer werden, bestehen die Gebäude aus dem Dämmmaterial mit dem Markennamen Styrodur. Das lässt sich vielfältig bearbeiten. „Ich arbeite viel mit dem Cuttermesser“, beschreibt Post seine Herangehensweise und zeigt auf einen Minibalken, der aussieht, als habe der Zahn der Zeit heftig an ihm genagt. Schnitzen, abtragen, zusammendrücken und anmalen, das sind Posts Haupttechniken im Krippenbau.

Dabei scheint fast alles möglich. Aus einer kleinen Box holt der Fachmann lauter Holztüren im Miniformat hervor. Da gibt es solide Eingangs- und Stalltüren genauso zu bestaunen wie solche im verratzten Zustand. Teilweise fehlt ein Stück der Füllung oder ein Brett ist abgerissen. Verratzt, so nennt der Krippenbaumeister das Ergebnis ganz besonderer Zuwendung, denn Post schnitzt und schneidet so lange an so einer Tür herum, bis sie uralt und abgewetzt aussieht. Dann erst kann sie im Stall der heiligen Familie verbaut werden. Die makellosen Türen sind dagegen für das Haus des Wirtes gedacht. Bekanntermaßen weist ja der Wirt in der Weihnachtsgeschichte Maria und Josef einen Stall als Herberge an.

Mit viel Liebe zum Detail

Aber nicht nur Türen schlummern in den Vorratsschachteln von Kurt Post. In seiner Werkstatt warten auch Fenster, Kamine und alle Arten von Bodenbelägen auf ihren Einsatz. Aus kleinen Sträuchern, Geäst, Holzresten und vielem mehr gestaltet der Krippenbauer kleine Rabatten rings um die Gebäude. Denn Post kommt es auf die Details an. Im Stall darf auch mal das Dach beschädigt und eine Tür aus den Angeln gehoben sein. Perfekt und detailreich ist auch die Bemalung, die ebenfalls natürlich aussehen soll und beispielsweise so eine zugeschnittene Dämmplatte in eine alte Wand verwandelt. Da komme es auf die Grundierung genauso an wie auf die zahlreichen folgenden Farbschichten; die entscheidenden Kniffe hat Kurt Post beim Krippenbauer Alfred Fleckenstein in Füssen gelernt.

„Diese Arbeit bezahlt Ihnen niemand“, berichtet Kurt Post bei der Frage nach seinen Preisen. 300 Euro steht auf dem Preisschild einer schlichten Krippe aus Zirbenholz, die ausnahmsweise nicht bemalt ist. Die größeren sind entsprechend teurer. Und beim Blick auf Maria und Josef winkt Post erst recht ab. Meist kauft er die Figuren, denn wenn er selbst das Schnitzmesser ansetze, sei der Zeitaufwand unbezahlbar. Dabei hat der Krippenbaumeister auch für diese Arbeit ein echtes Händchen, wie ein Blick auf die feinen Gesichtszüge seiner privat genutzten Krippenfiguren zeigt, für die seine Frau teilweise sogar Kleidung genäht hat.

Die Nachfrage nach Krippen sei insgesamt schleppend, berichtet der Schreiner, der Kundschaft bis nach Bozen beliefert und festgestellt hat, dass die Menschen auf der Alb und in katholisch geprägten Gegenden häufig noch mehr Wert auf eine traditionelle Krippe legen als im Schwabenland. Ein Kirchgänger müsse man aber nicht sein, um für Krippen zu schwärmen. Er gehe auch nur bei wichtigen Anlässen zum Gottesdienst, erklärt Kurt Post augenzwinkernd.

Interessante Adressen für Krippenfans

Museum
Im Krippenmuseum Oberstadion im Alb-Donau-Kreis. Mit 160 Krippen zählt die Dauerausstellung zu den größten Krippensammlungen in Deutschland.

Schule
Die Klüsserather Krippenfreunde in Rheinland-Pfalz betreiben neben einem Krippenmuseum auch eine Krippenbauschule, die Kurse für Kinder und Erwachsene anbietet. Vermittelt werden handwerkliche Grundkenntnisse, Holzkunde, Proportionslehre, Ausdrucksformen, Maltechniken und vieles mehr.