Dunkle Ecken, möglichst von der Straße abgewandt, suchen sich die Täter, wenn sie in ein Haus eindringen möchten. Foto: dpa

Mehr als einmal am Tag versuchen Kriminelle, in Häuser im Kreis einzudringen. Die Polizei verzeichnet zwölf Prozent mehr solcher Taten als im Vorjahr.

Kreis Böblingen - Die schlechte Nachricht zuerst: immer öfter schlagen Einbrecher im Kreis Böblingen zu. Die gute Nachricht: bei mehr als der Hälfte der Fälle bleibt es beim Versuch, und die Polizei konnte mehr Täter fassen. Zu diesen Ergebnissen kommt das Polizeipräsidium Ludwigsburg, das diese Delikte für die Kreise Böblingen und Ludwigsburg im vergangenen Jahr aufbereitet hat.

481 geglückte und versuchte Einbrüche registrierte die Polizei. Die Zahl der Delikte hat sich mehr als doppelt seit 2011. Seither steigen die Zahlen kontinuierlich jedes Jahr an. Im Verglichen mit den 427 Delikten 2014 stieg deren Zahl im vergangenen Jahr um 12,6 Prozent. Allerdings scheitern viele geplanten Einbrüche. 248 Mal hatten die Täter kein Glück. Der Polizeipräsident Frank Rebholz führt dies darauf zurück, dass viele Bürger dem Rat der Polizei folgen und ihre Häuser besser gegen Einbrecher sichern. „Der signifikante Anstieg der versuchten Einbrüche über den landesweiten Wert von 44,1 Prozent deutet darauf hin, dass die Bevölkerung die Bemühungen der Polizei durch Verhaltensänderungen und bauliche Sicherungsmaßnahmen unterstützt und einen aktiven Beitrag zur Verbesserung der Lage leistet.“

Polizei berät Hauseigentümer

Sehr stark in Anspruch nähmen die Bürger die sicherungstechnischen Beratungen, die die Polizei anbietet, so Rebholz. Waren es im Jahr 2014 noch 1137 Beratungstermine im Einzugsgebiet des Polizeipräsidiums Ludwigsburg gewesen, waren die Experten im vergangenen Jahr 1671 gefragt. Dabei geben sie den Haus- und Wohnungseigentümern auch Tipps direkt vor Ort.

Besser geworden ist die Polizei bei der Aufklärung der Straftaten, seit Sommer 2014 gibt es eine Ermittlungsgruppe, die sich ausschließlich um die Aufklärung von Wohnungseinbrüchen kümmert. In 16 Prozent der Fälle wurden die Täter ermittelt. Ausschlaggebend dafür waren auch Großkontrollen, die Bundes- und Landespolizei mit dem Zoll durchführten. Gleich bei der ersten Aktion im Frühjahr ging den Beamten dabei an der Tank- und Rastanlage Sindelfinger Wald an der A 8 ein mit Haftbefehl gesuchter Serieneinbrecher ins Netz.

Spektakulär war auch die Festnahme eines Einbrechertrios aus dem Kreis, das in ganz Deutschland auf Beutezug ging. Fahnder waren dem Trio auf die Spur gekommen und überwachten es. Nach Einbrüchen in Jettingen wurden die Männer im November gefasst. Mindestens 55 Mal sollen sie bundesweit in Häuser und Wohnungen eingedrungen sein. Zwei der Verdächtigen, ein 29 und ein 36 Jahre alter Mann, sitzen in Untersuchungshaft. Ein 19-Jähriger wurde vorläufig wieder freigelassen. Die Beamten ermitteln weiter. Die Polizei fand bei den Männern gestohlene Uhren und Schmuck sowie Einbruchswerkzeuge.

Auf dem Land ist es gefährlicher

Die Tatorte sind quer über den Kreis verteilt: 94 Fälle registrierte die Polizei in Sindelfingen, 77 waren es in Böblingen, 68 in Leonberg. Verglichen mit der Einwohnerzahl ist die Gefahr eines Einbruchs für Landbewohner aber größer. Besonders beliebte Ziele waren im vorigen Jahr Jettingen, Grafenau und Magstadt. „Freistehende Einfamilienhäuser mit einem Grundstück sind für die Täter attraktiver als Wohnungen im dicht besiedelten städtischen Raum“, sagt Yvonne Schächtele, Sprecherin des Ludwigsburger Polizeipräsidiums.

Außerdem lägen diese Immobilien oft verkehrsgünstig in der Nähe von Autobahnen oder Bundesstraßen. Manche Einbrecher bewegten sich aber auch mit Bahnen und Bussen oder Fahrrädern, beobachtet die Polizei. Bevorzugt dringen die Täter über Terrassentüren in die Häuser ein.

Mitgenommen werde, was leicht zu transportieren ist: Uhren, Schmuck, Laptops, Kameras und Bargeld.

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