Die Statistik des Ludwigsburger Polizeipräsidiums für 2023 zeigt, dass immer mehr Kinder, Jugendliche und Nicht-Deutsche gewaltbereit sind. Generell ist die Zahl der Delikte im vergangenen Jahr aber gesunken.
Der bundesweite Trend einer steigenden Kriminalitätsrate unter Ausländern und bei Kindern und Jugendlichen ist auch im Kreis Ludwigsburg zu beobachten. Das Polizeipräsidium Ludwigsburg, zuständig für die Landkreise Böblingen und Ludwigsburg, hat jetzt die Zahlen des Jahres 2023 veröffentlicht – und die bestätigen weitestgehend, was vorher schon bundesweit verkündet wurde. Fast ein Drittel aller Straftaten im Präsidiumsbereich wird Tatverdächtigen zugeschrieben, die keinen deutschen Pass besitzen. Die absolute Zahl von rund 10 900 Straftaten durch Ausländer bedeutet einen Anstieg um 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und den höchsten Wert im Zehn-Jahresvergleich. Landesweit fiel die Zunahme mit 24,4 Prozent stärker aus als im Bereich des Polizeipräsidiums.
Anstieg beim Ladendiebstahl
Der Anteil rein ausländerrechtlicher Verstöße ist dabei mit rund sechs Prozent (692 Fälle) eher von geringer Bedeutung. Die aktuelle Zunahme ist laut Polizei insbesondere auf den Ladendiebstahl mit einem Plus von 36,8 Prozent und Bedrohungen (Plus von 22,9 Prozent) zurückzuführen. Mit etwa 30 Prozent machen bei den Taten durch ausländische Tatverdächtige die Rohheitsdelikte (also zum Beispiel Körperverletzung) den größten Anteil aus.
Die Polizei blickt in ihrer Statistik auch genauer auf den Bereich Flüchtlinge: Die Anzahl der Straftaten begangen von Tatverdächtigen, die als Asylsuchende oder Flüchtlinge registriert sind, nahm um 33,8 Prozent (794 Fälle) zu. Der Anstieg finde sich sowohl bei den Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße wieder (ein Plus von 31,7 Prozent), als auch bei den Straftaten gegen Vorschriften des Ausländerrechts (ein Plus von 42,3 Prozent).
Knapp 5000 Taten von jungen Menschen
Auffällig ist bei den Zahlen zur Ausländer-, sowie zur Flüchtlingskriminalität, dass die steigenden Werte im Kreis Böblingen stark von Verstößen gegen das Ausländerrecht beeinflusst sind, im Landkreis Ludwigsburg der Anstieg aber zum großen Teil Delikten wie Körperverletzungen und Diebstählen zugeschrieben wird.
Während die Zahl der Straftaten durch junge Menschen unter 21 Jahren insgesamt nur um 0,7 Prozent auf knapp 5000 anstieg, gibt ein genauerer Blick auf das Geschehen auch im Ludwigsburger Polizeipräsidium Anlass zum Nachdenken: „Die Entwicklung insbesondere bei den tatverdächtigen Kindern und Jugendlichen betrachte ich durchaus mit Sorge“, sagt Polizeipräsident Thomas Wild. Bei den Straftaten durch Kinder (unter 14 Jahren) gab es im vergangenen Jahr einen Zuwachs um 14,6 Prozent, bei Jugendlichen (14 bis 17 Jahre) um 7,9 Prozent. Bei den Heranwachsenden (18 bis 21 Jahre) gab es dagegen weniger Straftaten als noch im Jahr 2022.
Mehr Einsätze an Schule
Beachtenswert erscheint bei den Zahlen, dass die Zahl der Tatverdächtigen weniger stark zunimmt. Das deutet darauf hin, dass einzelne Personen mehrfach Straftaten begangen haben. „Wir haben es nicht nur mit Einzelpersonen zu tun, sondern zunehmend auch mit Gruppierungen junger Menschen, die vermehrt Straftaten begehen und durchaus auch eine zunehmende Gewaltbereitschaft zeigen“, sagt Polizeipräsident Wild.
Diese steigende Aggressivität attestiert die Polizei auch bei Erwachsenen. Obwohl die Zahl der Straftaten insgesamt zurückgegangen ist, gab es 2023 im langjährigen Vergleich Höchstwerte bei Gewaltdelikten. Es wird also mehr geschlagen, geraubt und bedroht als in den Jahren zuvor. Auch an Schulen steige die Gewalt. 170 Fälle registrierten die Ordnungshüter im vergangenen Jahr an Bildungseinrichtungen, das ist ein Plus von 11,8 Prozent. Bei den Taten handelt es sich vor allem um Körperverletzungen und Bedrohungen.
13 Rettungskräfte verletzt
Ein Dauerthema in den polizeilichen Statistiken sind seit Jahren die Straftaten gegen Mitglieder der Blaulichtorganisationen. 2023 gab es zwar weniger Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte, dafür stieg die Zahl der Angriffe auf Rettungskräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten von 13 auf 27 Fälle. 13 Helfer wurden im vergangenen Jahr in Ausübung ihres Dienste verletzt.
Steigerungen hat die Polizei auch bei der Diebstahlskriminalität festgestellt. 5,7 Prozent mehr Diebstähle gab es 2023 als im Jahr davor. Besonders der klassische Ladendiebstahl treibt die Zahlen nach oben. Hier gab es eine Steigerung um 26,7 Prozent.
Insgesamt zeigt sich Wild aber zufrieden mit der Statistik, immerhin gab es im vergangenen Jahr mit 36 300 Fällen einen Rückgang aller registrierten Straftaten um 2,5 Prozent: „Die Bürgerinnen und Bürger können sich in unserem Zuständigkeitsbereich sicher fühlen. Denn auch die Kriminalitätsbelastung mit 3824 Straftaten je 100 000 Einwohner lag in den letzten zehn Jahren lediglich 2021 noch etwas niedriger.“ Zum Vergleich: Landesweit stieg die Kriminalität 2023 um 8,1 Prozent an.
Verteilung
Von den genau 36 308 Straftaten, die das Polizeipräsidium Ludwigsburg im vergangenen Jahr registrierte, ging es in mehr als einem Viertel um Diebstahl (26,6 Prozent). Auf Platz zwei der häufigsten Delikte folgen Rohheitsdelikte (20,6 Prozent). Darunter fallen Körperverletzungen oder Raub. Vermögens- und Fälschungsdelikten sind mit 15 Prozent die dritthäufigste Art.
Gegen das Leben
Bei den 21 Straftaten gegen das Leben handelte es sich laut Polizei um acht Morde, zwölf Totschlagsdelikte und eine fahrlässige Tötung. Zwölf Taten blieben im Versuchsstadium.
Sexualstraftaten
2,3 Prozent aller Straftaten richteten sich gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Von den 840 Fällen waren 435 die Verbreitung pornografischer Schriften. 182 Fälle von sexuellem Missbrauch, 97 Fälle von sexueller Belästigung und 63 Vergewaltigungen registrierte die Polizei außerdem.