Die syrische Regierung um Präsident Baschar al-Assad hat die Kontrolle über Daraa zurück. Foto: SANA

Nach sieben Jahren Bürgerkrieg haben die Rebellen nun nur noch wenige Gebiete unter ihrer Kontrolle. Kämpfer, die der zugesagten Amnestie in Daraa nicht trauen, können nach Idlib gehen. Doch russische Unterhändler warnen: Die Provinz sei „ein Krematorium“.

Beirut - Die syrische Regierung hat die Kontrolle über die Stadt zurück erlangt, in der vor sieben Jahren der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad begann: Regierungssoldaten hissten am Donnerstag in Daraa die syrische Fahne, nachdem Rebellen zugestimmt hatten, gegen eine Amnestie oder den Transport nicht bleiben wollender Kämpfer und ihrer Familien nach Idlib den Kampf aufzugeben. Das meldeten Staatsmedien; der Fernsehsender Al-Ichbarija zeigte Bilder von der Flaggenzeremonie. Es ist einer der größten Erfolge Assads bei der am 19. Juni mit russischer Luftunterstützung gestarteten Offensive zur Rückeroberung des Südwestens.

Russische Vermittler spielten offenbar eine zentrale Rolle bei der Aushandlung des Abkommens. Demnach sollen in Daraa russische Militärpolizisten stationiert werden. Ähnliche Vereinbarungen waren bereits bei der Einnahme anderer Orte und Städte geschlossen worden.

Auflehnung gegen Präsident Assad

Menschenrechtsbeobachter sagten, diese Abkommen liefen auf ein Programm zur politischen und demografischen Gestaltung Syriens zur Sicherung der Herrschaft Assads hinaus. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Großbritannien hat bei der Offensive mindestens 162 getötete Zivilisten gezählt.

Die südsyrische Stadt Daraa war die erste gewesen, die sich gegen Assad auflehnte. Syrische Staatsmedien berichteten, dortige Rebellen hätten eingewilligt, schwere und mittlere Waffen auszuhändigen. Der Aktivist Ahmad Massalmeh sagte, russische Unterhändler hätten Kämpfern und ihren Familien dringend davon abgeraten, nach Idlib zu gehen. Sie müssten dort mit Luftangriffen und einer weiteren Regierungsoffensive rechnen. „Idlib ist ein Krematorium“, sollen die Unterhändler gesagt haben.

Die Regierungsoffensive im Südwesten hatte zeitweise um die 300 000 Menschen in die Flucht getrieben. Jordanien und Israel schlossen aber ihre Grenzen für sie.

Im syrischen Bürgerkrieg sind seit 2011 rund 400 000 Menschen getötet worden und mehr als fünf Millionen zu Vertriebenen und Flüchtlingen geworden.

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