Ein Schild an einer Koppel bei Rechberghausen fordert Fußgänger auf, Pferde nicht zu füttern und zu streicheln. Foto: /Giacinto Carlucci

Immer wieder missachten Spaziergänger die Aufforderung von Haltern und geben frei laufenden Tieren etwas nicht für sie Geeignetes zum Fressen. Die oftmals gut gemeinte Tat kann schlimme Folgen haben für die Tiere. Halter von Pferden müssen ihre Tiere im Blick behalten.

Eine Frau steht an der Koppel. Aus einer Tüte nimmt sie Schokoladenmüsli, das sie einem Hengst anbietet. Jonas Nast bekommt die Situation mit und schreitet sofort ein. Doch wie sich vier Tage später zeigt, ist der Schaden bereits zu groß: Der Bauch des Zuchthengsts bläht sich auf. Er stirbt an den Folgen einer Kolik.

 

Trotz zahlreicher „Füttern verboten“-Schilder an der Koppel sollte der Fall, der sich 2019 auf dem Hof von Jonas Nast in Sulzbach-Laufen ereignete, nicht der einzige bleiben. Im Sommer dieses Jahres muss sich der Züchter von Shetland-Ponys von zwei weiteren Pferden verabschieden. Erst zwei und drei Monate alt sind „Amigo“ und „Sunset Girl“, als sie an Koliken versterben. „Wir vermuten, auch da wurden den Tieren Schokolade oder andere Süßigkeiten gegeben“, bedauert Nast.

Viele meinen es gut, das macht die Sache aber nicht besser

So weit ist es bei Rebecca Dreiseitel und ihren Pferden noch nicht gekommen, dennoch macht sie fast täglich Erfahrungen mit uneinsichtigen Spaziergängern. Ihre Pferde stehen auf einer Koppel im Rechberghausener Ortsteil Oberhausen. Ein Wanderweg führt direkt vorbei. „Es kommen Familien mit Tüten voller Futter. Manche bringen auch Zuckerwürfel. Ich kenne Fälle, wo Burger-King-Reste auf der Koppel oder Kartoffelschalen auf den Koppeln gefunden werden und ein Mann brachte den Pferden einmal seinen Rasenschnitt vorbei“, erzählt die Pferdebesitzerin aus Rechberghausen.

Die meisten meinen es gut, weiß Dreiseitel, „das macht es aber nicht besser, denn die Tiere können wirklich ernste Folgen davontragen“, erklärt sie. Oft sind Koliken die Folge falscher Fütterung. Viele Tiere vertragen auch aufgrund von Krankheiten nicht jedes Lebensmittel. Besonders Jungtiere, wie die erst wenige Wochen alten Shetland-Ponys von Jonas Nast, können außer Milch und Heu noch keine weiteren Futtermittel verdauen.

„Besonders wütend macht mich dann die Uneinsichtigkeit der Leute“, sagt Rebecca Dreiseitel, die oft beschimpft und respektlos behandelt werde. „Viele meinen, sie wüssten es besser oder sehen nicht ein, dass sie keine fremden Tiere füttern dürfen“, erzählt sie. Kürzlich hätten zwei Frauen ihre Pferde mit klein geschnittener Karotte gefüttert. „Das kann schnell zu einer Schlundverstopfung führen“, weiß Dreiseitel. Geschnittene Äpfel oder Möhren sind für Pferde ein Risiko. Die Tiere schlucken diese im Ganzen herunter ohne zu kauen, in der Folge bleiben Stücke stecken und blockieren die Speiseröhre.

Auch wenn Jonas Nast Spaziergänger auf die zahlreichen „Füttern verboten“-Schilder anspricht, schlägt ihm nicht immer nur Einsicht entgegen. „Viele reagieren schockiert, entschuldigen sich – mir ist auch bewusst, dass viele aus Unwissenheit handeln“, sagt Nast. Doch es komme auch vor, dass Spaziergänger ihre Kinder in die Koppel heben, absichtlich wegschauen, wenn diese den Pferden Futter vorwerfen. „Es ist wichtig, dass die Leute lernen: Das kann die Pferde das Leben kosten.“

Viele Koppeln werden Ende September geschlossen. Rebecca Dreiseitels Pferde zum Beispiel kommen dann in den Winterauslauf. Auch dort füttern immer wieder Spaziergänger die Tiere. Ein weiteres Problem, das besonders auf engem Raum hinzukomme: „Gerade in der Gruppe streiten sich die Tiere dann auch um das Futter. Da kann es mitunter zu üblen Verletzungen kommen“, mahnt Dreiseitel.

Halter von Pferden sehen sich enormen Tierarztkosten gegenüber

Auch die Kosten, die die Besitzer in solchen Fällen tragen müssen, seien enorm. Komme es zum Beispiel in Folge der falschen Fütterung zu einer Kolik, kostet eine Untersuchung am Wochenende 800 Euro. Für eine Behandlung werden es gleich mal 6000 Euro, erklärt Dreiseitel. An jedem zweiten Pfosten hängt mittlerweile ein Warnschild. An einem sonnigen Tag müssen Dreiseitel und andere Pferdebesitzer dennoch durchschnittlich dreimal eingreifen, weil ihren Pferden Futter angeboten wird. Dreiseitel mahnt: „Die Menschen müssen verstehen: Pferde auf Koppeln sind kein Allgemeingut.“

Halter bleiben oft auf dem Schaden sitzen

Entschädigung
 Die Belangung von Menschen, die Appelle und Warnungen von Pferdehaltern missachten, ist schwierig. Ein eindeutiger Beleg ist schwer zu erhalten, weil die Tiere oft Tage nach dem Verzehr von nicht geeignetem Futter verenden. Die Todesursache ist dann oft nicht mehr zweifelsfrei feststellbar. Eine Obduktion führte den Tod eines Hengstes des Züchters Jonas Nast zu 95 Prozent auf falsches Futter zurück. Um rechtliche Schritte einleiten zu können, hätte es laut Nast einer 100-prozentigen Gewissheit gebraucht.

Gefahr
 Der Verzehr von falschem Futter kann bei Pferden lebensgefährliche Folgen haben. Die Tiere vertragen aufgrund ihres Alters oder wegen Krankheiten nur wenige Futtermittel. Im schlimmsten Fall verenden sie nachdem sie Ungeeignetes gefressen haben.