Die Fils bietet naturgemäß den roten Faden für eine Gartenschau im oberen Filstal. Aber auch die Seitentäler und Höhenzüge locken Radler und Wanderer. Foto: Archiv/Horst Rudel

Die Fils wird der rote Faden für die kleine Gartenschau sein, um die sich fünf Kommunen im oberen Filstal bewerben wollen. Mit Kritik am Kreis sparen die Akteure nicht.

Kreis Göppingen - Die fünf Kommunen im oberen Filstal wollen nicht länger die Mauerblümchen im Kreis Göppingen sein. Deshalb nehmen Wiesensteig, Mühlhausen, Bad Ditzenbach, Deggingen und Bad Überkingen das Heft nun selbst in die Hand und machen mit der Idee einer kleinen Gartenschau von sich reden. Dabei wollen sie mit dem nach den Worten des Degginger Bürgermeisters Karl Weber „landschaftlich reizvollsten Teil des Filstals“ genauso punkten wie mit den neuen Löwenpfaden und gleichzeitig ihre Kommunen so weiterentwickeln, dass sie auch für folgende Generationen attraktive Wohnorte bleiben. Weil ein solches Projekt Zeit brauche, hat das Quintett die Gartenschauen 2031 bis 2035 im Blick; dafür ist Ende 2019 Bewerbungsschluss.

Der Funke soll auf die Bewohner überspringen

Von einem „neuen Wir-Gefühl, das enorm viel Spaß mache“ schwärmte der Bürgermeister von Mühlhausen, Bernd Schaefer. Sein Bad Ditzenbacher Kollege Herbert Juhn glaubt, dass der Funke auf die Bevölkerung und vor allem auf die Vereine überspringen werde, zumal ohne die Menschen so eine Gartenschau nicht zu stemmen sei. Positive Signale habe es aus den Gemeinderäten bereits gegeben. Und selbst wenn ihnen der Zuschlag für eine Gartenschau verwehrt bliebe, würden sie ihre Pläne rund um Hochwasserschutz und eine moderne Infrastruktur weiter verfolgen, erklärten die Verwaltungschefs.

Die Fils wird der rote Faden für die Gartenschau sein

Den roten Faden für die Gartenschau biete naturgemäß die Fils, die Remstalschau 2019 wolle man aber keinesfalls kopieren, ergänzte der Bürgermeister von Deggingen, Karl Weber. Neben den Ausflüglern, die bereits zum Filsursprung, der Hiltenburg und nach Ave Maria wanderten und sich in den Heilbädern entspannten, wünscht sich das Bürgermeister-Quintett mehr Gäste, die über Nacht bleiben.

Kommunen wollen nicht Anhängsel im Kreis sein

Kämpferische Töne schlug Gebhard Tritschler aus Wiesensteig an: „Wir wollen uns als Raumschaft positionieren und auch so wahrgenommen werden und nicht nur als Anhängsel des Landkreises“. Er wolle zwar keine Neiddebatte lostreten, doch auffällig sei, dass bei Fragen der Verkehrsinfrastruktur die Bundesstraße 10 im Fokus stehe. Dabei gebe es mit der Bundesstraße 466 eine weitere wichtige Verkehrsachse im Kreis. Sie zerschneide im oberen Filstal Kommunen, und die Brücken aus den 1930er Jahren seien dringend sanierungsbedürftig. Erst im Dezember hatte der Gemeinderat von Bad Überkingen in einer Resolution an den Landesverkehrsminister Winfried Herrmann den Ausbau gefordert, weil die stark frequentierte Verkehrsader zwischen Geislingen und der Autobahn 8 unübersichtliche Abschnitte und Unfallschwerpunkte aufweise.

Von Merklingen künftig in 30 Minuten zum Hauptbahnhof Stuttgart

Kritik äußerten die Bürgermeister auch am öffentlichen Nahverkehr, der im Zuge der Gartenschau ausgebaut werden müsse. Wichtige Verbindungen auf die Laichinger Alb (Alb-Donau-Kreis) und in Richtung Boll sowie Weilheim (Kreis Esslingen) seien in der neuen Fahrplankonzeption des Kreises nicht genügend berücksichtigt. Und während die Bewohner und Besucher des oberen Filstals vom geplanten Bahnhof Merklingen künftig in 30 Minuten zum Stuttgarter Hauptbahnhof gelangen könnten, beschäftige sich die Kreisverwaltung am liebsten mit dem Thema VVS.

„Es darf keine Denkverbote geben“, forderte der Bad Überkinger Verwaltungschef Matthias Heim – auch mit Blick auf attraktive Technikthemen wie das autonome Fahren, das gut zum Gartenschauprojekt entlang der Route der Industriekultur passen würde.

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