Eine ähnliche Blitzersäule wie hier steht auch in der Göppinger Straße in Bad Boll. Foto: imago//Jürgen Ritter

Eine Blitzersäule gegenüber einer Lidl-Filiale war für kurze Zeit der große Gewinnbringer für Bad Boll im Kreis Göppingen. Wie konnte die Gemeinde ihre Einnahmen bei der Verkehrskontrolle verzehnfachen?

Man kann über den Blitzer gegenüber des Lidl-Parkplatzes in Bad Boll nun wirklich nicht sagen, dass er gut versteckt sei. Vier schwarze Streifen auf einer grauen Säule, die in beide Richtungen feststellen kann, ob jemand zu schnell gefahren ist – gut sichtbar auf dem Bürgersteig befestigt. Und dennoch scheinen Autofahrer eine Zeit lang in geradezu unfassbarer Häufigkeit dem Blitzer auf den Leim gegangen zu sein.

 

Im Sommer 2022 wurde die Anlage angeschafft und hat in dem Jahr dazu beigetragen, dass die Stadt 53 160 Euro eingenommen hat. 2017 lagen die Einnahmen für das Jahr bei 5500 Euro – obwohl die Stadt zu der Zeit mit vier stationären Blitzern doppelt so viele Anlagen besaß wie im Jahr 2022. Nach einer Auswertung unserer Zeitung haben sich in keiner anderen Gemeinde in der Region Stuttgart die Einnahmen zwischen den beiden Jahren mehr erhöht als in Bad Boll. Sie haben sich verzehnfacht. Wie ist der Stadt das gelungen?

Schutz für Anwohner

Auf Nachfrage gibt es vom Landratsamt Göppingen eine Erklärung für das Phänomen. Laut Sprecherin Clarissa Weber wurde 2022 ein sogenannter Lärmaktionsplan umgesetzt. Das bedeutet in diesem Fall, dass man in der viel befahrenen Göppinger Straße, in der normalerweise ein Tempolimit von 50 Kilometern pro Stunde gilt, nachts nur noch 30 fahren durfte. Offensichtlich haben viele Autofahrer diese Umstellung zum Schutz der Anwohner zunächst nicht mitbekommen und sind daher auch zwischen 22 und 6 Uhr schneller gefahren.

„Diese nächtliche Tempobegrenzung wurde viel häufiger missachtet als die vorher geltende 50-Kilometer-pro-Stunde-Beschränkung“, so die Sprecherin. Das Ergebnis waren die hohen Einnahmen für die Stadt – direkt aus den Taschen der Autofahrer. Inzwischen haben sich die Fahrzeuglenker in der 5000-Einwohner-Gemeinde am Nordrand der Schwäbischen Alb offensichtlich von dem Schrecken erholt. Die Einnahmen durch den Rekord-Blitzer sind wieder zurückgegangen. Zumindest für die Anwohner kann man das als Erfolg werten.