Der Biber fühlt sich im Landkreis Esslingen zunehmend wohler. Foto: dpa

Im 19. Jahrhundert wurden die Biber nahezu ausgerottet. Jetzt sind sie wieder auf dem Vormarsch. Der Wildtierbeauftragte des Landkreises, Sascha Richter, ist dem Nager auf der Spur.

Kreis Esslingen - Man muss schon unheimlich viel Glück haben, um im Landkreis Esslingen einen Biber zu erspähen. Mit ein wenig Detektivarbeit jedoch könnte man hin und wieder seine Spuren entdecken. Ein Tatzenabdruck im Matsch, Nagespuren an einem Baumstamm oder gar ein gefällter Baum. Denn die Tiere sind da. Wie viele, vermag der Wildtierbeauftragte des Landkreises, Sascha Richter, nicht zu sagen. Doch die Nager sind seit einigen Jahren wieder auf dem Vormarsch.

Nahezu unbemerkt erobern Biber nach ihrer fast vollständigen Ausrottung im 19. Jahrhundert ihre einstigen Lebensräume auch in Deutschland zurück. Wann der erste Biber in den Landkreis eingewandert ist, kann man nicht genau sagen. „Die ersten Spuren wurden Anfang 2010 entdeckt“, sagt Richter. Am ehesten seien sie an Seen oder einsamen Bachläufen zu finden. Im Frühjahr hatte sich Richter aufgemacht und nach Spuren in den örtlichen Wäldern und an Seen gesucht. „Ältere Nagespuren habe ich am Röhmsee bei Wendlingen entdeckt. Ganz frische an der Aich bei Aichtal“, sagt er. Aber einen wahrhaftigen Biber sah er nicht. Vor ein paar Jahren erhaschte er beim Angeln einen kurzen Blick auf einen Biber. Das Tier schwamm in der Sulzach bei Feuchtwangen. „Als er mich erblickte, tauchte er sofort ab und verschwand.“

Neu geschaffene Stelle des Wildtierbeauftragten

Die neu geschaffene Stelle des Wildtierbeauftragten hat der studierte Diplomforstingenieur am 1. März angetreten. „Der Landkreis war einer der ersten, der sie eingerichtet hat“, erklärt Richter. Da Wildtiere immer häufiger in Siedlungen anzutreffen sind, stehe man künftig vor einer großen Aufgabe. Dabei ist es nicht so, dass die Tiere den Menschen immer näher kämen, sondern die Menschen mit ihren Siedlungen und Ackerflächen immer weiter ins Tierreich vordringen. „In der Regel lebt der Biber bis maximal zehn Meter vom Ufer entfernt“, sagt der Experte. Doch die Kulturlandschaft rücke häufig viel näher an Uferböschungen heran. „So kommt es, dass der Biber dieses Nahrungsangebot bevorzugt.“

Bis es im Landkreis Esslingen allerdings soweit ist, wird es wohl noch einige Zeit dauern, denn noch geht man von einer sehr kleinen Population aus. „Kurzfristig rechne ich mit einer Stabilisierung der Bestände und ein paar Dutzend Tieren. Optimistisch betrachtet besteht ein Potenzial von 130 bis 300 Biberrevieren mit bis zu 1300 Individuen“, sagt Sascha Richter.

Grundsätzlich meiden die sehr scheuen Tiere den Kontakt mit Menschen. Sie mögen ruhige Auen, tiefes ruhiges Wasser und sie ernähren sich von Schilf, Kräutern, Gräsern oder Wasserpflanzen. An Baumrinden gehen die Biber, die keinen Winterschlaf halten nur, wenn im Winter das Futter knapp wird.

Der Eingang zum Bau liegt unter Wasser

Auch baut laut Richter nicht jeder Biber einen Damm. „Das macht er nur, wenn der Pegel nicht gleich bleibt. Ruhige Gewässer wie die Aich sind eher tief“, erklärt er. Meist bauen Biber, die in Familienverbänden leben, einen tiefen Bau in das Ufer. Da dessen Eingang unter Wasser liegt, sind die Bauten von außen kaum zu erkennen. So schützen sie sich auch vor ungebetenen Besuchern wie Dachsen oder Füchsen.

Alles in allem sieht der Wildtierbeauftragte keine negativen Einflüsse durch den Biber. „Vielmehr ergänzt er die Artenvielfalt“, sagt Richter. Dass er hin und wieder auch mal einen Baum fällt, damit müsse man sich eben arrangieren.

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