Der Altbau des Landratsamts wird bis in fünf Jahren ausgedient haben. Foto: Horst Rudel/Archiv

Der geplante Neubau des Esslinger Landratsamts beflügelt schon jetzt die Fantasie des Kreistags. Es wird mit Kosten von gut 100 Millionen Euro gerechnet.

Kreis Esslingen - Der erste Aufschlag ist gemacht. Der Landkreis Esslingen bekommt ein neues Landratsamt. Die Weichen dazu hat der Esslinger Kreistag in seiner letzten Sitzung im alten Jahr gestellt. Der Grundsatzbeschluss, die in die Jahre gekommene Kreiszentrale durch einen Neubau zu ersetzen, ist flankiert worden von dem Auftrag an die Verwaltung, eine Machbarkeitsstudie erstellen zu lassen. Im Haushalt für das kommende Jahr sind dafür 200 000 Euro eingestellt. Von der Untersuchung erhofft sich der Landkreis Aufschluss darüber, wie Bedarf, Anforderungen und Finanzierung unter einen Hut zu bringen sind.

Die wichtigsten Pflöcke sind inzwischen schon eingerammt. Als Standort wird der Platz neben dem Altbau favorisiert, zumal dessen Tiefgarage dann weiter genutzt werden könnte. Im Jahr 2021 soll mit dem Bau begonnen werden. Drei Jahre später könnte das neue Haus dann bezogen und der nicht mehr benötigte Altbau abgerissen werden. An seiner Stelle soll wieder ein Park angelegt werden.

725 Mitarbeiter sollen den Neubau beziehen

Bisher gehen die Verwaltung und der Kreistag davon aus, dass dann rund 725 Mitarbeiter – das sind 73 mehr, als aktuell im Bestandsgebäude untergebracht sind – ihre Arbeitsplätze in dem Neubau beziehen werden. In einer ersten Kostenschätzung ist die Rede von Baukosten in Höhe von gut 100 Millionen Euro. Angesichts des dann wohl immer noch günstigen Zinsniveaus soll das Projekt vollständig über Kredite gestemmt werden. Bei einer angenommenen Nutzungsdauer von 50 Jahren und einem angenommenen Zinssatz von 2,39 Prozent müsste der Landkreis Esslingen jedes Jahr einen Betrag von rund 4,39 Millionen Euro zusätzlich im Ergebnishaushalt einstellen. Würde das Geld komplett über die Kreisumlage eingespielt werden, entspräche das einer Erhöhung um gut 0,6 Prozentpunkte.

Während die Finanzverwaltung noch auf der Suche nach einem stabilen Fundament ist, sehen andere vor dem geistigen Auge schon einen neuen Leuchtturm im Neckartal in die Höhe wachsen. In der jüngsten Sitzung des Kreistags ist das Strategiepapier, in dem der Ausbau der Verwaltungsflächen bis zum Jahr 2025 skizziert wird, auf ungeteilte Zustimmung gestoßen. Darin wird ein Standort direkt neben dem Altbau favorisiert, allein schon der Verkehrsgunst wegen. Immerhin wird das nicht nur von den Mitarbeitern, sondern auch von 1091 Menschen angesteuert, die pro Woche ratsuchend ins Landratsamt kommen. Eine Zahl, die aus dem Jahr 2006 stammt und im Zuge eines Nutzungskonzepts aktualisiert werden soll.

Die Freien Wähler freuen sich schon

Ausgerechnet die Freien Wähler (FW), die sonst ein besonders wachsames Auge auf die Ausgaben des Landkreises und deren mögliche Auswirkungen auf die Kreisumlage haben, marschieren an der Spitze der Visionäre. Anlässlich des Grundsatzbeschlusses hat der FW-Sprecher Günter Riemer seinen Redebeitrag mit einem Ausblick auf das nächste Jahrzehnt geschlossen. „Auf Weihnachten 2025 freuen wir uns schon, wenn der Nikolaus dann das große Paket mitbringt und gerne auch, wenn zwei Jahre danach im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Stuttgart 2017 das neue Landratsamt als vorbildhaft und zukunftsweisend für Verwaltungsgebäude ausgezeichnet werden kann“, sagte er.

Zurückhaltender, aber in der Botschaft ebenso deutlich, hatte sich der CDU-Fraktionschef Martin Fritz schon Wochen zuvor in seiner Haushaltsrede festgelegt. „Wir sind uns einig darüber, dass wir großen Handlungsbedarf haben, um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieses Hauses bessere Arbeitsbedingungen zu bieten. Deshalb erscheint ein Neubau in den kommenden zehn Jahren machbar und dringend notwendig“, sagte er.

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