Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises hat zwei Abfall-Laster angeschafft, die mit Wasserstoff fahren. Der Millionenkauf wird vom Bund unterstützt.
Dass hier die Zukunft in Zukunft den Müll beseitigt, ist unübersehbar: „Null Emission, volle Leistung“ steht mit großen Buchstaben auf den dicken Bäuchen der beiden orangenen Müllautos, die am Dienstagmorgen auf dem Betriebshof des Böblinger Müllmeilers stehen. Ab sofort werden diese beiden Laster im Landkreis auf Tour gehen, ohne ein Wölkchen CO2 auszustoßen. Statt Abgas kommt nur Wasser aus dem Auspuff der beiden mächtigen Dreiachser. Getankt wird Wasserstoff – Energie, die erneuerbar produziert wird, zum Beispiel aus Sonnen- und Windkraft.
Landrat Roland Bernhard war bei der Präsentation mächtig stolz darauf, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises (AWB) zwei der ersten 50 Lkw, die es in Deutschland gibt, nun zu seinem Fuhrpark zählen kann. „Wir wollen Pionier sein“, erklärte der Kreischef. Bis 2035 möchte die Landkreisverwaltung klimaneutral sein.
50 Lkw sind täglich in Sachen Müll unterwegs
Der Fuhrpark leistet einen wichtigen Beitrag. Etwa 50 schwere Fahrzeuge rollen jeden Tag für den AWB über die Straßen. Rund einen Million Liter Diesel schlucken die Laster pro Jahr. Das soll anders werden. „Wir wollen umsteigen“, sagte Martin Wuttke, der als stellvertretender Landrat für den Müll zuständig ist. Wohin die Reise gehen wird, ist derzeit noch nicht klar. Nur so viel: Der Dieselmotor ist ein Auslaufmodell bei den Abfallbeseitigern. Derzeit sind immer mehr gasbetriebene und elektrische Fahrzeuge am Start. „Wir wollen technologieoffen sein“, betonte Roland Bernhard. Für das Jahr 2024 kündigte er ein Konzept an, das die zukünftige Strategie im Landkreis aufzeigen soll.
Jetzt wartet der Praxistest
Bis dahin müssen die beiden neuen Fahrzeuge im Praxistest zeigen, was in ihnen steckt und ob sie den Anforderungen der Abfallentsorger gerecht werden. Und die sind nicht ohne: Die Touren im hügeligen Landkreis sind anspruchsvoll, und in den Schlund der Lkw, die auf einem Daimler-Chassis montiert sind, passen zehn Tonnen Müll. Eine Last, die für ein rein elektrisch betriebenes Fahrzeug viel zu groß wäre. Denn käme nur die Batterie im Laster zum Einsatz, wäre bereits nach 70 Kilometern Schluss mit Müllsammeln. Dank der drei Brennstoffzellen an Bord wird die Batterie jedoch permanent aufgeladen. Der Lkw kann somit bis zu 400 Kilometer weit fahren, bis er an die nächste Wasserstofftankstelle muss. Nachteil: Die gibt es derzeit im Landkreis nur in Sindelfingen. Vorteil: Der Wasserstoff ist so schnell im Tank wie der Diesel.
Die Zukunft hat noch ihren Preis
Die Zukunft hat allerdings ihren Preis. Und der ist noch weit entfernt von einem betriebswirtschaftlichen Einsatz. Der von der Mainzer Firma Zöller-Kipper entwickelte Laster kostet 1,2 Millionen Euro – mehr als das Vierfache eines vergleichbaren Dieselfahrzeugs. Knapp 1,6 Millionen für die beiden Laster werden aus Berlin beglichen. Den Rest der Mehrkosten übernimmt der Landkreis – wofür es vom Landrat ein Dankeschön an die Bereitschaft der Kreisräte gab, diesen Weg mitzugehen.
„Zug hat er schon“
Roman Villmock und Cristian Mercurean gehören zu den vier Müllwerkern, die ihre Arbeitszeit mit den beiden Zukunftslastern verbringen werden. Am Montag haben sie eine erste Tour zum Tanken unternommen – ohne tonnenweise Müll im Rücken. Und? „Zug hat er schon“, meinte Roman Villmock anerkennend über das Vehikel, das er ab sofort durch den Landkreis steuern wird. Am Mittwoch wartet die erste Bewährungsprobe: Der Müll im Revier um Weil der Stadt und Schafhausen wird zum ersten Mal komplett klimaneutral wegkutschiert.