Das Rotkreuz-Krankenhaus wird von der Stadt übernommen. Foto: Andrea Eisenmann

Große Veränderung am Krankenhausstandort Stuttgart: Das Klinikum der Stadt Stuttgart übernimmt vom Klinikkonzern Sana nicht nur das Rotkreuz-Krankenhaus. Als Teil eines Gesamtpakets erwirbt das städtische Großklinikum auch die Sana-Herzchirurgie.

Anfang der Woche hat das Klinikum der Stadt Stuttgart offiziell bekannt gegeben, dass man im Katharinenhospital (KH) am Standort Mitte ein großes Lungenzentrum aufbauen wird. Möglich wird das durch bemerkenswerte Neuzugänge. Ärztlicher Direktor der Klinik für Thoraxchirurgie am KH ist nun Rainer Sätzer. Der ehemalige Chefarzt des Klinikums der Stadt Esslingen ist bereits Anfang des Monats mit einem dreiköpfigen Facharztteam ans KH gewechselt. Anfang Januar wird Martin Hetzel den Dienst im städtischen Klinikum aufnehmen. Der bekannte Pneumologe war lange Jahre Ärztlicher Direktor des Krankenhauses vom Roten Kreuz (RKK) in Bad Cannstatt. Die Lungenfachklinik gehört zum Klinikkonzern Sana. Hetzel bringt ans KH sein gesamtes ärztliches Teams mit acht Oberärzten mit.

 

Auch das Herzzentrum wird übernommen

Und der Coup, den Jan Steffen Jürgensen, der Medizinische Vorstand des städtischen Klinikums, damit gelandet hat, enthält eine weitere Überraschung: Das kommunale Großkrankenhaus wird von der Sana auch deren Herzzentrum übernehmen. Dieses befindet sich am Herdweg auf dem Gelände des Katharinenhospitals. Das Gebäude wurde Anfang der 1990er Jahre von der Stadt für die Sana errichtet, in einer Zeit, als der Krankenhauskonzern per Management-Vertrag die Gesamtleitung des Klinikums verantwortet hat. Seither gibt es vielfältige Kooperationen der Sana-Herzklinik mit medizinischen Disziplinen im KH. Der bestehende Pachtvertrag würde noch bis zum Jahr 2029 laufen.

Ein Sprecher des Sana-Konzerns bestätigte die Pläne auf Anfrage. Vor dem Hintergrund „einer sich stark wandelnden Krankenhauslandschaft“ führe man mit dem städtischen Klinikum Gespräche insbesondere über „die Zukunft des Krankenhauses vom Roten Kreuz Bad Cannstatt“. Dabei sei „auch das Sana-Herzzentrum Stuttgart thematisiert“ worden, erklärte der Sprecher. Was noch etwas vage klingt, ist tatsächlich schon recht konkret verhandelt. Derzeit gebe es zwar noch „keine Entscheidungen, sondern ergebnisoffene Gespräche“, diese seien aber „weit fortgeschritten“, so der Sprecher. Man rechne „mit Entscheidungen in den kommenden Wochen“.

Im Falle des Rotkreuz-Krankenhauses ist die Sana in einer nicht einfachen Lage. Mit dem Weggang des renommierten Pneumologen Martin Hetzel und seines Ärzteteams steht die Lungenfachklinik vor dem Aus. Eine anderweitige Fortführung des Krankenhauses ist im heutigen Umfeld kaum vorstellbar. Damit könnte die Insolvenz drohen. Nun wird das städtische Klinikum den 74-Prozent-Anteil der Sana an der Fachklinik wie auch die Minderheitsbeteiligung von 26 Prozent des DRK-Landesverbandes übernehmen. Dies soll einen geordneten Übergang gewährleisten. Das ist günstig für die 217 Beschäftigten des RKK (165 Vollzeitstellen), die ans städtische Klinikum wechseln.

Die Frage ist, was aus dem Gebäude wird. Das Krankenhaus und das Grundstück sind im Eigentum des DRK-Landesverbands. Das RKK wurde von 1918 bis 2002 vom Roten Kreuz betrieben, seitdem besteht die Partnerschaft mit dem privaten Sana-Konzern. Zur Weiterverwendung der Immobilie könne man „im Moment nichts sagen“, erklärte der Sprecher des DRK-Landesverbandes, Udo Bangerter, auf Anfrage. Dazu sei der Zeitraum, seit man von der Entwicklung wisse, zu kurz. Auf jeden Fall dürften Ende des Jahres an dem Klinikstandort an der Badstraße in Bad Cannstatt die Lichter ausgehen.

Das Karl-Olga-Krankenhaus bleibt bei der Sana, heißt es

Angesichts der schwierigen Ausgangslage beim RKK, die für die Sana sehr teuer hätte werden können, ist es nicht überraschend, dass das städtische Klinikum bei dieser Gelegenheit auch nach der Herzklinik gegriffen hat. Zumal die Sana, die die profitable Herzchirurgie als Solitär langfristig offenbar selbst nicht mehr für gesichert hält, auch mit dem Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) über einen Verkauf verhandelt hatte. Das RBK betreibt auf dem Burgholzhof eine große Herzchirurgie. Als Maximalversorger wollte sich das Klinikum die Sana-Herzklinik aber auf jeden Fall sichern. Dass der Versorgungsauftrag dafür Anfang der 1990er Jahre an die Sana ging, war schon damals im Gemeinderat umstritten. Seit Längerem betrachtete man die Entscheidung mehrheitlich als Fehler.

Nun geht das Haus mit seinen 66 Betten und 226 Beschäftigten (180 Vollzeitstellen) doch an die Stadt. Wann dieser Schritt vollzogen wird, darüber gibt es derzeit keine Angaben. Es wäre aber nicht verwunderlich, wenn die Übernahme ebenfalls Anfang 2024 vollzogen werden würde. Anders als im Falle des RKK ist die Integration der Herzklinik am Herdweg deutlich einfacher, da räumlich im Grundsatz alles so bleiben kann wie bisher. Was die Zukäufe kosten, darüber machen die Beteiligten keine Angaben.

Angesichts des bevorstehenden Verkaufs zweier seiner Stuttgarter Kliniken und „um jeglichen Spekulationen entgegenzutreten“, betont der Sana-Konzern, dass das Karl-Olga-Krankenhaus (KOK) im Stuttgarter Osten, das ebenfalls von Sana betrieben wird, „nicht Gegenstand irgendwelcher Gespräche“ sei, so ein Sprecher. Das KOK sei gut ausgelastet, breit aufgestellt und habe auch angesichts der Krankenhausreform von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gute Potenziale. Diese Klarstellung ist auch zu sehen vor dem Hintergrund, dass die Sana in Stuttgart vor noch nicht langer Zeit schon das Bethesda-Krankenhaus in Mitte nur wenige Jahre nach der Übernahme an das Robert-Bosch-Krankenhaus weiterverkauft hat. Damit wird der Konzern in Stuttgart von ehemals vier Kliniken bald nur noch einen Standort haben.