Je nach Wohnort ist es noch bis Mitte 2028 erlaubt, eine neue Gasheizung zu installieren. Aber: Wie teuer wären der Kauf und Betrieb tatsächlich im Vergleich zu einer Wärmepumpe? Dazu gibt es inzwischen mehrere Studien.
Auf den ersten Blick scheint die Sachlage völlig klar zu sein: Eine neue Gastherme kostet ganz grob 10 000 Euro, während eine Wärmepumpe mit mindestens dem doppeltem Betrag zu Buche schlägt. Soll man also aus wirtschaftlichen Gründen noch auf Gas setzen? Das neue Heizungsgesetz erlaubt jedenfalls einen Einbau in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern noch bis zum 30. Juni 2026, in kleineren Kommunen sogar bis zum 30. Juni 2028.
Eine Studie des Prognos-Instituts, die die Umweltorganisation WWF im Sommer in Auftrag gegeben hat, kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass sich eine Gasheizung weder ökologisch noch ökonomisch lohnt, wenn man die Betriebskosten über die mutmaßliche Mindestlaufzeit von 15 Jahren sowie die geplante Bundesförderung mit einrechnet.
Auf die öffentliche Förderung der Wärmepumpe kommt es an
Die Grundannahme der Studie ist sehr defensiv ausgelegt: Es wurde ein Einfamilienhaus gewählt, das nur teilsaniert ist und deshalb lediglich der Energieeffizienzklasse F entspricht – damit gehört es zu den schlechtesten 20 Prozent des deutschen Bestandes, und die Wärmepumpe benötigt entsprechend viel Strom.
Der Gamechanger, wie man Neudeutsch sagt, also der entscheidende Punkt in der Berechnung ist aber die öffentliche Förderung der Wärmepumpe. Der Bund will ja ab dem Jahreswechsel 30 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschussen. Wer sich vor 2028 entscheidet, erhält zusätzliche 20 Prozent als „Geschwindigkeitsbonus“. Und einkommensschwache Haushalte (bis 40 000 Euro Jahreseinkommen) können weitere 30 Prozent erhalten – unterm Strich sind aber maximal 70 Prozent Förderung möglich.
Die Deutschen sind in der Heizungsfrage extrem verunsichert
Ganz ohne Förderung wäre eine Luftwärmepumpe, wie sie Prognos zugrunde gelegt hat, tatsächlich um 450 Euro pro Jahr teurer als eine Gasheizung. Berücksichtigt man Grund- und Geschwindigkeitsbonus (zusammen 50 Prozent), liegt die Wärmepumpe dagegen um 400 Euro pro Jahr vorne. Wer zusätzlich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert, erhöht den Vorteil trotz der zusätzlichen Investition auf 780 Euro pro Jahr.
Zu der Studie gehörte allerdings auch eine repräsentative Umfrage: Danach ist eine Mehrheit der Deutschen trotz der hohen Förderung nicht motiviert, sich eine neue Heizung einbauen zu lassen. „Gezielte Desinformation und Verzögerungsdebatten haben hohe Unsicherheiten zur Heizungswahl erzeugt“, sagt Viviane Raddatz, die Klimachefin beim WWF Deutschland. Ulrich König, der Leiter des Energieberatungszentrums in Stuttgart, spürt diese Verunsicherung auch – die Nachfrage nach einem Beratungstermin sei gerade gering, sagt er. Dabei benötigt die Planung einer neuen Heizung so viel Vorlauf, dass jetzt ein günstiger Zeitpunkt wäre: „Im neuen Jahr zieht die Nachfrage bei uns, aber auch bei den Handwerkern mit Sicherheit wieder stark an“, so König. Vor einigen Monaten hat das Verbraucherportal Verivox ebenfalls eine Vergleichsrechnung angestellt und ist in seinem Ergebnis zurückhaltender. Die tatsächlichen Kosten hingen stark von den baulichen Gegebenheiten und der individuellen Situation ab, heißt es bei Verivox.
Eine qualifizierte Energieberatung sei deshalb unverzichtbar. Als Fazit der Studie lässt sich sagen, dass laut Verivox Gasheizung und Wärmepumpe gleich teuer sind, wenn die Jahresarbeitszahl bei 2,7 liegt. Bei einer Zahl von vier ist die Wärmepumpe um 31 Prozent günstiger. Die Jahresarbeitszahl ist ein Index für den Stromverbrauch; durchschnittliche Luftwärmepumpen benötigen etwa ein Kilowatt Strom, um drei Kilowatt Wärme zu erzeugen. Der Anlagenbauer Buderus, der sowohl Öl- und Gasheizungen wie Wärmepumpen produziert, geht tendenziell davon aus, dass die Wärmepumpe im Neubau ihre Vorteile ausspielen kann. In einer Beispielrechnung liegt die Gasheizung leicht vorne.
Eine Teilsanierung des Hauses ist meist notwendig für eine Wärmepumpe
Ulrich König legt in seinen Beratungen ebenfalls zugrunde, dass mindestens eine Jahresarbeitszahl von drei erreicht werden sollte, damit er eine Wärmepumpe empfiehlt. „Dazu muss ein Haus in der Regel mindestens teilsaniert sein“, sagt er. Oft seien aber auch in Altbauten irgendwann die Fenster oder das Dach erneuert worden, und dann funktioniere eine Wärmepumpe in der Regel.
Häufig müssten noch die Heizkörper ausgetauscht werden. In der Prognos-Rechnung sind übrigens 6000 Euro für neue Heizkörper bereits berücksichtigt. Das Problem bei allen diesen Rechnungen ist allerdings: Niemand weiß, wie sich der Gas- und der Strompreis entwickeln wird. In den Studien werden Annahmen für die nächsten 15 Jahre getroffen, die aus heutiger Sicht realistisch sind, aber die Entwicklung kann doch ganz anders verlaufen.
Unsicherheitsfaktor ist die Entwicklung des Strompreises
Deutschlandweit gilt bei neuen Gasheizungen zudem, dass das Gas nach dem neuen Heizungsgesetz des Bundes ab dem Jahr 2029 einen gewissen Anteil Biomethan besitzen muss, beginnend bei 15 Prozent und bis 2044 auf 100 Prozent steigend. Baden-Württemberg besitzt dagegen schon das Erneuerbare-Energien-Gesetz, nach dem bereits seit 2015 gilt, dass Gasheizungen mit mindestens 15 Prozent Biogas betrieben werden müssen.
Man kann diesen Anteil aber durch andere erneuerbare Energien ersetzen, etwa durch eine Solarthermie-Anlage. Vor 2015 eingebaute Heizungen dürfen weiterhin ganz mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Für die Menschen im Südwesten gelten demnach strengere Regeln. „Baden-Württemberg will fünf Jahre früher als der Bund klimaneutral werden“, sagt Steffen Becker, der Sprecher des Umweltministeriums: „Deshalb müssen wir auch mehr machen.“
In einer Großstadt wie Stuttgart sei allerdings das größte Problem der Wärmepumpen ein anderes, betont Ulrich König: nämlich der Lärm. Der Geräuschpegel sei oft hoch, in Stuttgart gebe es einige kritische Quartiere. Ulrich König setzt aber darauf, dass die Geräte sehr bald leiser – und auch günstiger – werden.