Der kosovarische Außenminister Glauk Konjufka Foto: Gottschalk

Der Außenminister des Kosovo beklagt den Wegzug seiner Landsleute und den Umgang von Serbien mit seinem Land. Innerhalb der EU sieht er Länder, die seinem Land Steine in den Weg legen.

Stuttgart - Seit wenigen Wochen hat das Kosovo eine neue Regierung. Außenminister Glauk Konjufca erbt viele Probleme mit Serbien. Innerhalb der EU sieht er auch bei den Staaten, die sein Land nicht anerkennen, große Unterschiede.

Herr Konjufca, Sie sind seit rund zwei Wochen im Amt. Kennen Sie schon die größten Baustellen, an denen Sie arbeiten müssen?


Unsere Regierung hat am 4. Februar die Arbeit aufgenommen. Die Außenpolitik steckte in den vergangenen Jahren in einer schweren Krise. Es gibt eine aggressive Kampagne Serbiens, die darauf abzielt, dass Länder die Anerkennung des Kosovo wieder zurücknehmen sollen. Insgesamt sind zwölf bis 15 Staaten davon betroffen, die meisten im pazifischen Raum und in Afrika.

Die Beziehung zu Serbien bleibt also nach wie vor das größte Problem?


Es gibt nach wie vor hohe Strafzölle für Waren aus dem jeweils anderen Land, aber unser neuer Premierminister Albin Kurti hat angekündigt, dass wir diese gegenseitig abbauen könnten. Serbien macht uns aber auch in vielen anderen Bereichen das Leben schwer, zum Beispiel, wenn es um die Anerkennung kosovarischer Papiere geht.

Am Wochenende wurde eine Absichtserklärung zwischen dem Kosovo und Serbien zum Bau von Straßen und Eisenbahnverbindungen unterzeichnet. Ist das ein Neubeginn?

Das geht auf eine Initiative des US-Botschafters in Deutschland zurück. Richard Grenell hat sich dafür eingesetzt. Der Dialog zwischen Serbien und dem Kosovo unter der Schirmherrschaft der EU muss fortgesetzt werden. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat angekündigt, einen neuen Beauftragten zu ernennen.

Josep Borrell ist Spanier – Spanien erkennt das Kosovo nicht an. Ist das ein Problem?

Wer in der EU eine herausragende Position innehat, der agiert unabhängig von bisherigen nationalen Interessen. Manche hoffen sogar auf einen Vorteil für das Kosovo, weil Herr Borrell seine Unabhängigkeit gegenüber Madrid demonstrieren könnte. Daran glaube ich nicht.

Neben Spanien erkennen weitere EU-Mitglieder das Kosovo nicht an. Sehen sie da Bewegung? 


Man muss erkennen, dass es große Unterschiede unter den Staaten gibt, die uns nicht anerkennen. Mit Griechenland ist das Verhältnis gleichwohl gut, sie akzeptieren auch unsere Pässe. Mit der Slowakei und Rumänien ist es in Ordnung, Spanien und Zypern versuchen Hindernisse für uns aufzubauen. Am extremsten ist Zypern.

Ihr Premierminister sucht sehr die Nähe zu Albanien. Wie eng kann die Verbindung einmal werden?

Unsere Länder verbindet sehr viel. Geschichte, ­Kultur, Sprache, wir sind eine Nation. Zusammenarbeit ist für uns daher sehr einfach. Wir können viele Projekte miteinander voranbringen; Projekte zum Wohle von uns beiden, die niemand anderem schaden. Das gilt für die Wirtschaft, den Tourismus und die Landwirtschaft.

Reden wir von Kooperation oder Einheit?

Ich kann die Zukunft nicht vorhersehen, ich weiß nicht, was in ein paar Jahrzehnten geschieht. Jetzt geht es erst einmal darum, unsere guten Beziehungen noch weiter zu vertiefen. Daran arbeiten wir.

Sie sind auch Minister für die Diaspora. Wo außerhalb des Kosovo sind die meisten Ihrer Landsleute?

In Deutschland. Da leben mehr als 400 000 Kosovaren. Und davon mit mehr als 100 000 die meisten in Baden-Württemberg.

Wünschen Sie sich, dass alle wieder nach Hause kommen?

Ich wünsche mir, dass der Wegzug aus dem Kosovo zurückgeht. Wir arbeiten hart daran, die Lebensbedingungen zu verbessern. Bei uns ist Bildung gut und umsonst. Wir investieren viel Geld in die Ausbildung unserer Leute. Wenn die dann ins Ausland gehen und man dort von ihren Fähigkeiten profitiert, dann ist das ein ungeheurer Verlust für unser Land.

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