Korntal-Münchingen Ein Beitrag gegen die Dienstleistungswüste

Von Franziska Kleiner 

Der Aufgang in die neue Post ist schmal. Deshalb liegt dauerhaft nur eine Rampe, eine zweite wird montiert, wenn sie benötigt wird. Foto: factum/Granville
Der Aufgang in die neue Post ist schmal. Deshalb liegt dauerhaft nur eine Rampe, eine zweite wird montiert, wenn sie benötigt wird. Foto: factum/Granville

Die Post im Stadtteil Münchingen ist umgezogen. Sie hat ihren Platz in der Änderungsschneiderei.

Korntal-Münchingen - Fatma Memet-Sezgün betreibt eine Änderungsschneiderei und eine Reinigung, außerdem eine Partnerfiliale der Post. „Das ist für den Ort wichtig“, sagt die Juristin. Nachdem die Post am Widdumhof ausgezogen war, hatte Mement-Sezgün kalkuliert: Sollte sie trotz ihrer Teilzeitbeschäftigten und Honorarkräfte kein Minusgeschäft machen, würde sie auch die Postdienstleistung anbieten, zusätzlich zu Reinigung und Änderungsschneiderei. Letztere ist eigentlich das Geschäft ihrer Mutter. Sie sei eine Marke im Ort, erzählt die Tochter.

Ein Holzbrett muss es tun

Als sie aus der angestammten Bleibe in der Stuttgarter Straße ausgezogen waren – das Haus wird laut Memet-Sezgün abgerissen – hatten sie nach einer neuen Bleibe gesucht. Sie wurden in der Marktstraße 3 fündig, in den Räumen einer ehemaligen Bäckerei. Der Eingang ist nur über fünf Stufen zu erreichen. Deshalb hat Memet-Sezgün seitlich eine Klingel angebracht. So kann Hilfe rufen, wer einen barrierefreien Zugang benötigt – ob Rollstuhlfahrer, Mütter mit Kinderwagen oder Rollatornutzer. Denn während eine Rampenschiene fest installiert ist, wird die zweite bei Bedarf kurzzeitig montiert. Nur so sei gewährleistet, dass auch Kunden den Aufgang nutzen können, die das Treppengeländer benötigen, um sich daran festzuhalten.

Die Lösung? Ein Brett

Wenn dann abends die von den Kunden aufgegebenen Briefe und Pakete, abgeholt werden, wird statt der zwei Rampen, die für den Paketwagen zu schmal sind, ein breites Brett über die Treppen gelegt. So gehe es, sagt Fatma Memet-Sezgün. Die Kosten für die beiden Rampen hat sie nach eigenen Angaben selbst getragen, auch wenn die Post beteuert, sich „je nach Situation schon an den Kosten für behindertengerechte Rampen beteiligt“ zu haben. Dennoch, stellt die Post auch klar, lasse es sich nicht von der Hand weisen, dass einige Partnerfilialen keinen barrierefreien Zugang hätten.

Die Post sei für den Ort wichtig. Wenn alles schließe, aber kein Ersatz geschaffen werde, sei Münchingen tatsächlich in absehbarer Zeit eine Dienstleistungswüste, verdeutlicht Memet-Sezgün ihr Engagement. Sie hatte die Post übernommen, nachdem der bisherige Filialbetreiber aufgegeben hatte, zumal die Post aus dem Räumen am Widdumhof raus muss. Dort zieht die Stadtverwaltung ein, während das Rathaus saniert wird. Die neue Betreiberin hat wochentags bis 18 Uhr geöffnet.

Lesen Sie jetzt