Sarah Connor beim Weihnachtskonzert in Stuttgart Foto: Lichtgut - Ferdinando Iannone

Sarah Connor verwandelt ihr Konzert in der Stuttgarter Porschearena in eine tosende Weihnachtsparty. Einer Background-Sängerin kommen bei „Santa If You’re There“ die Tränen.

Sarah Connor tritt nicht auf die Bühne. Sie tritt hinter ihr Publikum gegenüber der Bühne und läuft singend nach vorn. Die Verbindung zu ihren Fans ist dadurch sofort da. In einem Glitzeroverall beginnt sie ihr Weihnachtskonzert in Stuttgart mit dem Song „Christmas Train“. Sie wirkt glamourös, routiniert und bodenständig-sympathisch. Knapp zwei Wochen vor Heiligabend singt die 43-Jährige Songs aus ihrem zweiten Weihnachtsalbum „Not So Silent Night – The Cozy Edition“. „So, jetzt aber richtig“, ruft sie nach „Blame It On The Mistletoe“, dem dritten Song des Abends, und begrüßt die 3500 Zuschauerinnen und Zuschauer ein zweites Mal herzlich.

 

Witze auf eigene Kosten

Die gesamte Show hindurch spart Connor nicht mit Witzen auf eigene Kosten. Sie erinnert sich daran, wie sie vor Jahren die Nationalhymne versungen hatte – und auch an diesem Abend passiert ein Patzer zu Beginn der Show: Sarah Connor spricht davon, wie viele Gedanken sie sich darüber mache, was im Jahr 2066 passieren wird, bis einer ihrer Musiker sie leise unterbricht. Sie wendet sich gelassen an ihr Publikum: „Mein Drummer sagt mir gerade, dass ich das falsche Lied anmoderiere“. Schallendes Lachen aus dem Publikum. „Man muss auch mal flexibel sein“, lacht sie selbstironisch.

An diesem Abend darf auch das Publikum mitmachen. Conner testet es auf Textsicherheit bei deutschen Weihnachtsklassikern, steht im Gang und dirigiert, immer wieder darf jemand solo singen. Bei „O Tannenbaum“ will sie von einem Tenor die zweite Strophe hören. Er schmettert zurück: „Bläääätt-h-er – ich bin Holländer“. Das lässt sie gelten. Fürs Kindersingen ruft sie alle bis zu Zehnjährigen im Saal zu sich und drückt beide Augen zu, als sich auch Ältere dazugesellen. Gemeinsam singen sie unter anderem „In der Weihnachtsbäckerei“. Anschließend dürfen sich die Kinder selbst Weihnachtslieder wünschen. Eines wünscht sich „Stern über Bethlehem“. „Das haben wir noch nie gehabt“, freut sich Connor.

Erinnerung an die Großmutter

Berührend ist der Moment, in dem Connor ein Lied ankündigt, das ihrer verstorbenen Großmutter gewidmet ist. Sie halte es nicht immer bis zum Schluss durch, warnt sie. „Santa, If You’re There“ ist ein bewegender Song, weit entfernt vom schnulzigen „Christmas In My Heart“, den sie in der Zugabe singt. Connor hält durch, aber eine ihrer Backgroundsängerinnen scheint die Tränen nicht zurückhalten zu können. Kaum ist der letzte Ton gespielt, sagt Connor gänzlich untypisch kurz „Danke“ und verschwindet für einige Momente im dunklen Teil der Bühne.

Party auf der Bühne

Dann geht die weihnachtliche Party weiter. Im letzten Drittel von „Don‘t You Know That It’s Christmas“, tanzt sogar das Streich-Quartett. „Wir setzen uns jetzt nicht mehr hin. Wir tanzen bis zum Schluss!“, ruft sie in den Saal. Bei „Not So Silent Night“ hüpft der Bassist, sind die Backgroundsängerinnen barfuß, fliegt goldenes Konfetti – und der Saal tobt.

Connor selbst scheint nach zwei Stunden und vier Zugaben am Ende immer noch so viel Energie zu haben, dass der Abschiedskommentar von ihr „Noch mal von vorne?“ durchaus ernst zu nehmen ist. Noch einmal in Baden-Württemberg gibt es sie tatsächlich zu sehen, wenn auch nicht an diesem Abend, sondern erst am 16. Dezember in Mannheim. Dann heißt es wieder: It’s time for a „Not So Silent Night“ und den üblichen Trubel im Hause Connor.