Lazy Giants Foto: Merlin

Die Band Lazy Giants ist seit 44 Jahren unterwegs und begegnete vielen bekannten Kollegen.Im Merlin hat sie davon erzählt.

Schließlich gaben sie sich einen neuen Namen: Aus der Band Toiling Midgets wurde die Band Lazy Giants. Weshalb? Zum einen, sagt Paul Hood, der Gitarre spielt und von Anfang an dabei war, sei „Midget“, also Zwerg, ein Wort, das im Jahr 2023 keinen guten Klang besäße. US-amerikanische Musikpromoter meiden es so sehr wie die BBC: „Wir wollten uns niemals lustig machen über kleinwüchsige Menschen. Tatsächlich haben wir uns mit Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, immer sehr verwandt gefühlt. Aber ich bin nun 65 Jahre alt. Ich möchte Musik spielen und mich nicht über solche Dinge streiten.“

 

Der zweite Grund für den kompletten Namenswechsel: Mit 65 Jahren will die Band auch nicht mehr so richtig schuften („to toil“), sondern lieber träge sein („being lazy“). Träge heißt dabei aber weder leise noch lasch, wie das Publikum am Mittwochabend beim Auftritt der Lazy Giants im Merlin erfährt.

Es gibt ein neues Album

Ein dritter Grund: Es gibt ein neues Album, aufgenommen in neuer Besetzung. Neben Paul Hood und Craig Gray, die die Toiling Midgets 1979 in San Francisco gründeten, ist Daniel Cemy an Bord. Er stammt aus Polen, lebte in Schweden und London, singt mit düsterer Energie, kriecht über den Fußboden und lässt seine Klarinette aufschreien, im wilden Gitarrensound der schläfrigen Riesen, vor dem Schlagzeugdonner, den Daniel Banymin erzeugt.

Daniel Benyamin, geboren in Walddorfhäslach, war bis 2019 aktiv mit der Band Sea+Air und schloss sich den Toiling Midgets vor Jahren schon an. Auf dem neuen Album ist auch Kevin Kuhn, Schlagzeuger bei Die Nerven, am Bass zu hören. Mit dabei sind außerdem, als Gastmusiker: Chris Eckmann (The Walkabouts), Chris Cacavas (Dream Syndicate), Eugene Robinson (Oxbow). Mark Lanegan, sagt Paul Hood, hörte die Aufnahmen, ehe er starb – vielleicht wäre auch er ein Gastsänger geworden. Und Thurston Moore, dessen Weg mit Sonic Youth die Toiling Midgets viele Male kreuzten, soll sich das neue Album schon bestellt haben.

Seltsame Zufälle

Etliche andere Musiker kamen und gingen, als Gäste, bei den Toiling Midgets/Lazy Giants, über die Jahrzehnte hin. Paul Hood erzählt vor dem Stuttgarter Konzert aus der seltsamen Geschichte einer Band, die seit fast 45 Jahren eigensinnig einen brachial-experimentellen Sound spielt, mit gelegentlichen Tanzeinlagen und stets konsequent unter der Schwelle zum Erfolg.

Ihre Geschichte ist ein Sammelsurium seltsamer Zufälle – sie handelt von Bandmitgliedern, die verschwanden und wieder auftauchten, von Konzerten mit Public Image Ltd. und Pavement, mit denen sich die Toiling Midgets das Label Matador teilten, von Stephen Malkmus, der irgendwann um 1992 spontan für einige Konzerte Sänger der Band wurde.

Es gab Auftritte gemeinsam mit The Cramps in den frühen 1980er Jahren, und einmal spielte Craig Grey Poolbillard mit Nico, der früheren Sängerin der Velvet Underground („Sie war ziemlich gut, aber als ihre Drogenlieferung kam, war sie plötzlich fort“). Im Merlin tobt am Mittwochabend ein gutes Stück Musikgeschichte über die Bühne. „Er stammt aus Seattle“, stellt Daniel Benyamin Paul Hood dem Publikum vor – „er hat den Grunge erfunden, 1981!“ Und Craig Gray, der andere Zeitzeuge, spielt dazu stoisch laut und mit Feedback die Gitarre.