Sieht vielleicht nicht aus wie ein Hollywoodstar, ist aber einer: Hans Zimmer Foto: dpa

Er ist der wohl erfolgreichste Deutsche in Hollywood: Seit 1988 komponiert der gebürtige Frankfurter Hans Zimmer eine Filmmusik nach der anderen, von „Batman“ bis „Inception“, von „Hannibal“ bis „Fluch der Karibik“. In der Schleyerhalle hat seine Musik jetzt ein großes Publikum begeistert.

Stuttgart - Immer wieder hört man die Klassikchefs dieses Landes versprechen, wie sie ganz bald neue Programme und Konzertformate ausprobieren wollen, um auch ein jüngeres Publikum anzusprechen. Nun, man fragt sich, warum sie ihre Orchester nicht einfach mal ein Konzert mit Filmkompositionen von Hans Zimmer spielen lassen – so füllt man jedenfalls an einem Sonntagabend mühelos die Stuttgarter Schleyerhalle; und dabei ist der Meister bei dieser Tournee namens „The World of Hans Zimmer“ noch nicht mal persönlich anwesend.

Und die mehrheitlich deutlich unter vierzig Jahre alten Besucher wissen auch genau, wie man sich in einem ernsten Konzert zu benehmen hat: Freundlich werden die Musiker des Orchesters vom Bolschoi-Theater aus Kiew mit Auftrittsapplaus begrüßt, noch freundlicher der Dirigent Gavin Greenaway (Zimmers engster Mitarbeiter). Aber pünktlich von der Sekunde an, da dieser den Taktstock hebt, ist es mucksmäuschenstill im Saal. Faszinierend.

Bei der Frage, welche deutschen Künstler es in Hollywood zu etwas gebracht haben, wird der inzwischen sechzigjährige Zimmer, gebürtig aus Frankfurt am Main, gern vergessen, obwohl der nun wirklich eine große Nummer ist: Seit seinem Debüt als Filmkomponist 1988, als er die Musik zu „Rain Man“ lieferte, ist er Jahr um Jahr für den „Score“, wie die Angelsachsen zu sagen pflegen, von vier, fünf, sechs oder mehr großen Produktionen verantwortlich. Regiestars wie Ridley Scott, Terrence Malick oder Christopher Nolan arbeiten bevorzugt mit dem deutschen Tonsetzer zusammen.

Aus „Hannibal“ gibt es eine Liebesmusik

Und wäre uns beispielsweise die „Batman“-Trilogie von Christopher Nolan wirklich noch immer als so zupackend, bilderstark und auch ästhetisch wegweisend in Erinnerung ohne den wuchtigen, enervierenden, düsteren Sound, den Zimmer für die Geschichte gefunden hat? Mit „The Dark Knight“ beginnt das rund dreistündige Konzert in Stuttgart. Der Komponist hat aus seinem riesigen Œu­v­re mehr oder weniger umfangreiche Suiten für das große und mit Percussion und Elektronik verstärkte Orchester gesetzt. Manche Musik, die so erklingt, ist deutlich stärker als der Film, in dem sie einst zum Einsatz kam; das gilt für „Mission: Impossible II“ ebenso wie für „Pearl Harbour“. Andererseits zeigt ja gerade dies Zimmers Qualität und Rang.

Vieles kommt so zu Ehren, was in den Filmen selbst oft nur kurz anklang. Oder hat jemand ernsthaft in Erinnerung, dass es in Ridley Scotts blutrünstigem Thriller „Hannibal“ (2001) ein Liebesmotiv gab für die erstaunlich zarten Gefühle, die der Kannibale Lector für die ermittelnde Kommissarin Clarice entwickelt? Das Spiel der Cellistin Marie Spaemann enthüllt in diesem Konzert ein veritables und sehr virtuoses Solostück. Und letztlich sind es nur acht Töne, die das Zeit-Grundmotiv von Nolans „Inception“ (2010) umfassen, zunächst nur auf dem Klavier angeschlagen, dann in steter Steigerung wie zu einer Orchesterfuge erweitert, bevor es wieder wie am Anfang zusammenfällt – niemals wird der Kinogänger das dazugehörige letzte Bild des Films vergessen, den sich immer langsamer drehenden kleinen Kreisel.

In der Zugabe krachen dann die „Pirates of the Caribbean“ musikalisch über die Bühne. Riesiger Jubel am Konzertende, Ovationen im Stehen. Alles wie im Film.

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