Der Fußgängerüberweg über die Kulturmeile in Stuttgart wird im kommenden Jahr Realität. Die Maßnahme bleibt aber umstritten. Foto: Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der umstrittene Überweg über die B14 im Abschnitt Kulturmeile kommt. Die ökosoziale Mehrheit hat den Weg für die Fußgängerfurt im Rat geebnet.

Stuttgart - Mehr als zehn Jahre nach den ersten Vorstößen soll es nun ab Mitte nächsten Jahres auf dem B-14-Abschnitt zwischen Österreichischem Platz und Gebhard-Müller-Platz einen dritten Fußgängerüberweg geben. Mit den Stimmen der ökosozialen Ratsmehrheit und des Stadtisten Ralph Schertlen hat der Gemeinderat am Donnerstagabend den Weg für die 600 000 Euro teure ebenerdige Fußgänger- und Radfahrerfurt über die Kulturmeile/Konrad-Adenauer-Straße frei gemacht.

CDU, Freie, Wähler, FDP, BZS 23 sowie die Einzelstadträte von AfD und LKR votierten dagegen, OB Fritz Kuhn (Grüne) stimmte mit den Befürwortern. Er betonte, er sei als Rathauschef dazu verpflichtet, nicht nur die Mobilität von Autofahrern, sondern auch von Fußgängern und Radfahrern sicherzustellen.

Der Überweg gilt Grünen, SPD und der Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus als wichtiger Meilenstein für die Umwandlung der autogerechten in eine menschengerechte Stadt; für die Gegner ist er ein Paradebeispiel für überzogene Restriktionen gegenüber Autofahrern. Selbst im Bundesverkehrsministerium ist der umstrittene Stuttgarter Überweg inzwischen Thema: Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger (CDU) äußerte sich am Mittwoch beim Kongress der Stuttgarter Zeitung „Stadt der Zukunft – Zukunft der Stadt“ kritisch zu dem Vorhaben: Der Überweg diene nicht dem Verkehrsfluss, erklärte der Ludwigsburger Bundestagsabgeordnete.

Die Stadt stimmt der Furt doch noch zu

Ins gleiche Horn blies der Wortführer der Überwegsgegner, der CDU-Fraktionschef Alexander Kotz. Die Luftqualität werde sich durch den entstehenden Rückstau verschlechtern. „Eine solche Maßnahme im Angesicht der drohenden Fahrverbote lehnen wir ab.“ Kotz musste sich daraufhin von Grünen und SÖS/Linken den Vorwurf gefallen lassen, er sei ein „Autoversteher“.

Grünen-Sprecher Andreas Winter, dessen Fraktion schon 2003 einen Überweg gefordert hatte, attestierte der CDU eine „Verkehrspolitk von vorgestern“ und Christoph Ozasek warf Kotz vor, er habe eine „Windschutzscheibenperspektive“. Freie Wähler, FDP, die Gruppe BZS 23 sowie der LKR-Einzelstadtrat Walter Schupeck sprangen der CDU bei, während bei Ralph Schertlen (Stadtisten) der Druck von der Basis offenbar Eindruck hinterlassen hatte: Der bekennende Befürworter eines Stegs über die B 14 votierte schließlich für die Furt.

Eine vergleichbare Kontroverse hatte es im Voraus auch bei der Inbetriebnahme der beiden existierenden oberirdischen Überwege auf Höhe der Leonhardskirche und der Sophienstraße gegeben. Seit 2006 müssen dort die Autofahrer warten, wenn Fußgänger und Radfahrer die Bundesstraße/Hauptstätter Straße überqueren wollen. Der Verkehr kam deswegen aber nicht zum Erliegen.

Schon damals war der dritte Überweg im Gespräch, wurde aber nicht realisiert. 2011 machten die Grünen dann einen neuen Vorstoß für eine ebenerdige Querung zwischen dem Opernhaus und der Staatsgalerie. Der ADAC protestierte, das Ingenieurbüro Karajan riet dringend von dem Standort ab und favorisierte stattdessen einen Überweg auf Höhe der Ulrichstraße.

Anstieg der Stickoxidwerte nicht signifikant

Genau dort soll die Furt nun gebaut werden. Die Umlaufzeit der Ampelphasen würde nach Berechnungen der Verkehrsingenieure dort morgens und abends eine Minute und 40 Sekunden betragen. Fußgänger und Radfahrer müssten dann im Schnitt 43, maximal 93 Sekunden warten. In Fahrtrichtung Charlottenplatz sei mit maximal 130 Meter Stau am Morgen und 150 Metern am Abend zu rechnen, in der Gegenrichtung mit maximal 250 Metern.

Die Fahrzeiten auf dem Abschnitt zwischen Leonhardskirche und Neckartor verlängerten sich um neun bis 13 Sekunden. Nach Angaben von Baubürgermeister Pätzold ist der Anstieg der Stickoxidwerte am Überweg nicht signifikant.

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