Die Polizei kontrollierte die Ausgangssperre am Freitag. Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat

Die Polizei löste eine Demonstration auf Höhe der Sophienstraße auf. Ansonsten war es in der Stuttgarter Innenstadt am Freitag ruhig. Die meisten Stuttgarter hielten sich an die nächtliche Ausgangssperre.

Stuttgart - Die Bilder könnten Freitagnacht in der Stuttgarter Innenstadt kaum gegensätzlicher sein. Während an der Ecke Sophien- und Hauptstätter Straße mehrere Polizisten eine Gruppe Menschen eingekesselt haben, ist der Rest der Stuttgarter Innenstadt wie ausgestorben. Nur vereinzelt sind Essenlieferanten auf E-Scootern oder Fußgänger unterwegs, die mit ihrem Hund Gassi gehen oder nach eigenen Angaben vom Büro kommen.

Generell verlief die erste Nacht, in der die Stuttgarter ab 21 Uhr das Haus nur mit triftigem Grund verlassen durften, nach Angaben eines Polizeisprechers ruhig. Größere Probleme oder Zwischenfälle habe es keine gegeben. Bei Kontrollen im Stadtgebiet seien rund 100 Verstöße gegen die Ausgangssperre festgestellt worden. Die meisten dieser Verstöße seien aber nicht angezeigt worden, da sich die Kontrollierten einsichtig gezeigt hätten. Deshalb habe man es in den meisten Fällen bei einer mündlichen Verwarnung belassen, so der Sprecher weiter.

Ärger auf dem Marienplatz

Nicht ganz so ruhig ging es am Freitagabend hingegen im Bereich um den Marienplatz zu. Hier demonstrierten ab 20.30 Uhr nach Angaben des Veranstalters rund 300 Menschen unter Einhaltung der Masken- und Abstandsregeln gegen die Ausgangssperre und für einen harten Lockdown. Zur Demonstration eingeladen hatte das Bündnis für Solidarität und Klassenkampf. „Es geht uns vor allem um einen harten Lockdown und darum, dass auch die Industrie schließen muss. Im privaten Leben schränken wir uns bereits ein. Aber für Arbeitsstätten gelten nicht die gleichen Regeln. Obwohl die Infektionsgefahr draußen und nachts wesentlich geringer ist als im Büro,“ so Jonas Schmidt vom Bündnis Solidarität und Klassenkampf.

Gegen 21.30 Uhr schien es dann fast so, als würde die Kundgebung zu Ende sein. Doch plötzlich folgte ein Aufruf zu einem spontanen Aufzug, der sich daraufhin durch die Tübinger Straße und weiter auf die Hauptstätter Straße bewegte. Vereinzelt wurden dabei Bengalos gezündet.

Polizei setzt Pfefferspray ein

Auf der Höhe der Sophienstraße versuchten die Einsatzkräfte, die Teilnehmer des nicht angemeldeten Demonstrationszugs zu stoppen. Da sich jedoch nach Polizeiangaben „einzelne Teilnehmer im vorderen Bereich an der Polizeiabsperrung unfriedlich“ verhalten haben sollen, setzte die Polizei schließlich Pfefferspray ein. Der Veranstalter spricht von „mehreren Verletzten durch Pfefferspray und Platzwunden durch Polizeiknüppel“. Darüber hinaus seien auch Demosanitäter „während der Versorgung von Verletzten angegriffen und ebenfalls eingekesselt“ worden, heißt es auf der Website des Bündnisses für Solidarität und Klassenkampf weiter.

Nach Kenntnissen der Polizei habe sich nur ein alkoholisierter Teilnehmer im Laufe des Geschehens eine Platzwunde zugezogen. Er soll versucht haben in der Schlosserstraße eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen. Dabei fiel er laut Einsatzbericht „durch eigenes Unvermögen zu Boden“. Eine Freigabe für den Schlagstock habe es zwar gegeben, dieser sei aber maximal zum Abdrängen der Demonstranten eingesetzt, nicht jedoch als Schlagstock benutzt worden, so ein Sprecher der Polizei am Samstag.

Nach Angaben der Polizei stoppten die Einsatzkräfte schließlich eine Gruppe von rund 50 Aufzugsteilnehmern und nahmen deren Personalien fest. Dabei beschlagnahmten sie mitgeführte Spraydosen und Pyrotechnik.

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