Sahabettin Gögüs von der Verkehrsüberwachung ist unter anderem in der Seelbergstraße im Einsatz. Foto: Janey Schumacher

In Cannstatt wird an vielen Stellen wild geparkt, besonders in der Seelbergstraße. Bei der Kontrolle müssen sich die Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung Ausreden und Beschimpfungen anhören.

Bad Cannstatt - Im Stadtbezirk wird an vielen Stellen wild geparkt: Autos werden verbotenerweise auf Gehwegen, Sperrflächen oder im Halteverbot abgestellt. Um solche Verstöße kümmern sich die Mitarbeiter der städtischen Verkehrsüberwachung. 45 arbeiten allein in der Außenstelle Bad Cannstatt in der Neckarvorstadt. Mit der Einführung der Anwohnerparkregelung im Jahr 2017 kamen sogar noch einmal zwölf dazu, die nur in den vier Zonen unterwegs sind.

Einer von ihnen ist Sahabettin Gögüs. Er ist unter anderem im Parkgebiet Ca 3 tätig und daher für die Altstadt und das Bahnhofsquartier zuständig. Hier gilt, wie in drei anderen Parkzonen in Bad Cannstatt, seit dem Jahr 2017 das Parkraummanagement. Anwohner dürfen seither mit einem Ausweis in den gekennzeichneten Parkflächen stehen, andere Verkehrsteilnehmer müssen ein Ticket lösen. „Für Anwohner hat sich die Parksituation verbessert, weil Pendler dadurch nicht mehr im Stadtkern parken“, sagt Gögüs.

Los geht es an diesem Tag in der Spreuergasse. Und prompt fällt ein Fahrzeug auf, das auf dem Gehweg abgestellt wurde. Gögüs zückt ein Smartphone – im Fachjargon MDE-Gerät (die Abkürzung steht für Mobile Datenerfassung) genannt – und tippt Kennzeichen, Straße und Vergehen ein. Sind alle Daten erfasst, dauert es nur wenige Sekunden, bis ein kleiner Drucker, der an seinem Gürtel befestigt ist, einen Strafzettel ausdruckt. Denn das Fahrzeug darf hier nicht stehen: In der Spreuergasse gilt eingeschränktes Halteverbot. Das heißt, auf den markierten Flächen darf bis zu drei Minuten gehalten werden – aber nicht geparkt. Das Fahrzeug auf dem Gehweg abzustellen, ist dagegen verboten. „Auch nur für drei Minuten“, sagt Gögüs.

Die Regeln sind oft nicht bekannt

Immer wieder muss er sich von Verkehrssündern anhören, dass Einspruch gegen die Strafzettel eingelegt werde. So auch in diesem Fall. Der Besitzer des Wagens eilt zu seinem Fahrzeug und nimmt den ausgestellten Strafzettel von der Windschutzscheibe. Er ist überzeugt, dass sein Auto korrekt abgestellt sei und verkündet, dass er sich beschweren werde. Gögüs bleibt gelassen: „Viele kennen die Verkehrsregeln nicht so genau und denken, kurz anzuhalten wäre hier in Ordnung.“

Einer der Brennpunkte in der Parkzone Ca 3 ist die Seelbergstraße: Permanent wird hier im Halteverbot geparkt, zum Beispiel weil Autofahrer kurz zum Bäcker, in einen Kiosk oder einen Imbiss gehen. Sobald Gögüs in seiner dunkelblauen Uniform in Sichtweite ist, werden einige Motoren angelassen, die Fahrer – die sich ihrer Verstöße offenbar bewusst sind – suchen das Weite. Geparkt werden darf in der Seelbergstraße auf ausgewiesenen Kurzzeitparkplätzen. „Die erkennt man zum Beispiel an dem orange hinterlegten ‚P’ auf dem Parkscheinautomaten“, sagt Gögüs. Die Besonderheit: Hier darf nur für bis zu maximal zwei Stunden geparkt werden. Die Automaten „in der blauen Zone“ sind dagegen mit einem weißen P auf blauem Grund gekennzeichnet. „In welcher Zone wie lange geparkt werden darf, wissen viele Autofahrer nicht“.

Die Ausreden derjenigen, die trotz des Verbots auf der Fahrbahn halten, sind vielfältig. „Meine Mutter muss zum Arzt und ist nicht gut zu Fuß“, sagt eine Frau, die ihre Einkaufstaschen zum Auto trägt. Andere „fahren gleich weg“. Gögüs hört sich viele der Ausreden an und bleibt stets freundlich. Auch wenn sich jemand nach dem Weg erkundigt oder der Parkscheinautomat defekt ist, steht er mit Rat und Tat zur Seite.

Beschimpfungen prallen ab

Fahrer, die ihn allerdings offensichtlich belügen, zum Beispiel trotz absolutem Halteverbot noch minutenlang im Auto sitzen bleiben und keinerlei Anstalten machen loszufahren, toleriert er nicht. Dann zückt Gögüs das MDE-Gerät, erfasst das Kennzeichen, die Straße und das Vergehen. So manches Mal muss er sich dabei von uneinsichtigen, aber dennoch zu Scherzen aufgelegten Autofahrern einen Witz auf seine Kosten anhören oder sich als „Geier“ oder schlimmeres beschimpfen lassen. „Das prallt an mir ab“, sagt er. Gögüs macht seine Arbeit gern: „Es ist schön, sich im Freien zu bewegen, aber ich finde es auch wichtig, dass die Verkehrsregeln eingehalten werden und nicht kreuz und quer geparkt wird.“

Durch Falschparker gefährdet werden zum Beispiel Kinder auf dem Schulweg. Aus diesem Grund kontrollieren Gögüs und seine Kollegen jeden Morgen Parksünder vor Schulen und Kindergärten. „Oft werden durch Autos Gehwege blockiert, sodass die Schüler nicht mehr sicher die Straße überqueren können.“ Zwar kontrollieren die Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung die Bereiche vor Schulen und Kindergärten regelmäßig, eine Besserung des Verhaltens der Autofahrer sei allerdings nicht in Sicht. „Viele Eltern ziehen weiterhin die bequemste Lösung vor und parken direkt vor der Schule, ob das erlaubt ist oder nicht.“

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