Transparenter Firmensitz: Was zuletzt aus der VR-Bank Ludwigsburg von innen nach außen drang, gefiel dem Vorstand gar nicht. Foto: Simon Granville

Erst pfui, jetzt hui: Nach dem großen Krach bei der VR-Bank Ludwigsburg sollen die Kriegsbeile nun begraben werden. Der Vorstand würdigt dafür sogar eine unbequeme Mitarbeiterin in den höchsten Tönen. Was ist da passiert?

Liest man das Flugblatt arglos, das die Gewerkschaft Verdi an ihre Mitglieder bei der VR-Bank Ludwigsburg verschickt hat, dann klingen die Sätze darauf wie eine Ansammlung von Selbstverständlichkeiten: Der Vorstand der VR-Bank Ludwigsburg, heißt es da zum Beispiel, habe großes Interesse an einem funktionierenden Betriebsrat. Wenn man jedoch weiß, was alles passiert ist, bevor es zu diesem Flugblatt kam, klingt der Inhalt nach einer fulminanten Kehrtwende eben jenes Bank-Vorstands.

 

Eklat im Betriebsrat

Denn wenn es darin auch heißt, es gehe nun darum, „gemeinsam“ und „konstruktiv“ Lösungsansätze für die bestehenden Konflikte zu erörtern, dann bedeutet das auch, dass damit ein Kapitel beendet werden soll, das der Ludwigsburger Bank, einer der größten VR-Banken im Land, extrem negative Schlagzeilen beschert hatte.

Vordergründig ging es um einen Konflikt im Betriebsrat der fusionierten Bank. Er gipfelte im Mai in der Abwahl seiner Vorsitzenden, Andrea Widzinski. Einen Grund hatten die Initiatoren dafür nicht angegeben. Das Bemerkenswerte daran: Erst acht Wochen zuvor hatte das Gremium Widzinski an seine Spitze gewählt, und, wie schon zuvor, gut zusammen geschafft. Hintergründig jedoch schien es sich um einen Konflikt zwischen Andrea Widzinski und dem Vorstand der Bank zu handeln.

Plötzlich weniger Gehalt

Deren Vorsitzendem Timm Häberle galt die erfahrene Vertreterin der Mitarbeiter als zu unbequem. Die entschlossene Art, wie sie in Gesprächen den Chefs gegenüber auftrat, war für manchen ungewohnt, der vor der Fusion in anderen Banken gearbeitet hatte und weniger versiert in der Betriebsratsarbeit war. Auch Timm Häberle schien irritiert zu sein. Das zumindest schloss Andrea Widzinski aus plötzlich einsetzenden Gängeleien.

Ein Mediator soll helfen

So drohte ihr der Vorstand etwa arbeitsrechtliche Konsequenzen an, weil sie ihr Auto einmal auf einem Kundenparkplatz abgestellt hatte. Und er kürzte ihr das Gehalt – weil ihre Vergütung als freigestellte Betriebsrätin womöglich nicht korrekt sei. Als die Situation im Mai schließlich mit der Abwahl im Betriebsrat eskalierte, lag der Verdacht nahe, dass handzahmere Betriebsratskollegen unter Druck gesetzt worden waren.

Die Spitze der VR-Bank hat sich damals nicht zu den Vorwürfen geäußert. Umso vielsagender erscheint es nun, dass sie es war, die das Gespräch mit Verdi gesucht hat. In einer mehr als dreistündigen Sitzung mit allen Beteiligten entstand schließlich die Idee, einen Mediator zu engagieren, der den Konflikt im Betriebsrat lösen soll. Im Mai noch hatte die Mehrheit des Betriebsrats diesen Verdi-Vorschlag ausgeschlagen. „Offensichtlich war die Zeit noch nicht reif“, heißt es im Flugblatt der Gewerkschaft, die damit auf die negativen Schlagzeilen und unangenehmen Nachfragen anspielt, mit der sich die VR-Bank seither befassen musste.

Großes Lob für eine Unbequeme

Auch jetzt äußert sich die Spitze der VR-Bank nicht zu den Entwicklungen. Man wolle die „gewisse Entspannung“, die sich eingestellt habe, nicht gefährden. In einer Rundmail an die Mitarbeiter, die unserer Redaktion vorliegt, schreibt der Vorstand allerdings: „Uns liegt viel daran, dass interne Diskussionen und Auseinandersetzungen auch intern bleiben.“ Die Bemühungen seien daher auf Deeskalation ausgerichtet. Im selben Schreiben wird Andrea Widzinski als „ein sehr wichtiger Stabilitätsanker“ bezeichnet, deren Arbeit und Engagement für die Mitarbeiterinteressen sehr geschätzt würden. Bestrebungen, ihr zu kündigen, gebe es nicht. Anderslautende Behauptungen entbehrten jeder Grundlage.

Eine Frage für das Arbeitsgericht

Die Vorwürfe, die Andrea Widzinski mutmaßlich verunsichern sollten, sind denn auch zurückgenommen worden. Offen ist lediglich noch ein Punkt: Ist ihr Gehalt als freigestellte Betriebsrätin korrekt ermittelt worden? Mit dieser Frage wird sich Ende Juli das Arbeitsgericht in Ludwigsburg befassen. Zu der Verhandlung kommt es, weil Andrea Widzinski ihre Chefs verklagt hat.

In ihrem Flugblatt an ihre Mitglieder bei der VR-Bank Ludwigsburg schreibt Verdi übrigens auch, dass sie einen störungsfreien Verlauf der Mediation erwarte und wünscht, dass der Betriebsrat zu seiner alten Stärke zurückfinde. Eigentlich müssten die Chancen gut stehen. Wie heißt es bei den Genossenschaftsbanken: Wir machen den Weg frei.