Die Stadt Nürtingen versucht, mit einer sofortigen Abrissverfügung den Druck auf den Eigentümer zu erhöhen.
Aus den Brandruinen in der Nürtinger Schafstraße 2 und 4 wachsen längst Büsche. Laut Stadtverwaltung herrscht in der Umgebung Lebensgefahr durch Ziegel und Teile, die vom Dach stürzen. Der Schandfleck hat sich zum Dauerärgernis für die Nachbarschaft entwickelt. Und ein Ende der Misere scheint nicht in Sicht.
Auch dreieinhalb Jahre nach der verheerenden Brandkatastrophe im Haus Nummer zwei, bei der zwei Menschen starben, hat sich äußerlich nichts zum Besseren verändert. Aber hinter den Kulissen tobt längst ein Rechtsstreit. Dabei geht es nicht um die Frage, wer für den Tod der beiden Bewohner aus Nummer zwei bei dem Feuer Anfang November 2020 verantwortlich ist. In diesem Verfahren wartet die Staatsanwaltschaft Stuttgart immer noch auf die Ergebnisse des vermutlich alles entscheidenden Gutachtens, während die Ermittlungen zum Brand in Nummer vier eingestellt wurden.
Kommune will den Druck erhöhen
Der besagte Rechtsstreit dreht sich vielmehr um den von der Stadt im Sommer 2023 geforderten Abriss der Brandruine. „Wir ziehen rechtlich alle Register und hoffen, dass dieser Schandfleck bald der Vergangenheit angehört“, erklärte jüngst der Oberbürgermeister Johannes Fridrich, der nun versucht, den Druck zu erhöhen. Doch bisher sind alle Bemühungen der Kommunalverwaltung ins Leere gelaufen und an der Misere in der Schafstraße hat sich seit vergangenem Sommer nichts geändert.
Längst wird in der Stadt gemunkelt, der Eigentümer tanze der Verwaltung genauso auf der Nase herum wie dem Regierungspräsidium, das seit dem vom Eigentümer gegen die Abrissverfügung eingelegten Widerspruch ebenfalls eingeschaltet ist. Immerhin hatte der Eigentümer im Sommer nach einem Gespräch mit der Stadt den Abriss angekündigt – aber nichts geschah. Nun stellt sich die Frage, ob der Eigentümer auf Zeit spielt, nachdem der Verkauf der Brandruine nicht zustande kam. Im vergangenen Jahr hatte die Stadtverwaltung ihr Kaufinteresse an den Gebäuden Schafstraße 2, 4 und 6 bekundet und mit den beiden Eigentümern Kontakt aufgenommen, nachdem die Objekte laut der Plattform Immoscout für drei Millionen Euro angeboten worden waren. Allerdings stellte sich laut Verwaltung heraus, dass nicht alle drei Objekte zum Verkauf stünden. Demnach hatte der Eigentümer der Gebäude zwei und vier nur eine Verkaufsbereitschaft für Haus Nummer vier signalisiert. Diese Tatsache und die hohe Preisforderung ließen das Geschäft schließlich platzen.
Stadt will Eigentümer Beine machen
Wie gesagt, die Sache zieht sich hin, auch wenn das Regierungspräsidium der Kommune im vergangenen Sommer zusagte, das besagte Widerspruchsverfahren vorgezogen zu bearbeiten. Inzwischen sind sechs Monate ergebnislos verstrichen. Nun hofft Oberbürgermeister Fridrich, dem Eigentümer mit der Forderung nach sofortigem Vollzug des Gebäudeabbruchs endlich Beine zu machen. Und gleichzeitig könnte dadurch auch die Rechtsangelegenheit beim Regierungspräsidium Stuttgart rascher entschieden werden.
„Ein Bürgersteig gehört den Bürgerinnen und Bürgern und nicht angrenzenden Eigentümern, die den Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ ins Gegenteil verkehren“, kommentiert Fridrich außerdem den Missstand, dass der Gehweg seit Jahren abgesperrt ist. Seit dem Brand gilt die Immobile als einsturzgefährdet und wird seither zusammen mit dem Gehweg durch einen Bauzaun abgesperrt. Bei ihren Ermittlungen 2020 konnten die Kriminaltechniker der Kriminalpolizei Esslingen die Brandruine nur mit größter Vorsicht betreten. Für die Ermittlungsarbeiten wurde das Gebäude eigens eingerüstet.