Joachim Löw hat seinen Vertrag beim DFB verlängert. Foto: dpa

Noch nie war der Vertrauensvorschuss eines Bundestrainers größer, kommentiert Sportredakteur Marko Schumacher.

Stuttgart - Es hat beim Deutschen Fußball-Bund Zeiten gegeben, in denen die sich die Vertragsverlängerung des Bundestrainers zur Staatsaffäre ausweitete. 2010 kam es fast zum völligen Zerwürfnis zwischen dem damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Joachim Löw, nachdem Forderungen der sportlichen Leitung durch den Verband in der Öffentlichkeit lanciert worden waren. Viel Mühe kostete es, die Scherben zusammenzukehren und doch noch zueinander zu finden.

In bestem Einvernehmen, ohne jegliche Nebengeräusche und ungewöhnlich schnell hat Löws nun seinen nächsten Vertrag unterschrieben, was zweierlei beweist: Erstens ist der neue DFB-Präsident Reinhard Grindel, der Löw vom ersten Tag an den Teppich ausgerollt hatte, ein geschickterer Verhandlungsführer. Eilig hatte er es freilich auch im ganz eigenen Interesse. Auf dem DFB-Bundestag in Erfurt muss sich Grindel Ende dieser Woche im Amt bestätigen lassen und weiß: die Vollzugsmeldung wird nicht zu seinem Schaden sein.

Der WM-Titel 2014 hat Löw unantastbar gemacht

Zweitens zeigt diese vorzeitige Vertragsverlängerung, dass es noch nie einen Bundestrainer gegeben hat, dem ein größerer Vertrauensvorschuss zu Teil wurde. Mit einem Freifahrtschein darf Löw, wenn er denn will, die weitere Zukunft der Nationalmannschaft gestalten. Das vorzeitige und unnötige Aus bei der EM hat daran nichts anhaben können; und zumindest von seinem Präsidenten wird er keinen Ärger fürchten müssen, sollte auch die WM 2018 mit einer Enttäuschung enden. Der WM-Titel 2014 und die neuen Machtverhältnisse an der Otto-Fleck-Schneise haben Löw unantastbar gemacht.

Jetzt sollte sich der ewige Bundestrainer daran machen, dieses Vertrauen zu rechtfertigen und zu beweisen, dass er auch weiterhin die Kraft und Motivation aufbringt, die sein Amt einfordern. Einen Anfang hat Löw zuletzt gemacht.

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