Rauchen auf Spielplätzen ist künftig verboten. Doch ob Missetäter überhaupt erwischt werden, ist offen Foto: dpa

Das Rauch- und Alkoholverbot auf Spielplätzen ist richtig. Doch wenn niemand kontrolliert, bleibt es eine gute Idee ohne Auswirkungen – egal, wie hoch die Bußgelder sind, meint Jürgen Bock.

Stuttgart - Gegen ein Rauch- und Alkoholverbot auf Spielplätzen kann keiner was haben. Kinder müssen schließlich geschützt werden. Insofern verwundert es nicht, dass im Gemeinderat bei diesem Thema seltene Einmütigkeit herrscht. Denn in der Tat ist es eine Sauerei, im Sandkasten Kippen oder gar Glasscherben zu verteilen. Und auf Saufgelage neben Schaukel und Klettergerüst können die meisten Stuttgarter auch dankend verzichten.

Bleibt nur die Frage, wer die Kinder schützt – und die Missetäter verdonnert. Irgendwelche Sheriffs werden’s schon richten, glauben offenbar die Stadträte. Und gehen davon aus, dass die Kontrollen von rund 500 Spielflächen irgendwie klappen werden. Genauso wie die Platzverweise gegen Bettler in der Innenstadt. Oder die Überprüfung von campierenden Osteuropäern im Schlossgarten. Oder die Kontrolle des derzeitigen Grillverbots in Stuttgarts Wäldern. Und und und.

Der städtische Vollzugsdienst darf sich über immer neue Aufgaben freuen – aber nicht über das notwendige Personal. Und die Polizei winkt erst recht ab. Deren Beamte kommen im Normalfall nicht einmal ansatzweise dazu, gezielt Spielplätze abzufahren, um Besuchern die Kippen aus dem Mund zu nehmen.

Das Verbot ist und bleibt richtig. Doch umsetzen lassen wird es sich kaum. Das Vorhaben, man könne damit das Rauchen und Trinken von den Spielplätzen verbannen, ist deshalb aussichtslos. Der ein oder andere Spielplatzsünder wird vielleicht im Zuge anderer Kontrollen erwischt – und muss dann angesichts von Bußgeldern in Höhe von 75 Euro tief in die Tasche greifen. Der große Rest wird ungestraft davonkommen. Bleibt also nur, auf die Einsicht der Leute zu setzen. Doch das, so zeigt sich leider immer wieder, ist wohl zu viel verlangt.

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