Der behinderte Weitspringer Markus Rehm bei der DM in Ulm Foto: Getty

Der DLV hat sich im Fall des behinderten Weitspringers Markus Rehm nicht mit Ruhm bekleckert – dabei wäre es möglich gewesen, meint Jürgen Kemmner.

Der DLV wollte mit der Startzusage des behinderten Weitspringers Markus Rehm bei den Meisterschaften in Ulm ein Zeichen setzen für Inklusion im Sport. Diese Überlegung war im Grunde gut. Allerdings zeigt sich in der Entwicklung der Ereignisse, dass dieser Plan alles andere als gut vorbereitet war. Rehm wurde Meister, übertraf die EM-Norm – darf aber nicht in Zürich starten. Die eilige Analyse der biomechanischen Daten aus Ulm hätte ergeben, dass die Prothese ein unzulässiges Hilfsmittel darstellte, argumentiert der DLV. Allerdings werden im Widerhall des Urteils Stimmen laut, die behaupten, innerhalb von nur drei Tagen sei eine solche Analyse mit seriösen Ergebnissen gar nicht umzusetzen.

Damit sind wir an der Wurzel des Übels: die Zeit und der zu sorglose Umgang damit unter konsequenter Vernachlässigung möglicher Folgen. Rehm war im Juli 2013 auf 7,95 Meter geflogen, im Dezember hatte seine Trainerin erklärt, ihr Schützling werde die DM-Norm springen und wolle dann starten. Im März hatte er die Norm. Der DLV reagierte nicht; vielleicht hofften sie im Verband, Rehm möge in Ulm weder unter die ersten drei springen noch die EM-Norm knacken. Wie sonst könnte das monatelange Säumen zu erklären sein – in dieser Zeit hätten aufwendige und zeitintensive Untersuchungen stattfinden können. An deren Ende ein wissenschaftlich belastbares Ergebnis gestanden hätte, das jeder hätte nachvollziehen können. Es kam anders, es kam der GAU für den DLV, der nun im schlechten Licht einer Hauruck-Entscheidung steht. Gut gemeint ist eben nicht immer auch gut gemacht.

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