Kommentar zum 500-Euro-Schein Dahinter steckt möglicherweise mehr

Von Robert Obertreis 

Aus für den 500-Euro-Schein: Steht uns in ferner Zukunft ein bargeldloses Leben bevor? Foto: dpa
Aus für den 500-Euro-Schein: Steht uns in ferner Zukunft ein bargeldloses Leben bevor? Foto: dpa

Obwohl fast 600 Millionen lila Scheine im Umlauf sind, haben die wenigsten Menschen schon mal einen in der Hand gehabt. Nun wird der 500-Euro-Schein abgeschafft. Die möglichen Konsequenzen bergen Gefahren, kommentiert Robert Obertreis.

Frankfurt - Die wenigsten werden den größten lila gefärbten Euro-Schein bislang einmal in der Hand gehalten haben. Geldautomaten der Banken und Sparkassen spucken diese Scheine selten aus. Obwohl fast 600 Millionen davon in Umlauf sind. Insofern wird kaum ein Verbraucher den 500 Euro-Schein vermissen, nachdem die Währungshüter der Eurozone ihm jetzt das allmähliche Aus beschert haben. Der Schein bleibt aber gesetzliches Zahlungsmittel. Kann man einen solchen Entschluss also mit Gelassenheit betrachten?

Nur auf den ersten Blick. Denn dahinter steckt möglicherweise mehr, als nur das Aus für einen Geldschein. Abgesehen davon, dass es unnötig viel Geld kostet. Schließlich umfasst der 500ter wertmäßig rund ein Drittel des gesamten Euro-Bargeld-Umlaufes. Es müssen also reichlich 200 und 100 Euro-Banknoten gedruckt werden. Einzug der alten Scheine, Druck und Verteilung der neuen verschlingt Schätzungen zufolge mindestens eine halbe Milliarde Euro. Geht es wirklich darum, Kriminellen, Geldwäschern und Drogenhändler eine Basis zu entziehen? Wohl kaum: Sie werden die Entscheidung der EZB-Oberen mit einem Lächeln quittieren und schnell andere Wege finden, ihre dunkeln Geschäfte zu betreiben und zu finanzieren.

Möglicherweise geht es um die Abschaffung des Bargeldes

Möglicherweise ist die Abschaffung der wertvollsten Euro-Banknote der Anfang des Einstiegs in die Abschaffung des Bargeldes. Damit würden die Zahlungswege des Verbrauchers und des Handels eingeschränkt, worauf Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zurecht hinweist. Auch das Vertrauen in den Euro könnte untergraben werden, das hierzulande - warum auch immer - nicht überall besonders groß ist. Bargeld bietet zudem einen Schutz vor Niedrigst- oder gar negativen Zinsen.

Statt das Geld auf dem Konto liegen zu lassen, könnte es in Scheinen abgehoben werden - auch in 500tern - und ins Schließfach gelegt werden. Ob das unter dem Strich günstiger ist als auf dem Konto mit Null- oder gar Minus-Zinsen (schließlich gibt es auch ein Bank-Fach nicht umsonst) ist eine andere Frage. Aber der Verbraucher hätte die Wahl. Ohne Bargeld hätte er sie nicht. Soweit ist es noch lange nicht. Aber das Aus für den 500 Euro-Schein richtet den Blick auch auf solche Aspekte.

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